Gerda Hilmer (Name geändert) hatte schon eine Odyssee mit dem Flixbus hinter sich. Die Rückreise von London nach Ulm dauerte mehr als 24 Stunden und als sie endlich gegen 20.30 Uhr  in Ulm am Fernbusbahnhof in Böfingen ankam, freute sie sich nur noch aufs heimatliche Sofa. Anderen ging es nicht so gut: Sie mussten weiter und wollten den Halt für einen Besuch auf der Toilette nutzen. Doch Fehlanzeige – die war geschlossen, sagt sie. Sehr ärgerlich.

Kein Einzelfall an der Haltestelle in der Eberhard-Finckh-Straße. Aber nach 20 Uhr ist das laut Michael Jung, Leiter der Abteilung Verkehr in der Stadt, auch völlig in Ordnung: „Die Vereinbarung lautet von 9 bis 20 Uhr“, sagt er. Kontrolliert werde es nicht, man müsse sich darauf verlassen können.

Vereinbarung zwischen Stadt und Busunternehmen

Die Vereinbarung, von der Jung spricht, ist zwischen der Stadt und der Deutschen Touring, einem Busunternehmen in Frankfurt, im Februar getroffen worden. Darin gehe es unter anderem um das Bereitstellen des Toilettencontainers, um dessen Öffnungszeiten und Reinigung. „Das Unternehmen ist verantwortlich und kann dort im Gegenzug seine Fahrkarten verkaufen“, erklärt Jung. Auch eine Art Kiosk kann die Touring laut Vereinbarung betreiben. Also Snacks, Süßigkeiten, Zeitschriften und nichtalkoholische Getränke anbieten, wenn sie will. Das Angebot beschränke sich jedoch auf Getränke, weiß Jung. „Die meisten Reisenden bringen ihren Proviant selbst mit.“

Die Lösung mit dem Busunternehmen soll nicht auf immer und ewig so bleiben. Aber die Stadt ist froh, dass der lange Jahre währende unzumutbare Zustand beseitigt ist. Bis etwa Ende vergangenen Jahres standen dort nur zwei Dixiklos, die Anlass für regelmäßige Beschwerden gaben. Vor allem seitens der Anlieger. Diese nämlich hatten unter ekelerregenden Hinterlassenschaften der Reisenden zu leiden. Zudem herrschte beängstigende Dunkelheit und auch Regenunterstände fehlten an der Haltestelle.

Fernbushalt Ulm unbeliebt

Kein Wunder, dass der Fernbushalt Ulm, den täglich rund 200 Busse anfahren, an letzter Stelle bei einer Umfrage eines Busunternehmens lag. „Wir haben inzwischen bestimmt ein paar Plätze aufgeholt“, sagt Jung hoffnungsfroh und bezieht sich auf die rund 345.000 Euro, die die Stadt freiwillig in die Hand nahm, um Bussteige zu bauen, Wartehäuschen, Bänke, Mülleimer und Parkplätze.

Die „Beschwerdelage“, wie Jung sagt, sei derzeit jedenfalls gering. Trotzdem müsse man sich im Hinblick auf die Erfahrung von Gerda Hilmer darum kümmern, ob die Toiletten entsprechend der Vereinbarung geöffnet seien und auch gereinigt würden. Gerade an Wochenende zur Hauptreisezeit. „Darauf pochen wir.“

50 Cent für einen Toilettengang

Ausgerechnet dann sind die Toiletten aber nicht so lange auf. „Wir schaffen das am Sonn- und Feiertag nur bis 15 Uhr“, sagt  Trajce Davcev, der das Geschäft der Touring in Deutschland leitet, auf Anfrage. Auch Urlaubs- und Krankheitstage schlagen zu Buche. Eigentlich lohne sich das Geschäft mit den Toiletten nicht, meint er. Oft werde das Angebot pro Tag von nur vier Kunden genutzt. „Bevor die Leute 50 Cent zahlen, gehen sie lieber im Bus auf Toilette.“ Das Entgelt verlange man jedoch, um die Reinigung und den Unterhalt zu bezahlen. Auch der Umsatz von Getränken hält sich in Grenzen: „34 Euro seit November“, sagt Davcev. Für das Unternehmen sei es nicht weiter schlimm, dass der Ulmer Fernbushalt nicht lukrativ sei. Er liege eben außerhalb des Zentrums. Das treffe eher die Stadt: „So fallen ihr Touristen weg.“

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Hauptzeiten Die Öffnungszeiten seien nach den Fahrplänen der meisten Linien abgestimmt, sagt Touring-Leiter Trajec Davcec. Demnach sei die Hauptreisezeit nachmittags und abends, der stärkste Tag ist der Freitag. Die Toiletten seien täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Ausnahmen sind Sonn- und Feiertrage.