Heute jährt sich der Todestag Gioachino Rossinis zum 150. Mal. Und in Ulm wird des Meisters des Belcanto auf höchst exklusive Weise gedacht. Am 25. November, dem Totensonntag, führt der Ulmer Oratorienchor in der Pauluskirche unter der Leitung Thomas Kammels nämlich die „Messa per Rossini“ auf. Ein Werk, das überhaupt erst 120 Jahre nach dem Tod des Komponisten uraufgeführt wurde und seitdem nur wenige Male zu hören war.

Eigentlich hatten der Oratorienchor und sein Dirigent für das Konzert in der Pauluskirche Verdis „Requiem“ ausgesucht. Ein Blick in den von Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland geführten Kantorenkalender zeigte aber, dass dieses Requiem bereits in Arbeit war, nächstes Jahr in Neu-Ulm aufgeführt wird.

Was tun? Kammel erinnerte sich daran, dass er 1988 beim Europäischen Musikfest in Stuttgart eine absolute Rarität gehört hatte, eben jene „Messa per Rossini“, die dort 119 Jahre nach ihrer Enststehung von Helmuth Rilling uraufgeführt wurde.

Eine Rarität, deren Entstehungsgeschichte höchst bemerkenswert ist. Initiiert hatte das Ganze nämlich kein Geringerer als Giuseppe Verdi. Der lud nach Rossinis Tod zwölf seiner Kollegen ein, eine dem Andenken  Rossinis gewidmete Messe zu komponieren. Die Kollegen machten sich an die Arbeit, schrieben jeweils einen Satz. Die vollendete 13-sätzige Partitur lag September 1869 vor – also rechtzeitig vor dem ersten Todestag Rossinis. Aufgeführt wurde sie damals aber nicht, es fehlte das Geld. Einige Komponisten verwendeten ihre Teile dann in anderen eigenen Werken, wie etwa Verdi, der aus seinem „Libera me“ der Rossini-Messe ein ganzes Requiem entwickelte.

Die Messe geriet in Vergessenheit. Erst 1970 entdeckte der Opern­experte David Rosen im Archiv des Verlags Ricordi acht von 13 Autographen und zwei Abschriften der „Messa per Rossini“ und forschte weiter, bis das komplette Werk vorlag.

Doch selbst nach ihrer Uraufführung im Jahr 1988 wurde die Messe höchst selten aufgeführt. „Es gab auch gar kein richtiges Notenmaterial“, sagt Kammel. „Der Verlag Ricordi hat das für uns eigentlich erst wieder verlegt. Einige der Orchesterstimmen liegen auch jetzt nur als handschriftliche Kopien vor.“

Apropos Orchester: Bei der Aufführung der Messe werden die mehr als 100 Sängerinnen und Sänger des Oratorienchors von der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben begleitet. Die Solisten sind ein starkes Quintett: Selene Zanetti (Sopran) und Dean Power (Tenor) singen an der Bayerischen Staatsoper. Dazu kommen Cornelia Lanz (Mezzo-­Sopran), Andrejs Krutjos (Bariton) und Ardalan Jabbari (Bass-­Bariton).

Info Der Oratorienchor singt die Messa per Rossini am Totensonntag, 25. November, 18 Uhr, in der Ulmer Pauluskirche. Tickets gibt es beim Kartenservice der SÜDWEST PRESSE (Frauenstr. 77).