Der Ärger um das neue Imagevideo der Stadt Ulm geht weiter – nun auch in der Lokalpolitik. In dem Drei-Minuten-Film, der für Vielfalt in der „internationalen Stadt“ wirbt, ist ein Nazi eine der Hauptfiguren. Er trägt als Tattoo eine „Schwarze Sonne“. Diese gilt, da sie nicht verboten ist, in der rechtsextremen Szene als Erkennungssymbol.

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Nachdem das Video am Donnerstag online gegangen war, gab es vor allem in den Sozialen Medien heftige Debatten und Kritik. Die Filmemacher und die Stadt Ulm als Auftraggeber verteidigten das Werk. Der Film solle „der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass sich im zwischenmenschlichen Kontakt, im gegenseitigen Kennenlernen, Einstellungen und Menschen auch ändern können“, heißt es in einem Statement der Stadt. Es gehe um eine Botschaft von Vielfalt und Menschlichkeit.

Szene rauszunehmen wäre ein Fehler

Oberbürgermeister Gunter Czisch, der in dem Film ebenso mitspielt, sagte: „Man muss die Bereitschaft haben, dieses Thema anzusprechen. Wenn man den ganzen Film anschaut, ist er mutig, weil er ein tabuisiertes Thema anspricht.“ Die Szene rauszunehmen wäre ein Fehler, sagt Czisch. Besser wäre es, sich der Diskussion zu stellen. Alle sollten sich den ganzen Film anschauen und eine Meinung bilden.

Doch auch in den politischen Fraktionen rührt sich Unmut. So hat die SPD beantragt, „den Film sofort aus dem Angebot der Stadt zu löschen und ihn zu überarbeiten“.

Fakt ist allerdings, dass der Film bereits Mitte Oktober in der Lichtburg erstmals öffentlich präsentiert wurde. Dabei waren auch etliche Stadträtinnen und Stadträte verschiedener Fraktionen anwesend, die das Imagevideo lobten und beklatschten.

Daher schreibt nun der OB an die Fraktionsspitzen im Ulmer Gemeinderat: „Ich darf daran erinnern, dass wir den Film am 15.10. öffentlich präsentiert haben. Damals gab es einhellige Zustimmung. Es wäre aber auch die Gelegenheit gewesen, auf Kritik zu reagieren.“

Wie die Koordinierungsstelle Internationale Stadt mitteilt, hätten insgesamt mehr als 200 Leute den Film vor der Veröffentlichung zu Gesicht bekommen. Keiner habe gesehen, dass daran etwas problematisch sein könnte.

Verharmlosung rechtsextremer Gesinnung?

Die SPD schreibt nun aber an den OB: „Zu Recht fragen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nach der Intention, einem Schauspieler mit einer rechtsextremen Tätowierung eine so große Plattform zu bieten.“ Und weiter: „Was genau möchte die Stadtverwaltung mit diesem Film ausdrücken? Sollen Menschen mit rechtsextremer Gesinnung verharmlost werden? Ihre Ansichten sind jedoch im absoluten Gegensatz zum Willen, das Konzept der internationalen Stadt mit Leben zu füllen. Wenige Tage nach dem Terroranschlag eines Faschisten in Halle hat dieser Film eine fatale Wirkung! Im Übrigen fragen wir uns auch, ob die Fußballfans mit den Bannern in Frakturschrift tatsächlich die gewünschte Vielfalt widerspiegeln. Wir hätten erwartet, dass in der Stadt der Geschwister Scholl das Bewusstsein vorhanden ist, fragliche Symbole von den Fachleuten wie dem Stadtarchiv oder dem DZOK bewerten zu lassen, bevor man den Film fertigstellt.“

In dem Film „Vielfalt leben in Deiner Stadt“ werden in gut drei Minuten mehrere Geschichten erzählt: Er zeigt etwa eine mittellose ältere Frau und auch OB Czisch, der mit einem Jungen mit Down-Syndrom Schach spielt. Er zeigt die Ulmer Fußballer und Basketballer, die Erfolge feiern. Er zeigt aber ebenso einen Rechtradikalen, der in einem Krankenhaus um das Leben seiner kleinen Tochter bangt – wo es einen Arzt mit Migrationshintergrund und eine Nonne gibt.

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