Ulm Mehr Einnahmen, mehr Kosten: Nahverkehrsdefizit bleibt bestehen

Am Nahverkehrsdefizit kann auch die neue Linie 2 nichts ändern.
Am Nahverkehrsdefizit kann auch die neue Linie 2 nichts ändern. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Frank König 06.12.2018
Die neue Linie kostet 270 Millionen Euro und bringt 8200 Fahrgäste täglich mehr. Das Nahverkehrsdefizit bleibt aber gleich.

Die Straßenbahn-Linie 2 kostet insgesamt 270 Millionen Euro. Nach mehreren Verteuerungsrunden ist diese Zahl zustande gekommen, womit die Stadtwerke als Bauherr freilich im normalen Rahmen lägen, erläutert Verkehrschef André Dillmann. Demnach kostet ein Kilometer Straßenbahn zwischen 14 und 20 Millionen Euro, dazu kommt im Falle Ulm die neue Kienles­bergbrücke mit 20 Millionen. Auch der Aufwand für die Ausstattung der Strecke und das Verlegen der Leitungen sei überdurchschnittlich hoch gewesen.

Täglich 8200 neue Fahrgäste erwartet

Zunächst hatten die SWU bei den Bauarbeiten mächtig auf die Tube drücken müssen. Der Grund: Die Abrechnung mit den Zuschussgebern Bund und Land hätte eigentlich spätestens bis Ende des Jahres erfolgen müssen. Dieses Limit ist freilich zuletzt weggefallen, so dass man sich mit Nacharbeiten nun etwas Zeit lassen kann. So sollen die Schotterzonen zwischen den Gleisen noch begrünt werden, eventuell wird es noch eine Wendeschleife für die Linie 2 am Ehinger Tor geben. Das hätte den Vorteil, dass die Bahn bei Bedarf hier unabhängig von der Linie 1 in einem eigenen Rhythmus fahren könnte.

Die neuen Strecken auf den Eselsberg mit der Wissenschaftsstadt und dem Schulzentrum auf dem Kuhberg sollen nach den Berechnungen der Stadtwerke täglich 8200 neue Fahrgäste auf die Tram bringen. Auf der Linie 1 sind es derzeit täglich 20.000 bis 23­.000. Zum Vergleich: Als die Straßenbahn vor neun Jahren nach Böfingen verlängert worden war, zählten die Stadtwerke 43 Prozent mehr Passagiere.

Am Defizit, das der Nahverkehr in der Kasse der Stadtwerke verursacht, hatte sich damals nichts geändert und das ist auch jetzt nicht zu erwarten. 2017 lag es – bei einem Umsatz von rund 23 Millionen Euro – bei 14 Millionen Euro. Es werde künftig zwar mehr eingenommen und auch Geld gespart, weil elf Nahverkehrsbusse stillgelegt werden. Dem stünden aber Mehrausgaben für die Taktverdichtung und verbesserte Buslinien gegenüber, erläuterte Straßenbahn-Projekleiter Ralf Gummersbach.

Kein Kurzstreckenticket

Gummersbach und Dillmann halten auch deshalb das immer wieder geforderte Kurzstreckenticket für unrealistisch. Dies passe zudem nicht in das Konzept des DING-Nahverkehrssystems. Das Einzelticket kostet 2,30 Euro – egal, wie weit man mit der Straßenbahn fährt.

Damit die Bahn überhaupt fahren kann, braucht sie Strom, genauer gesagt 750 Volt Gleichstrom. Der kommt aus sogenannten Unterwerken, die entlang der Linie verteilt sind und die Versorgung sichern. „Die Straßenbahn gehört zu unseren Naturstrom-Kunden“, sagt SWU-Sprecher Bernd Jünke. Erzeugt wird der Naturstrom für rund 10.000 Kunden im Wasserkraftwerk Böfinger Halde.

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Daten und Fakten zur Linie 2

Kosten Die Kosten für Linie 2 setzen sich wie folgt zusammen: 215 Millionen Euro für die Neubaustrecke, 21 Millionen für den Betriebshof, 34 Millionen für die zwölf neuen Fahrzeuge. Das ergibt 270 Millionen Euro.

Förderung Für die Neubaustrecke beträgt der Zuschuss von Bund und Land 114 Millionen Euro, die Stadt zahlt 95 Millionen, dazu kommt ein geringer Eigenanteil der Stadtwerke. Für den Betriebshof beträgt der Zuschuss 8 Millionen, demnach belaufen sich die Bundes- und Landeszuschüsse insgesamt  auf 122 Millionen. Die städtischen Eigenleistungen summieren sich auf 107 Millionen. Die SWU bezahlen ihren Anteil von 41 Millionen Euro aus Eigenmitteln.

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