Am Ende war die Erleichterung groß. Von den gestarteten 11.525 Läufern kamen 11.430 Sportler in den verschiedenen Disziplinen und Distanzen mehr oder weniger unversehrt über die Strecke. Zumindest konnten die Organisatoren nach dem tödlichen Unglück im vergangenen Jahr am Nachmittag verkünden, dass es in diesem Jahr keine vergleichbaren Hilfseinsätze gegeben hatte.

„Wir hatten relativ viel zu tun, aber es war nichts Dramatisches dabei“, sagte der Einsatzleiter von deutschem und Bayerischem Roten Kreuz, Prof. Claus-Martin Muth. Auf Neu-Ulmer Seite gab es 24 Hilfseinsätze, in Ulm waren es 80, der Großteil im Zieleinlauf. „Das war schon sinnvoll, dass wir so ein Großaufgebot hatten“, sagte Muth, der die Mannschaftsstärke an Ärzten und Sanitätern mit 150 angab. Der schwerste Einsatz hatte nicht mit dem Lauf an sich zu tun. Eine Person erlitt nach dem Genuss von Nüssen einen anaphylaktischen Schock und musste in die Klinik gebracht werden.

Entwarnung gab es auch von der Polizei, die hüben wie drüben zwar einige Autos abschleppen musste, die trotz frühzeitiger Hinweise auf dem Streckenverlauf parkten. Insgesamt waren beiderseits der Donau 80 Beamte im Einsatz, wobei auf bayerischer Seite Kräfte der Bereitschaftspolizei etwas übereifrig waren und einige Straßen anderthalb Stunden von der angekündigten Zeit auch für Teilnehmer sperrten, was bei einigen Läufern für Stress schon vor dem Start sorgte.

Der Sieger des Einstein Marathons kommt aus Ulm

Dass es ein weitaus freudvolles Wochenende war, ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, bei der Menge an Menschen, die sich gestern sportlich bewegten. Am schnellsten war dabei im prestigeträchtigen Marathon der in Ulm wohnende Thorben Dietz mit einer Zeit von 2:33:15 Stunden, der die 42,195 Kilometer quasi im Spurt absolviert hat, wenn auch deutlich langsamer als der beinahe zeitgleich stattfindende Marathon in Berlin, wo der Sieger mit 2:01:41 Stunden nur zwei Sekunden über dem Weltrekord blieb.

Ulm/Neu-Ulm

Europameisterschaften in Paris im Visier

Dietz war das reichlich egal. „Ab Kilometer 35 sieht man das Münster, dann beginnt das Dauergrinsen im Gesicht“, war er hernach voll des Lobes und konnte das Lachen nicht lassen. „Ein Marathon ist immer eine harte Sache. Aber es waren so viele Freunde von mir entlang der Strecke, dass ich es einfach nur genossen habe.“ Für Ulm sei die Veranstaltung ein Festtag: „Die Stadt lebt den Marathon“, sagte er voller Anerkennung. Im nächsten Jahr will er bei den Europameisterschaften in Paris starten – und selbstverständlich am 27. September 2020 auch wieder in Ulm.

Bei den Frauen kommt die Siegerin aus Zürich

Aus Zürich angereist ist die Siegerin bei den Frauen über die volle Strecke. „Ich wollte an diesem Wochenende einen Stadtlauf machen und habe im Internet nachgeschaut“, sagt Larissa Andrea. Da fiel ihr Blick auf Ulm, das von Zürich nicht so weit entfernt ist. „Ich wollte einen flachen und schnellen Lauf haben“, sagt sie – und war mit ihrer Zeit von 3:13:31 Stunden nicht zufrieden. Vielleicht hat sie auch zu viel links und rechts geschaut. Denn die Strecke hat ihr gut gefallen. Vor allem mit dem Blick auf das Münster ins Ziel einzulaufen, sei schon etwas ganz besonderes.

Bevor es allerdings auf die Ziellinie ging, hatten die Läufer Höhen und Tiefen zu durchschreiten – und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. So jedenfalls hat die Siegerin im Halbmarathon die Strecke gesehen, die aus Südungarn stammende Vera Gulyàs, wo es im Gegensatz zu Zürich deutlich flacher ist. Sie fand das Auf und Ab anstrengend, aber auch den Wind, der auf der ganzen Strecke geblasen hat. Sie kam auf Ulm, weil die Muttergesellschaft ihres Arbeitgebers in Debrecen hier beheimatet ist.

Es kommt nicht immer nur aufs Gewinnen an

Die Liste der regionalen Sieger setzte Paul Snehotta im Halbmarathon der Männer fort. Fast jedenfalls, denn mittlerweile startet der aus Weißenhorn stammende Snehotta für den TV Konstanz. „Ich war schon drei Jahre nicht mehr hier“, sagte er kurz nach dem Lauf über 21 Kilometer, der ihn nicht besonders angestrengt zu haben schien. Sein Ziel war Sieg und gewonnen hat er.

Dabei kommt es bei den Lauf-, Inline-, Walk- und Handbikewettbewerben nicht in erster Linie aufs Gewinnen an, sagte Moderator Arthur Schmidt, der seit dem ersten Einstein-Marathon 2005 hinter und vor dem Ziel am Mikrofon steht. Er begrüßte auch den ehemaligen Basketball-Nationalspieler und jetzige Trainer in Ulm, Anton Gavel, der ebenfalls am Start war.  Um 15.41 Uhr waren schließlich die letzten beiden Frauen im Ziel, die am DING-Walk teilgenommen haben.

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