Nachruf Großer Gestalter: Tomás Maldonado ist tot

Tomás Maldonado 2003 im Stadthaus.
Tomás Maldonado 2003 im Stadthaus. © Foto: Oliver Schulz
Ulm/Mailand / Lena Grundhuber 26.11.2018
Als Dozent und Rektor prägte er an der HfG Ulm das Berufsbild des Designers. Nun ist Tomás Maldonado mit 96 Jahren gestorben.

„Grandseigneur“ ist das erste Wort, das dem HfG-Archivleiter Martin Mäntele einfällt, wenn man ihn nach Tomás Maldonado fragt. Und Mänteles Vorgängerin im HfG-Archiv, Dagmar Rinker, sagt: „Er war die beeindruckendste Persönlichkeit, die ich je in der Design-Szene erlebt habe.“ Am Montag ist der einstige Dozent und Rektor der legendären Ulmer Hochschule für Gestaltung im Alter von 96 Jahren in Mailand gestorben. Er war ein „brillanter Theoretiker“, wie Rinker sagt, dem nicht nur Ulm, sondern die ganze Design-Welt viel zu verdanken habe.

An der HfG war er fast von Anfang an dabei: 1954 holte Max Bill den Argentinier als Dozenten nach Ulm; kennengelernt hatten die beiden sich, so hat Maldonado das erzählt, bei der Recherche für ein Buch, das er über den Ex-Bauhäusler hatte schreiben wollen. An der Ulmer HfG allerdings reformierte Maldonado die Grundlehre und leitete die Abkehr vom Vorbild Bauhaus – und damit von Bill – ein. 1964 bis 1966 war er selbst Rektor der Schule.

Maldonado steht für die Verwissenschaftlichung der Ausbildung an der HfG, mit Fächern wie Semiotik und Wissenschaftstheorie. „Er war die Person, die zusammen mit Otl Aicher das Ulmer Modell geschaffen hat. Das Berufsbild des Designers, der weg vom Künstlertum geht und auf Augenhöhe mit Technikern und Wissenschaftlern kommunizieren kann, geht auf ihn zurück“, sagt Dagmar Rinker, die heute selbst Professorin an der HfG in Schwäbisch Gmünd ist.

1967, ein Jahr vor Schließung der HfG, zog Maldonado nach Italien und lehrte in den USA an der Universität Princeton. 1976 wurde er Professor für Umweltgestaltung in Bologna und trug zur Schaffung einer Industriedesign-Abteilung am Polytechnikum Mailand bei, „der wichtigsten Architektenschule Italiens“, wie Mäntele sagt. Mit Schriften wie „Umwelt und Revolte“ festigte er seinen Ruf als vorausschauender Theoretiker. „Er hat die Nachhaltigkeitsdebattte bereits in den 70er Jahren angeregt“, sagt Rinker.  „Diese politische Komponente bei ihm hat mich immer fasziniert.“

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