Eine Einladung zum Eis essen. So hat Hans Jakob den denkwürdigen Augenblick gefeiert, als er zum ersten Mal in seinem Leben Lohn erhielt. Wie all die anderen, die einen Job haben. „Ich zahl’“, habe der 18-Jährige zu ihr gesagt und sei „stolz wie Bolle“ gewesen, erzählt die Mutter Kirsten Jakob. Und da seien ihr vor Rührung die Tränen gekommen. Sicher spielte in dem Moment  auch große Erleichterung bei Kirsten Jakob eine Rolle. Denn die Mutter des jungen Mannes mit Trisomie 21 (Down Syndrom) hatte zuvor einen langen Kampf mit zuständigen Behörden und Institutionen gefochten. Wie diese Zeitung berichtete, war ihr Ziel, den 18-Jährigen in Brot und Lohn zu bringen, „damit er sozialversichert ist und selbstbestimmt im Leben stehen kann“. Und weil er für seine Leistung gerecht entlohnt werden sollte: „So wie jeder andere auch.“

Wie seine Leistung bewertet wird, darüber gingen die Ansichten zwischen der Familie, dem potenziellen Arbeitgeber, Friseurmeister Francesco Scavo, und dem zuständigen Integrationsfachdienst (IFD) allerdings auseinander. Letzterer hat unter anderem die Aufgabe, behinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Dafür begleiten Mitarbeiter die einzelnen, fördern und beurteilen sie. Bei Hans ging es darum, ob seine Arbeitsleistung 30 Prozent erreicht, was Scavo, bei dem der 18-Jährige seit mehr als einem Jahr als Praktikant arbeitet, rundweg bestätigte: „Hans macht seine Arbeit gut.“ Der IFD habe das jedoch nicht so gesehen. Erst nachdem die Agentur für Arbeit ihre volle Unterstützung zugesagt habe – „die hatten keine Zweifel daran, dass Hans den An Ansprüchen genügt“, sagt Kirsten Jakob, lenkte der IFD ein. Das war im Februar. „Es gab dann eine so genannte Inklusionskonferenz, bei der alle an einem Tisch saßen“, erzählt die Mutter. Die Agentur für Arbeit hatte zwei Vertreter geschickt, einen für Hans, einen für den Friseurmeister. „Wir übernehmen das“, hieß es und dann sei alles klar gewesen: Hans konnte den Arbeitsvertrag unterschreiben.

Hans ist zunächst für drei Jahre eingestellt

Seit 1. März arbeitet der 18-Jährige nun fest angestellt bei Scavo in Ulm. „Wir haben uns alle riesig gefreut, dass es endlich geklappt hat“, sagt der 33-Jährige. Hans sei motiviert und lerne immer wieder dazu. „Ab Juni wollen wir mit Haare schneiden anfangen.“ An einem Puppenkopf soll er lernen, eine gerade Linie zu schneiden. Aber: Nach all den Erfahrungen, die der Friseurmeister gemacht habe – „dieser irre Dschungel an Bürokratie, dem man ausgesetzt ist“ würde er keinesfalls mehr einen behinderten Menschen einstellen, sagt Scavo. Hans ist zunächst für drei Jahre eingestellt und arbeitet von Dienstag bis Freitag jeweils von 8.45 bis 12.45 Uhr. Montags arbeitet er ehrenamtlich im Café Canapee in der Weststadt. Für ihn habe ein neuer Lebensabschnitt begonnen, sagt seine Mutter. „Er ist erwachsen.“ Einen Teil des Lohnes bekomme Hans freitags bar ausbezahlt – „Geld auf dem Konto ist zu abstrakt für ihn“. Es seien 20 Euro, von denen er 15 für seinen ersten Urlaub ohne Eltern spare. Er fahre mit einer Gruppe nach Bulgarien und freue sich schon sehr. Die restlichen 5 Euro „haut er mit Currywurst und Comics auf den Kopf“. Oder er lädt seine Mutter großzügig zum Eis essen ein.

Das könnte dich auch interessieren

Ulm/Neu-Ulm

Wer den 18-jährigen Hans Jakob fördert


Lohn Hans Jakobs Lohn wird zu 60 Prozent von der Agentur für Arbeit bezahlt, zu zehn Prozent vom Integrationsfachdienst und die restlichen 30 Prozent bezahlt Friseurmeister Francesco Scavo. Der Vertrag ist auf drei Jahre befristet. Danach werde die Leistung von ihrem Sohn evaluiert.