Prozess um Misshandlung Acht Jahre Haft für Vergewaltigung im Gefängnis Ulm

 Der Angeklagte muss sich wegen Misshandlung eines Mithäftlings verantworten.
Der Angeklagte muss sich wegen Misshandlung eines Mithäftlings verantworten. © Foto: Thomas Burmeister/dpa
Ulm / lsw 10.09.2018
Ein Häftling wird schwer misshandelt. Dass er dringend Hilfe braucht, merken Vollzugsbeamte beinahe zu spät.

Wegen besonders schwerer Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung ist ein 19-jähriger Häftling am Montag in Ulm zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden (Aktenzeichen: 3 KLs Js 23303/17). Das Landgericht Ulm folgte damit weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die acht Jahre und sechs Monate nach Erwachsenenstraftrecht gefordert hatte.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der jetzt 19-Jährige im Herbst 2017 einen 61-jährigen Mitgefangenen in der gemeinsamen Zelle über mehrere Tage hinweg immer wieder geschlagen und dem Mann schließlich eine Gabel in den After gerammt hatte.

Die Verteidigung hatte eine Jugendstrafe von nicht mehr als sechs Jahren Haft beantragt.

Was bisher geschah

Das Opfer von Gewalttaten im Ulmer Strafvollzug im Herbst 2017 leidet nach Gerichtsangaben noch immer an den Folgen schwerer innerer Verletzungen. Der 61 Jahre alte Mann sei vor wenigen Tagen operiert worden und müsse sich demnächst einem weiteren Eingriff unterziehen, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Tresenreiter am Montag bei der Fortsetzung des Strafverfahrens gegen den 19 Jahre alten Angeklagten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den 61-Jährigen in der gemeinsamen Zelle der Justizvollzugsanstalt Ulm tagelang gequält zu haben. Dabei habe er dem Mann eine Gabel in den After gerammt. Wegen der dadurch erlittenen inneren Verletzungen habe dem Opfer ein künstlicher Darmausgang gelegt werden müssen. Der Angeklagte hatte die Taten zu Beginn des Prozesses im August gestanden.

Anklage wegen schwerer Vergewaltigung und Körperverletzung

Die Rechtsanwältin des Geschädigten machte am Montag zunächst geltend, dass eine am 4. September erfolgte Operation zur Rückverlegung des Darmausgangs nicht erfolgreich gewesen sei und die Leiden des Mannes nun länger dauerten. Nach einem Gespräch mit den Ärzten erklärte der Richter jedoch, ihm sei versichert worden, dass es sich bei der noch anstehenden nächsten Operation zur endgültigen Rückverlegung des Darms um einen Routineeingriff handele. Der Richter schloss daraufhin die Beweisaufnahme zur Anklage wegen schwerer Vergewaltigung und Körperverletzung ab. Zuvor hatten Mitarbeiter der JVA Ulm als Zeugen gesagt, das Gefängnis sei zum Zeitpunkt der Gewalttaten überbelegt gewesen. Der 61-Jährige sei zu dem wegen früherer Gewalttaten verurteilten 19-Jährigen in die Zelle verlegt worden, weil man sich von dem älteren Mann einen beruhigenden Einfluss auf den jüngeren versprochen habe. Das sei leider schiefgegangen.

Für die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung schloss der Richter die Öffentlichkeit aus. Die Staatsanwaltschaft forderte nach Angaben des Gerichts eine Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten nach Erwachsenenstrafrecht. Die Verteidigung plädierte auf nicht mehr als sechs Jahre Haft nach Jugendstrafrecht. Mit der anschließenden Verkündung des Urteils sei noch am Montag zu rechnen, hieß es im Landgericht.

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