Es ist die erste große Solarthermie in Ulm und die erste in Lehr“, scherzte Ortsvorsteher Dietmar Wegerer bei der offiziellen Inbetriebnahme des Blockheizkraftwerkes (BHKW) an der Mähringer Straße. Er sei begeistert von dieser grünen Energie. Denn an das gasbetriebene Kraftwerk zur Heizwärmeerzeugung ist erstmals eine Solarthermieanlage angeschlossen. So werden bislang 110 Häuser des ersten Bauabschnitts im nahen Neubaugebiet „Beim Wengenholz“ dank Sonnenenergie mit warmem Wasser versorgt.

„Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm haben hier 1,3 Millionen Euro investiert“, sagte Bernd Adolph, der technische Geschäftsführer der SWU Energie. Zehn Prozent davon kommen als Fördermittel von der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Das Heizkraftwerk stelle den Energie-Grundbedarf für etwas mehr als 150 Wohneinheiten sicher, denn „Beim Wengenholz“ folgt noch ein zweiter Bauabschnitt.

Es wird vor allem dann Strom erzeugt, wenn der Preis stimmt

Das Kraftwerk erzeugt Strom (50 Kilowatt) und Wärme (80 KW). Aber das Gas wird nur möglichst dann im Kessel verbrannt, wenn die Solarthermie fürs Warmwasser nicht mehr ausreicht, beispielsweise sobald es im Winter sehr kalt ist und sobald die Sonne länger nicht mehr scheint. „Und wir erzeugen möglichst nur dann Strom, wenn der Preis stimmt“, ergänzte Projektleiter Reinhard Wunder. Dieses BHKW habe sich in Lehr angeboten, weil der Ortsteil ans Gasnetz angeschlossen ist, und weil das Fernwärmenetz der Fernwärme Ulm nur bis zur Universität reicht. Weitere Standorte für diese innovative Strom- und Wärmeerzeugung seien in Donaustetten, im Gebiet „Wohnen am Stadtpark“ in Senden sowie im Quartier „Wohnen am Illerpark“ in Neu-Ulm geplant.

Aber dies setzt voraus, dass neben dem Blockheizkraftwerk noch genügend Platz ist: erstens um den Heißwasserspeicher aufzustellen, der in Lehr 25 000 Liter fasst; zweitens, um die Kollektoren für die Solarthermie alle unterzubringen. In Lehr wurden auf einer Fläche von 400 Quadratmetern 425 dunkelblaue Röhren-Kollektoren installiert. Sie liegen in einer silbrigen Reflektorfläche, um möglichst jeden Sonnenstrahl aufzufangen. Und: „Die Röhren sind nur mit Wasser gefüllt, nicht mehr mit einem Glykol-Wassergemisch“, betonte Wunder. Denn das Frostschutzmittel Glykol könnte dem Boden schaden, sollte eine Röhre mal leck werden. Unter der Kollektorenfläche wurde Gras eingesät, die Pflege übernimmt ein Landschaftsgärtner.

Auch das Ulmer Klima profitiert davon

Was aber noch viel umweltfreundlicher klingt, ist das Rechenmodell, dass dank der Sonnenkollektoren weniger Erdgas in den beiden Motoren verbrannt werden müsse und somit für das Ulmer Klima eine jährliche Entlastung von rund 180 Tonnen Kohlendioxid herausspringe, betonen die Stadtwerke.