Im Zuge einer Betriebsversammlung bei Abt haben die Gerüchte um einen Umzug des Haushaltswarengeschäfts neuen Auftrieb erhalten. Investor Erwin Müller will Abt demnach in die Hirschstraße verlegen, wo zum Monatsende nach einem Räumungsverkauf K+L Ruppert auszieht. Müller ist Eigentümer auch dieses Gebäudes Hirschstraße 10, des früheren Laumayer-Hauses. Man rechnet damit, dass Müller das Sortiment von Abt dort nur provisorisch unterbringt. Damit wäre der Weg frei, um für das in die Jahre gekommene und stark verwinkelte Abt-Haus am nördlichen Münsterplatz eine neue Lösung zu finden: entweder Kernsanierung oder Abriss und Neubau.

Noch keine Details bekannt

Seitens der Müller-Holding in Ulm-Jungingen war dazu am Montag keine Auskunft zu erhalten, da Erwin Müller wegen zahlreicher anderer Termine keine Zeit habe. Freilich kursieren in informierten Kreisen einige Details zu dem Abt-Projekt. So konnte Erwin Müller das Grundstück an der Ecke Münsterplatz/Platzgasse arrondieren. Müller hat dazu das baulich separate Haus, in dem sich bis zuletzt Schreibwaren Hutter befand, in einem komplexen Verfahren erworben. Dazu wurde dem Vernehmen nach ein altes Vorkaufsrecht aktiviert, nachdem das Haus zunächst schon an einen anderen Interessenten vergeben war. Dieser Erstverkauf wurde quasi rückabgewickelt, so dass Müller zum Zuge kam. Die Verkäuferfamilie hatte als Makler Volker Munk eingeschaltet. Munk wollte keine Details des Verkaufspreises nennen, so dass offen bleibt, ob das Hau mehr oder weniger als 1 Million Euro gekostet hat. Es verfügt im Erdgeschoss über 60 Quadratmeter Verkaufsfläche und zwei Obergeschosse. Der seit dem Auszug von Hutter räumlich bereits von Abt getrennte Laden scheint neu vermietet worden zu sein.

Kommt ein Neubau?

Zumindest läuft dort ein Umbau. Es deutet einiges darauf hin, dass der benachbarte Juwelier Roth an dieser Stelle erweitert. Dafür gab es zunächst jedoch keine offizielle Bestätigung. Dies gibt auch einen Hinweis darauf, dass Müller es nicht sehr eilig hat. Im Falle eines Neubaus würden mehrere Probleme auf ihn zukommen: Die Archäologen könnten einen Neubau erheblich verzögern. Und die von Müller gewünschte Tiefgarage stößt bei der Stadt auf wenig Gegenliebe. Beobachter rechnen in jedem Fall damit, dass Müller das Sortiment bei einer Rückkehr von Abt an den angestammten Standort deutlich strafft. In  einem Neubau könnten noch Büros, Wohnungen und eine Gastronomie unterkommen und Mieteinnahmen liefern. Es bleibt vorerst auch völlig unklar, was aus der groß angelegten Haushaltswaren-Abteilung bei Drogerie Müller in der Hirschstraße 7 wird, die nun fast direkt gegenüberliegend mit Abt in Konkurrenz tritt.

Stadt ist Plänen gegenüber aufgeschlossen

Mit der Stadt Ulm gab es bereits Gespräche über mögliche Pläne für das Abt-Gebäude, konkret liege aber noch nichts auf dem Tisch, sagte OB Gunter Czisch auf Anfrage. Zu Gerüchten wolle er sich nicht äußern: „Am Ende muss Herr Müller sagen, was er machen möchte.“

Ob Abriss und Neubau oder Sanierung und Umbau: „Die Stadt wird die Pläne aufgeschlossen begleiten.“ Eine öffentliche Tiefgarage unter einem möglichen Abt-Neubau, wie sie einmal im Gespräch war, sieht die Stadt wegen der schwierigen Zu- und Abfahrt durchs Quartier jedoch nach wie vor äußerst kritisch.

Eine städtebauliche Neuordnung am Münsterplatz sei gut vorstellbar, sagte Czisch. Der Bereich sei städtebaulich allerdings sehr sensibel. Müller habe beispielsweise mit dem Umbau eines historischen Gebäudes in Budapest aber gezeigt, dass er mit städtebaulichen Anforderungen in innerstädtischen Lagen verantwortlich umzugehen wisse. Das Haus Abt war Anfang der 60er Jahre vom damaligen Firmenchef Erich Schwaderer gebaut worden (siehe Infokasten). Es gab damals einen Architektur-Wettbewerb, erinnert sich sein Sohn Ulrich Schwaderer, den der örtliche Architekt Augustin gewonnen habe.

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Gründung im Jahr 1879


Historie: Die Firma Abt wurde 1879 vom Eisenwarenhändler Carl Abt gegründet und erreichte mit Sparten wie Haushalt, Garten und Werkzeuge eine beachtliche Größe. Abt übernahm sich aber mit dem Erwerb einer alten Magirus-Immobilie, aus der längst das „Stadtregal“ geworden ist. Nach der Insolvenz 2003 stieg Hutter ein. Erwin Müller übernahm Abt im August 2017. Inzwischen wird auch die Frage aufgeworfen, welchen Einfluss der neue Müller-Chef Günther Helm (40) auf das Projekt nimmt, wenn er im Zuge des Generationswechsels im Juni einsteigt. Firmengründer Müller wird dieses Jahr 87.