Es werden immer mehr. Während in Ulm vor zehn Jahren noch rund 1100 Kinder auf die Welt gekommen sind, waren es im vergangenen Jahr 1321. „Die Zahlen stabilisieren sich auf einem hohen Niveau. Das ist eine schöne Herausforderung, die uns aber ziemlich ins Schwitzen bringt.“ Zu dieser Schlussfolgerung kam Bürgermeisterin Iris Mann vergangene Woche im Jugendhilfeausschuss des Gemeinderats. Der stetige Zuwachs hat nun die Verwaltung dazu bewogen, dem jährlich erstellten Kita-Bedarfsplan neue Zahlen zugrunde zu legen. „Bislang sind wir immer von einem demographischen Mittelwert ausgegangen“, erklärte Günther Scheffold, Leiter der Abteilung Kinderbetreuung bei der Stadt Ulm. Künftig werde mit den prognostizierten Höchstwerten gerechnet.

21 Einrichtungen Plätze überbelegt

Auf dieser Grundlage fehlen zum Beginn des im September beginnenden Kita-Jahres 87 Plätze für Kinder über 3 Jahren (Ü 3) sowie 125 Plätze für Kinder unter 3 Jahren (U 3), um die vom Gemeinderat festgelegte Versorgungsquote zu erreichen. Die liegt im Ü 3-Bereich bei 100 Prozent, bei den Jüngeren bei 43 Prozent. „Natürlich soll hier rasch Abhilfe geschaffen werden“, sagte Scheffold und dämpfte jedoch gleich etwaige Hoffnungen. „Schnell geht gar nichts. Die Maßnahmen ziehen sich.“ Für eine begrenzte Zeit sei eine Überbelegung in einzelnen Gruppen der derzeit 94 Einrichtungen in der Stadt zwar möglich, „das geht aber nur befristet“. Aktuell seien in insgesamt 21 Einrichtungen Plätze überbelegt.

Neue Standorte ermitteln

Die angespannte Situation in Jungingen soll ab September mit einer Interimsgruppe in der Evangelischen Kita Fröbelstraße entlastet werden in der zusätzlich 18 Mädchen und Jungen über 3 Jahre Platz finden. Zudem entsteht in der Katholischen Kita Dreifaltigkeitsweg in Wiblingen eine Gruppe mit 15 U 3-Plätzen, wofür jedoch 16 Ü 3-Plätze wegfallen. Scheffold konstatierte vor allem in der Ü 3-Ganztagesbetreuung noch einen großen Nachholbedarf. Mit Blick auf die anhaltend hohen Geburtenzahlen empfahl er, die geplanten Kitas am Safranberg und im Dichterviertel um jeweils 280 Quadratmeter zu erweitern und zudem neue Kita-Standorte im Stadtgebiet zu ermitteln. FWG-Stadtrat Gerhard Bühler brachte daraufhin das Gummi Welz-Areal in der Weststadt zur Sprache. Hier habe die Verwaltung zunächst von einer Kita abgesehen, was nun jedoch neu überdacht werden müsse. „Wir müssen aber auch aufpassen, dass wir uns nicht verrückt machen“, mahnte er. Die Umstellung auf die Maximalwerte habe die Prozentzahlen etwas verschoben.

Ein Ding der Unmöglichkeit

Barbara Münch (CDU) rückte den Sozialraum Böfingen zu dem auch Jungingen, Lehr und Mähringen gehören in den Fokus. „Wenn allein dort 84 Plätze fehlen, haben wir ein Problem. Wir erreichen unsere eigenen Ziele nicht.“ Scheffold bestätigte die angespannte Situation im Ulmer Norden, machte jedoch keine Hoffnung auf baldige Besserung. „Ich bin überfragt, was wir hier bis zum 1. September tun können.“ Ergänzende Gruppen seien kurzfristig „ein Ding der Unmöglichkeit. Wir müssen schauen, wie wir die Zeit überbrücken können.“ Die derzeit laufende zweite Ausbauoffensive bis 2022 hat zum Ziel 35,3 zusätzliche Gruppen einzurichten. Davon seien bislang 5,5 in Betrieb. Bei der baulichen Umsetzung gebe es jedoch bei fast allen Projekten Verzögerungen.

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9 Betriebskitas gibt es im Stadtgebiet. In 33 Gruppen werden vom 1. September an 205 Mädchen und Jungen unter drei Jahren und 260 Ü 3-Kinder betreut.