Über die „zentrale Buchrückgabe“ wurden Eltern, deren Kinder am Humboldt-Gymnasium lernen, auch per Mail informiert. Zwei Termine sind vermerkt. Am Dienstag und Mittwoch müssen die Humboldt-Schüler ihre Bücher abgeben, die, laut Gesetz zur Lernmittelfreiheit, das Eigentum der Stadt Ulm sind. Das bedeutet, die Stadt kommt dafür auf. Nur: „Die Bücherabgabe ist viel zu früh. Es sind noch vier Wochen Schule“, sagt eine Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, aus Sorge, dass ihr Kind Nachteile erleidet.

Gymnasium, Realschule, Hauptschule Diese Schulen gibt es in Ulm und Umgebung

Ulm

Unterricht entfällt

Ohne Bücher würden kaum Hausaufgaben aufgegeben werden. „Ständig heißt es, mit G 8 habe man kaum Zeit für Wiederholungen. Jetzt, wenn alle Klassenarbeiten geschrieben sind, könnte man Stoff vertiefen. Stattdessen fordert man Bücher zurück und es fällt Unterricht aus“, berichtet die Frau. Tatsächlich haben am Humboldt-Gymnasium die Schüler am Donnerstag unterrichtsfrei, weil dann mündliche Abiprüfungen abgenommen werden. Das handhaben andere Gymnasien anders, nämlich so, dass am Prüfungstag jüngere Schüler sich nur mit Sport beschäftigten, im Wettbewerb Bundesjungendspiele. Für die Frau steht fest: „Die letzten Wochen des Schuljahres werden verschenkt.“

Projektwochen, Studienfahrten, ist Unterricht, dann gibt’s derzeit schon mal hitzefrei – die letzten Wochen im Schuljahr sind von vielem geprägt. Das wirft die Frage auf, was nach den Pfingstferien an den noch Schulen passiert. „Wir arbeiten intensiv“, versichert Bernhard Meyer, Schulleiter des Einstein-Gymnasiums und geschäftsführender Schulleiter der Ulmer Gymnasien. So werden in den ersten Juliwochen durchaus Tests und Klassenarbeiten geschrieben und „die letzten mündlichen Noten erhoben“, sagt er.

Bücherrückgabe wird unterschiedlich geregelt

Die Buchrückgabe regle jede Schule für sich, sagt Meyer. Wie eine kurze Nachfrage bei Ulmer Gymnasien ergeben hat, fordern die meisten die Bücher in der zweiten Juliwoche ein. Jedes Buch müsse kontrolliert werden, sagt Meyer. Sind Bücher derart beschädigt, dass sie nachbestellt werden müssen, müsse das vor den Sommerferien passieren.

Ohne Bücher kein Lernen – das weist Gregor Hoffmann zurück, stellvertretender Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums. Schließlich sei moderner Unterricht nicht nur mit Büchern möglich. „Wir sind sehr gut mit Laptops und Tablets ausgestattet“, sagt Hoffmann. Dass die Bücher in diesem Jahr so bald von den Schülern eingefordert werden, habe mehrere Gründe, führt er aus. Ein Grund sei, dass einige Schüler in der letzten Schulwoche unterwegs zu Studienfahrten sind. „Wir kommen nicht mehr an die Schüler ran.“ Teils geben Schüler die Bücher unvollständig ab. Um alle einzufordern brauchen die beiden Lehrerinnen, die damit befasst sind, schlicht mehr Zeit.

Für Schüler sei das Datum der Buchrückgabe gar nicht so interessant wie das der Notenabgabe, sagt Hoffmann. Am Humboldt-Gymnasium ist die Notenabgabe am 11. Juli. „Dann legen manche Schüler den Stift hin.“ Ein Verhalten, von dem der Wiblinger Schulleiter Meyer abrät. Denn: „Wir bewerten in den Notenkonferenzen auch die Mitarbeit der Schüler.“ Stehen die Noten fest, ist es Zeit für Unterricht, „der nicht notenrelevant ist, aber durchaus sinnvoll“. Etwa für Projektwochen. Die seien fürs Sozialverhalten der Schüler nicht zu unterschätzen, genauso wie die Klassenfahrten, auf die Schüler per Schulgesetz Anspruch haben. Für die sei nicht nur aus schulorganisatorischen Gründen jetzt die richtige Zeit, sondern die Jahreszeit passt auch prima.

Das könnte dich auch interessieren:

1,2


Millionen Euro gibt die Stadt jährlich für Schulbücher aus, die von rund 22 000 Schülern genutzt werden. Diese Zahlen nennt Gerhard Semler, Chef der Abteilung Bildung und Sport.