Mit seiner Donau-Anhörung hat sich der ungarische Schriftsteller György Konrad in die Herzen der Ulmer gelesen. Das war am 3. Juli 1998 zum Auftakt des ersten Internationalen Donaufestes, der gleichzeitig der Beginn einer langen Freundschaft zwischen dem preisgekrönten Autor und der Stadt Ulm war. Jetzt ist er im Alter von 86 Jahren nach schwerer Krankheit in seinem Haus in Budapest gestorben.

„Er war ein wunderbarer, weiser Freund und großer Donau-Inspirator“, sagte Peter Langer, der vor mehr als 20 Jahren Kontakt mit Konrad aufgenommen hatte und ihn als Gesicht für die Donauaktivitäten Ulm und Neu-Ulms gewinnen konnte. Nicht zuletzt wegen der Freundschaft zu Langer war Konrad mehrfach in Ulm gewesen, wo er seinen größten Auftritt sicherlich 1998 auf dem Münsterplatz hatte.

Für Völkerverständigung und kritisch Orban gegenüber

„Von mir, der Donau, kannst Du die Lektionen des ewigen Lebens lernen“, hatte Konrad damals vor Hunderten von interessierten Menschen gesagt, seine Donau-Anhörung, in der der große ungarische Autor die Donau selbst zu Wort kommen lässt, ist legendär und in der literarischen Reihe der Europäischen Donauakademie editiert. Er hat mehrere Texte zur Donau geschrieben, sich immer wieder sehr kritisch mit dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban auseinandergesetzt und sich stets für die Völkerverständigung eingesetzt.

Ulmer Ex-OB Ivo Gönner über György 

„Er war ein großartiger Schriftsteller, ein feiner Analytiker, ein unbeugsamer Demokrat und ein toller Donaufreund“, würdigte Ulms Alt-OB Ivo Gönner den Verstorbenen. Konrad trat mehrfach bei Veranstaltungen der EU-Donauraumstrategie auf. Selbst Sohn einer jüdischen Familie hat er sich zeitlebens mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen auseinandergesetzt. Zahleiche Familienangehörige sind dem Holocaust zum Opfer gefallen. Seinen ersten großen Welterfolg hatte er 1969 mit dem Roman „Der Besucher“. Von 1990 bis 1993 war er Präsident der internationalen Schriftstellervereinigung PEN und von 1997 bis 2003 Präsident der Akademie der Künste in Berlin. „Ich habe immer noch seine schöne sonore Stimme im Ohr und werde ihn sehr vermissen“, sagte Peter Langer.