Das „Ulmer Nest“ ist eine Art fünfeckiges Zelt aus Holz und Stahlblech, in dem eine obdachlose Person übernachten kann, um in kalten Winternächten vor dem Erfrieren geschützt zu sein. Entwickelt wurde das Konzept von einem Künstlerkollektiv auf der Wilhelmsburg im Auftrag der Stadt Ulm. Im kommenden Winter werden zwei Nest-Prototypen in den Praxistest gehen. Dafür haben die Gemeinderäte jetzt einstimmig grünes Licht gegeben.

Die Standorte der Prototypen in Ulm

Die Kosten dafür betragen 35 000 Euro. Gebaut werden die Prototypen von den Firmen Bootschaft Neu-Ulm sowie Widerstand und Söhne Ulm, die das Konzept auch entwickelt haben. Laut Franziska Vogel von der Abteilung Soziales wurden fünf Standorte für die „Echterprobung“ festgelegt, wo die „Ulmer Nester“ nun zeitweise aufgebaut werden sollen: Blaupark, Kobelgraben, Karlsplatz, Alter Friedhof und Friedrichsau.

Gedacht sind die „Nester“ für Obdachlose, die nicht im DRK-Übernachtungsheim unterkommen wollen, weil sie beispielsweise nicht mit anderen Menschen in einem Raum schlafen möchten oder Hunde haben.

Ausgestattet werden die  Prototypen mit einfachen technischen Sensoren, die erfassen, ob das „Nest“ belegt ist, und die Temperatur und Frischluftzufuhr regeln. Zudem haben sie einen sicheren Schließmechanismus, der im Notfall automatisch öffnet, sowie eine einfache Energieversorgung für Strom und Licht.

Betreuung durch Streetworker

Zudem ist geplant, dass die Obdachlosen-Streetworker der Caritas sich um die Menschen kümmern, die in den „Ulmer Nestern“ nächtigen. „Denn es ist ein weitergehender Ansatz für eine Gruppe, die für unsere bestehenden Angebote nur schwer erreichbar ist“, macht Vogel deutlich. Weiter soll der Reinigungs- und Wartungsaufwand erfasst werden. Es geht darüber hinaus auch um die Frage, wie Anwohner darauf reagieren.

Schon jetzt, berichtete Franziska Vogel den Stadträten, haben mehrere Kommunen aus Baden-Württemberg ihr Interesse am „Ulmer Nest“ bekundet. Das freute die Ulmer Gemeinderäte. Sie segneten die Testphase in der kalten Jahreszeit ab. „Ein guter Ansatz“, lobte Richard Böker (Grüne); Gisela Kochs (FWG) meinte: „Ein spannendes Projekt.“ Bürgermeisterin Iris Mann bedankte sich für das einhellige Votum zur „Fortführung des Experiments“ und wünschte dem Projekt „toi toi toi“.

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