Die Stadt Ulm hält an ihrem umstrittenen Imagefilm fest. Sie stehe „zu dem im Kampagnenfilm künstlerisch umgesetzten Anspruch einer vielfältigen Gesellschaft und wird den Film auf ihren Kanälen in der ursprünglich veröffentlichten Form belassen“, hieß es Dienstagnachmittag in einer Mitteilung.

Der Clip „Ulm – Wir alle sind Vielfalt“ collagiert in gut drei Minuten mehrere Geschichten. Er zeigt viel Sport, eine mittellose ältere Frau und auch OB Gunter Czisch, der mit einem Jungen mit Down-Syndrom Schach spielt. Ebenso im Mittelpunkt steht ein großer blonder Mann mit einer tätowierten „Schwarze Sonne“, einem Erkennungssymbol der rechtsextremen Szene. Dieser Mann bangt in einem Krankenhaus um das Leben seiner kleiner Tochter – wo ihm ein Arzt mit Migrationshintergrund hilft. Am Ende geht der Nazi mit seiner geheilten Tochter nach Hause.

Kommentar zum Imagefilm der Stadt Ulm Augen auf und durch

Ulm

Vorurteile überdenken

Intention des Filmes sei es zu zeigen, „dass die zwischenmenschliche Begegnung für alle Anstoß sein kann, bisherige Einstellungen und gegebenenfalls Vorurteile zu überdenken und hoffentlich auch zu überwinden“, teilt die Stadt mit.

Dem Vernehmen nach hatte Oberbürgermeister Gunter Czisch am Montag im Ältestenrat versucht, eine einheitliche Haltung der Gemeinderatsfraktionen zu finden. Eine gemeinsame Erklärung kam aber nicht zustande.

Am vergangenen Donnerstag war der Film online gegangen, rasch war es in Sozialen Medien zu Diskussionen gekommen. Bereits am Freitag hatte die SPD beantragt, den Film aus dem Netz nehmen. Sie bedauert die Entscheidung, an ihm festzuhalten. „Wir sehen den Film nach wie vor als sehr problematisch und sehr kritisch“, sagt Dagmar Engels. Das Nazi-Tattoo gehöre nicht in einem Film über Vielfalt in Ulm. „Vielfalt ist eine Chance“, betont Engels. „Nazis in der Stadt zu haben, ist keine Chance.“

Keine Kritik an der Intention

Bei den Grünen bleibe „die große Mehrheit“ der Fraktion bei der Empfehlung an die Stadtverwaltung, den Imagefilm löschen zu lassen. Dies sei „ausdrücklich keine Kritik an der Intention des Filmes, für Vielfalt zu werben, die die GrünenFraktion teilt. Allerdings verfehlt ein Imagefilm, der einer Erläuterung bedarf und Gelegenheit zu Missverständnissen bietet, sein Ziel.“

Thomas Kienle (CDU) weist darauf hin, dass es nicht der Gemeinderat war, der den Imagefilm in Auftrag gegeben hat – das hatte die Verwaltung über die Koordinierungsstelle „Internationale Stadt“ getan. Die CDU respektiere aber die Entscheidung des OB, „hier der Kunstfreiheit den Vorrang vor subjektiven Missfallensäußerungen geben zu wollen“.

Rechtsextremismus nicht verherrlicht

Die CDU sehe auch keine Veranlassung, den Film zu ändern: Weder schade er dem Ansehen einer vielfältigen Stadt, noch verherrliche er Rechtsextremismus. Er verletze nicht die Rechte Dritter und auch nicht das Sitten- oder Anstandsgefühl. „Dass dies subjektiv anders empfunden werden kann, wird von uns gesehen und respektiert“, sagt Kienle.

Der Film zeige in Klischees und stark emotionalisiert einen kleinen Ausschnitt aus der großen Vielfalt der Stadtgesellschaft, so Kienle. Wäre die CDU gefragt worden, ob man für 50 000 Euro ein solches Imagevideo in Auftrag geben sollte, hätte man eher eine Investition in konkrete Maßnahmen der internationalen Stadt vorgeschlagen.

Die CDU missbillige ausdrücklich die Skandalisierung und Hysterisierung, so Kienle. Eine Diskussion im Gemeinderat lehnt er ab: „Wir haben wichtigere Dinge zu entscheiden.“

Freie Meinungsäußerung

Die FWG-Fraktion begrüßt die Entscheidung der Verwaltung, den Imagefilm in der jetzigen Fassung im Netz zu belassen. Zum einen stehe die Fraktion „für künstlerische Freiheit, freie Kunstausübung und freie Meinungsäußerung“. Zum anderen findet die FWG, dass der Film gut gemacht ist, und man sei sich mit dem Filmemacher darüber einig, „dass die Kernaussagen der umstrittenen Szene ist, dass Menschlichkeit verbindet“.

„Die Intention des Films ist, dass die zwischenmenschliche Begegnung Anstoß sein kann, Vorurteile zu überdenken und zu überwinden“, schreibt die FWG. Um diese Kernaussage herauszuarbeiten und einen Spannungsbogen zu schaffen, sei das Zeigen der „Schwarze Sonne“ unerlässlich. Die Diskussionen um diese Szenen zeigten auch, „dass wir mit dem Rechtsradikalismus ein Tabuthema in unserer Gesellschaft haben, das wir in einem offenen Dialog diskutieren sollten“.

Stadt bedauert Irritationen

Die Stadt Ulm „bedauert ausdrücklich die entstandenen Irritationen und Missverständnisse“. Die Diskussion zeige allerdings ein differenziertes Bild „und unterstreicht die Notwendigkeit einer breiten öffentlichen Debatte zum Umgang mit der Thematik“. Die Stadt plant für Anfang Dezember die Organisation einer öffentlichen Diskussionsrunde unter Einbeziehung von Fachleuten.

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In Sozialen Medien mehr Negativ-Reaktionen


Imagefilm Das Video hatte bis Dienstagabend auf YouTube mehr als 14 000 Aufrufe.  Bei den Kommentaren überwiegen die negativen Aussagen, ebenso gibt es mehr Dislikes (also „Daumen runter“) als Likes. Auch aauf Facebook wird der Film weiterhin sehr kontrovers diskutiert.