Gute Nachrichten für die Nutzfahrzeugstadt Ulm: Die Iveco-Produktionsstätte im Donautal wird Produktionszentrum für batterieelektrische und brennstoffzellenbetriebe Schwerlastwagenmodelle des Konzerns. Das wurde am Donnerstagnachmittag auf einer Betriebsversammlung verkündet.

Iveco und FPT Industrial, also die Nutzfahrzeugmarke und der Antriebsspezialist des Mutterkonzerns CNH Industrial, werden gemeinsam mit der amerikanischen Nikola Motor Company den Nikola TRE in der Ulmer Iveco-Fertigungsstelle mitentwickeln und bauen lassen. Der Nikola TRE ist ein batterieelektrischer Schwerlast-Lkw, der den ersten Schritt zum brennstoffzellenbetriebenen Elektrofahrzeug darstellt, wie das Unternehmen mitteilt. CNH Industrial habe im Rahmen der strategischen und exklusiven Partnerschaft im Bereich der Schwerlastlastkraftwagen als Hauptinvestor 250 Millionen Dollar (227 Millionen Euro) in Nikola investiert.

Produktion des Nikola TRE soll 2021 im Donautal anflaufen

In der ersten Phase des Projekts wird das Joint Venture 40 Millionen Euro investieren, um die Ulmer Produktionsanlagen zu modernisieren, um sich dann auf die Endmontage des Fahrzeugs dort zu konzentrieren, teilt das Unternahmen mit. Der Produktionsstart wird für das erste Quartal 2021 erwartet, die Auslieferung des Nikola TRE beginnt im gleichen Jahr.

„Der Nikola TRE ist der modernste schwere Lkw der Welt und wird den Standard für emissionsfreie Fahrzeuge heute und in Zukunft setzen", sagte Trevor Milton, Chief Executive Officer von Nikola Motors.“ Die Entscheidung, den TRE in Ulm in Serie zu produzieren, sei ein gutes Beispiel dafür, wie Arbeitsplätze geschaffen, Innovationen gefördert und neuen Null-Emissions-Zulieferern Sicherheit gegeben werden kann. Die Welt ist bereit für den emissionsfreien Güterverkehr. Das Joint Venture zwischen Nikola und Iveco wird das erste sein, das liefert. Ich freue mich darauf, die ersten Fahrzeuge vom Band laufen zu sehen.“

Erste Prototypen auf der IAA 2020 im September

Die ersten Modelle, die in die Produktion gehen werden, sind laut den Angaben die batterieelektrischen 4x2- und 6x2-Fahrzeuge mit modularen und skalierbaren Batterien mit einer Kapazität von bis zu 720 kWh. Der elektrische Antrieb verfügt über maximal 480 kW Dauerleistung.

Das Ulmer Werk wird von den spanischen Iveco-Fertigungsstandorten Valladolid und Madrid mit Modulen beliefert, was einen schnellen Produktionshochlauf ermöglicht, um die erwartete Kundennachfrage zu decken, wie es heißt. Elektrische Versionen mit Brennstoffzellen, die auf derselben Plattform gebaut werden, würden 2021 im Rahmen des von der Europäischen Union unterstützten H2-Haul-Programms getestet. Die Markteinführung sei für 2023 geplant.

Der Nikola TRE, der gerade entwickelt wird, basiert auf der neuen Iveco S-Way-Plattform und integriert Nikolas Antriebs-Technologie, Steuerungen und Infotainment. Die Tests werden voraussichtlich ab Mitte 2020 stattfinden, erste Prototypen sollen auf der IAA 2020 im September gezeigt werden.

Emissionsneutralität von Schwerlastwagen beschleunigen

Gerrit Marx, Chef der Nutzfahrzeugparte von CNH Industrial, ist überzeugt, die Endmontage, die Antriebs-Integration und die High-End-Ausführungen des Nikola TRE so zu beschleunigen, dass eine zeitige Markteinführung für 2021 möglich ist.

Das Joint Venture sei Teil einer größeren Partnerschaft mit Nikola mit dem Ziel, die Emissionsneutralität von Schwerlastwagen in Nordamerika und Europa durch die Einführung der Brennstoffzellentechnologie zu beschleunigen, heißt es in der Mitteilung. Der Hauptfokus der Zusammenarbeit liege auf der Nutzung der jeweiligen Fachkenntnisse der Partner, um emissionsfreie Schwerlastwagen erfolgreich auf den Markt zu bringen „und die Industrie mit einem völlig neuen Geschäftsmodell zu revolutionieren“.

Standort Ulm profitiert von der Nähe zu Zulieferern

Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) sagte: „Die Entscheidung bedeutet eine großartige Zukunftsperspektive für das Iveco-Werk im Donautal.“ Arbeitsplätze würden erhalten bleiben sowie neu entstehen.

Das Ulmer Lkw-Werk kann auf eine lange Geschichte von Innovationen und Branchenneuheiten zurückblicken „und steht seit mehr als einem Jahrhundert für Spitzenleistungen im Schwerlastwagenbau“, wie es in der Mitteilung heißt. „Der Standort liegt im Herzen von Baden-Württemberg, das sich durch seine gut ausgebildeten Arbeitskräfte und zahlreiche Forschungsinstitute zu einer führenden Drehscheibe für die Brennstoffzellenmobilität entwickelt.“ Baden-Württemberg habe frühzeitig schon erhebliche Investitionen in Forschungs- und Entwicklungsprojekte in der Region getätigt und beheimatet zudem eine starke Automobilindustrie sowie strategische Projektpartnerschaften, so dass der Standort Ulm bereits heute von der Nähe zu wichtigen Zulieferern profitiere.

Förderung der Pionierarbeit von Unternehmen

Darüber hinaus habe die Bundesregierung kürzlich den Entwurf der Nationalen Wasserstoffstrategie auf den Weg gebracht, um die Pionierarbeit von Unternehmen im Bereich Wasserstofftechnologie zu fördern. Darin kündigt sie an, zwei Milliarden Euro zur Finanzierung eines Wasserstoff-Innovationsprogramms sowie zum Aufbau der notwendigen Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.

Das europäische Joint-Venture mit Nikola und die Ankündigung, das Fahrzeug in Ulm zu bauen, „sind ein klarer Beweis dafür, dass der emissionsfreie Fernverkehr kommt und konkrete Umweltvorteile für Europas Langstreckentransporteure und seine Bürger mit sich bringt", sagte Hubertus Mühlhäuser, Chief Executive Officer von CNH Industrial. „Die Entscheidung für den Bau des Nikola TRE in Ulm – einem Kompetenzzentrum für die Entwicklung von Schwerlast-Lkws - unterstreicht die strategische Lage des Standorts im Herzen des deutschen Brennstoffzellen-Technologie-Clusters.“