Ulm Gutachten: Keine Schäden wegen Sprengung

Der Albabstiegstunnel am Portal unterhalb der Kienlesbergstraße. Das Bild ist im Januar 2016.
Der Albabstiegstunnel am Portal unterhalb der Kienlesbergstraße. Das Bild ist im Januar 2016. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Ulrike Schleicher 06.02.2018
Ehepaar im Lehrer Tal guckt wieder in die Röhre: Sprengungen nicht die Ursache der Schäden am Haus.

Für den Laien klingt das Ergebnis des Gutachters, Guido Schmücker aus Bergheim, völlig abstrus: Fünfmal hätte die Wucht der Sprengungen für den Bahntunnel Ulm-Stuttgart im Lehrer Tal die Norm überschritten. Aber: „Weil die DIN 4150 keine weitere Betrachtung der Bausubstanz ausführt (z.B Mauergewerkgebäude, Holzhaus, Betonhaus), sind die aufgeführten Anhalts- und Immissionswerte keine Grenz­werte.“ Daraus ergebe sich, dass aus den Überschreitungen „nicht automatisch gefolgert werden kann, dass Schäden am Gebäude ursächlich durch Sprengungen auftreten müssen“. Das zeigten jahrelange Erfahrungen.

Unterm Strich bedeutet das für das Ehepaar Gordona Pintar und Georg Ganser, die ein Einfamilienhaus im Lehrer Tal besitzen: Sie werden keine Entschädigung von der Deutschen Bahn AG bekommen. Es war bereits das zweite Gutachten, das zu dem Schluss kam, dass der ein Jahr lang andauernde Vortrieb und die Sprengungen nur neun Meter unter dem Haus des Ehepaares keinen einzigen der zahlreichen Risse, Senkungen und Abriebe verursacht haben soll. Gleiches gilt auch für 26 weitere Eigentümer auf dem Michelsberg, die laut Bahn Schäden an ihren Gebäuden gemeldet hatten.

Zustand wird dokumentiert

Das Ehepaar hatte wie die meisten Anlieger eine Beweissicherung am Haus vornehmen lassen. Das bedeutet: Der Zustand des Gebäudes wurde vor Beginn der Bauarbeiten detailliert unter die Lupe genommen und dokumentiert. Nach Ende der Arbeiten wurden die Veränderungen aufgenommen. Schäden gibt es etliche. Nur: Der Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass sie nichts mit dem Bau des Tunnels zu tun haben. Das Ehepaar legte Widerspruch ein.

Wieder ist der Frust und das Unverständnis aufgrund des jetzigen Ergebnisses groß: „Wozu stellen sie überhaupt Messgeräte auf?“, fragt sich Gordona Pintar. Es sei doch von vornherein klar, dass Schäden nicht von den Bahnarbeiten, sondern „vom Wind“ kommen. Für die Bahn war die Überprüfung des ersten Gutachtens ein „üblicher Vorgang“, hatte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage erklärt. „Gleichzeitig will die Bahn auch wissen, wie sicher ihre Position in einem Rechtsstreit wäre.“

Info In Stuttgart haben sich Hauseigentümer aus dem Kernerviertel, dem Killes- und Gablenberg, Untertürkheim und Wangen zu Netzwerken zusammengeschlossen. Unter anderem verweigern sie die Unterzeichnung der Gestattungsverträge, die der Deutschen Bahn das Recht gibt, unter ihren Grundstücken zu bauen.