Kompositorische Gemeinschaftsarbeiten sind in der Welt der Klassik so rar wie blaue Diamanten. Die „Messa per Rossini“, von Giuseppe Verdi zum Gedenken an Gioacchino Rossini initiiert, ist so eine Rarität. 1869 gelang es Verdi, zwölf der damals berühmtesten Komponisten Italiens für das Projekt ins Boot zu holen. Dass die „Messa“ dann doch nicht auf die Bühne kam, für mehr als 100 Jahre in den Archiven verschwand und erst 1988 uraufgeführt wurde, ist heute Musikgeschichte.

30 Jahre später steht in der Pauluskirche die Ulmer Erstaufführung auf dem Programm. Die Kammerphilharmonie Oberschwaben, der Oratorienchor Ulm und sein Leiter Thomas Kammel haben den Mut – für den sie mit Applaus überreich belohnt werden –, das mit seinen 13 Sätzen und rund 120 Spielminuten buchstäblich ausufernde Machwerk vor ausverkauftem Haus zu spielen.

Ja, Verdi hatte Recht, als er sagte: „Dieser Komposition wird es an musikalischer Einheit mangeln“. Egal. Die Musiker, vor allem auch die fünf ausgezeichnet agierenden Gesangssolisten Selene Zanetti (Sopran), Cornelia Lanz (Mezzo-Sopran), Dean Power, Andrejs Krutojs (Bariton) und Ardalan Jabbari (Bass-Bariton), gehen von Anfang an („Requiem e Kyrie“ von Antonio Buzzolla) in die Vollen, nehmen das Werk von seiner opernhaft-opulenten Seite, lassen es krachen und mitunter sogar lärmen, vor allem in den Sätzen (also fast allen), in denen das Becken mit Wucht und Lust geschlagen wird.

Dass zum „Confutatis maledictis“ von Raimondo Boucheron dann auch noch die Pauluskirchenglocken läuten, fügt sich nahtlos ins Gesamtbild ein. Das Beste zum Schluss: „Libera me“ von Verdi, ein Satz von archaischer Wucht und Größe, zum Niederknien intensiv dargeboten von Selene Zanetti und einem Oratorienchor, der keine Wünsche offen lässt.