Bahnverkehr Fernzüge fahren an Ulm vorbei

Der Rohbau ist fertig: Projektleiter Stefan Kielbassa (rechts) in einer der beiden Röhren im Albabstiegstunnel. Er beginnt bei Dornstadt und endet kurz vor dem Ulmer Hauptbahnhof. Bald startet die „filigrane Endphase“ der Bauarbeiten.
Der Rohbau ist fertig: Projektleiter Stefan Kielbassa (rechts) in einer der beiden Röhren im Albabstiegstunnel. Er beginnt bei Dornstadt und endet kurz vor dem Ulmer Hauptbahnhof. Bald startet die „filigrane Endphase“ der Bauarbeiten. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / Chirin Kolb 16.05.2018
Die Neubaustrecke zwischen Merklingen und Ulm  läuft gut. Im Herbst fahren die Fernzüge zwei Wochen lang an Ulm vorbei.

Über diese Baustelle ist Stefan Kielbassa glücklich. „Es läuft gut, wir sind sehr stolz“, sagt der Projektleiter der Deutschen Bahn über den Teil der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, den er verantwortet: das Stück zwischen dem höchsten Punkt auf der Alb bis nach Ulm, rund die Hälfte der insgesamt 60 Kilometer. Der Rohbau ist weitgehend fertig. Ende des Jahres soll die Strecke an diejenigen übergeben werden, die für die so genannte bahntechnische Ausrüstung zuständig sind: für Oberleitungen, Signale und nicht zuletzt für die Gleise.

Ein großer Brocken steht allerdings noch bevor – mit gravierenden Auswirkungen vor allem auf die Fernreisenden. Die beiden Stuttgart-Gleise am Ulmer Hauptbahnhof, seit 1850 unverändert, müssen im Herbst stillgelegt werden. Grund dafür ist, dass die Neubaustrecke, die am Kienlesberg aus dem Tunnel kommt, unter den Stuttgarter Gleisen hindurch zum Hauptbahnhof geführt wird. Dieser Trog kann nur entstehen, wenn darüber keine Züge mehr fahren, erläuterte Kielbassa in einem Pressegespräch.

Zwar wird die Bahn eine Umleitungsstrecke bauen, zwei Gleise, auf denen die Züge von und nach Stuttgart verkehren werden. Aber auch das braucht seine Zeit. Deshalb gibt es zwei Wochen lang von 25. Oktober, 23.30 Uhr, bis 9. November, 3 Uhr, deutliche Einschränkungen:

Fernverkehr Am Ulmer Hauptbahnhof halten keine Fernverkehrszüge, also keine ICE und Intercity. Wer zum Beispiel zum Flughafen Frankfurt will, muss bis Stuttgart mit einem Nahverkehrszug fahren und dort umsteigen.

Nahverkehr Die Regionalzüge fahren wie gewohnt, allerdings mit rund 15 Minuten Verzögerung. Sie kommt zustande, weil die Nahverkehrszüge den Söflinger Bahnhof anfahren, dort sozusagen wenden und rückwärts in den Ulmer Hauptbahnhof stoßen. Der Söflinger Bahnhof erweise sich als Glücksfall, sagt Kielbassa. „In Bahnhöfen mit reiner Durchgangsstruktur könnte man das gar nicht machen.“ Immerhin könne so Schienenersatzverkehr vermieden werden. Für ICE sei das jedoch keine Lösung. Sie seien zu lang. Außerdem wären die Bahnsteige im Hauptbahnhof überlastet, denn die Steige 1 und 2 sind während dieser Zeit gesperrt.

Dieser letzte Trog und die verbleibenden Meter bis zum Hauptbahnhof werden erst im September 2019 mit der nötigen Bahntechnik ausgerüstet. Am Rest der ersten 30 Kilometer Neubaustrecke sind die Arbeiten bereits viel weiter fortgeschritten. „Die großen, schweren Gewerke sind raus“, sagt Kielbassa. „Wir sind jetzt in der filigranen Endphase angekommen.“

Schwierige Baustelle

Im Ulmer Bahnhof ist zum Beispiel die Fachwerkbrücke für das Aalener Gleis bereits in Betrieb. Das Portal des Albabstiegstunnels und der Tunnel selbst sind im Rohbau fertig. Der Tunnel besteht aus zwei Röhren, eine für jede Richtung. Sie sind jeweils nach 500 Metern mit einem kleineren Tunnel verbunden. Er funktioniert als Sicherheitsschleuse, „damit ein liegen gebliebener ICE evakuiert werden kann“. Auf der Alb ist der Rohbau ebenfalls fast vollständig hergestellt.

Kielbassa ist mit dem Baufortschritt ausgesprochen zufrieden. Gerade im Ulmer Hauptbahnhof sei die Baustelle schwierig. „Die Verhältnisse sind sehr beengt, wir haben Bahnverkehr rechts und links und überall.“ Die Baufirmen hätten gute Arbeit geleistet.

Zumal Aufgaben dazu kamen. Der Ausbau des Merklinger Bahnhofs war zunächst nicht vorgesehen. Die Ausschreibung für den Ingenieurbau läuft, Kielbassa rechnet für August mit der Vergabe – und „hoffentlich nicht mit Mondpreisen“ angesichts der glänzenden Baukonjunktur.

Der von Kielbassa verantwortete Teil der Neubaustrecke liegt im Plan. Nach einer einjährigen Inbetriebnahmephase mit zahlreichen Tests könnten auf der Strecke zwischen Ulm und Merklingen voraussichtlich 2021 Züge fahren. Allerdings nicht weiter: Der Abschnitt bis Wendlingen wird erst 2022 fertig.

Überwiegend Tunnel und Brücken

60 Kilometer lang ist die schnelle Neubaustrecke der Bahn zwischen Ulm und Wendlingen.

40 Überführungen über die A 8, andere Straßen und Feldwege sowie Bahngleise liegen auf der Strecke.

9 Tunnel hat die Strecke, der längste ist 8,8 Kilometer lang. Der Albabstiegstunnel, der bei Dornstadt beginnt und kurz vor dem Ulmer Hauptbahnhof endet, misst knapp 6 Kilometer.

Strecke Ulm - Stuttgart an Pfingsten gesperrt

Zugausfälle Wegen Bauarbeiten bei Göppingen ist die Bahnstrecke Ulm - Stuttgart über Pfingsten (19. bis 21. Mai) gesperrt. ICE-Züge halten nicht in Ulm, sondern werden zwischen Augsburg und Stuttgart via Nördlingen umgeleitet. IC-Züge von Karlsruhe via Stuttgart nach München verkehren nur zwischen Karlsruhe und Stuttgart, beziehungsweise fallen aus. TGVs und ECs starten und enden in Stuttgart. Für den Anschluss müssen Reisende aus Ulm Ersatzbusse nutzen.  Weitere Infos im Internet.

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