Einstein-Museum Die Vision vom großen nächsten Ding für Ulm

Ulm / Harald John 16.03.2018
Braucht die Stadt ein Discovery Center für Wissenschaft und die Geschichte des in Ulm geborenen Physikers?

Zwei Nobelpreisträger, drei Stunden Vortrag und Diskussion vor mehr als 200 Interessierten sowie ein Name, der alles überstrahlt: Albert Einstein. Die Stadthaus-Abendveranstaltung unter dem Motto „The Next Big Thing“ am Mittwoch war aus vielerlei Gründen bemerkenswert. Eingeladen hatten die „Freunde eines Albert-Einstein-Museums“ (die meisten im T-Shirt mit dem Aufdruck „Albert Einst-Ein Ulmer“) zu einer Podiumsdiskussion. Thema: Welche Rolle kann der in Ulm geborene Wissenschaftler künftig spielen und was kann ein Einstein-Discovery-Center beitragen?

Um sich vorstellen zu können, welche Dimension solch ein Center haben kann, war die Vision überdimensional plakatiert: Ein von innen strahlendes Ufo, golden, schräg und gelandet vor dem Ulmer Hauptbahnhof auf einem noch zu überdachenden Busbahnhof. Die Vereinsvorsitzende, die in den USA geborene Ulmer Physikerin Nancy Hecker-Denschlag, beschrieb die Vision so: „Gravitationswellen und in der Mitte ein Schwarzes Loch.“

Das „Albert Einstein Discovery Center“ klingt nach ferner Zukunftsmusik, dennoch haben die Planer schon konkrete Vorstellungen: Die Erlebniswelt soll eine Fläche zwischen 7000 und 10 000 Quadratmetern haben, nahe am Hauptbahnhof und damit dem Geburtsort Albert Einsteins liegen und ein „3 in 1-Konzept“ vereinen:

  • Ein Science Center mit Mitmachstationen, an denen Kinder und Jugendliche Erfahrungen mit Wissenschaft, besonders Quantenphysik, machen.
  • Ein historischer Teil, in dem es um Albert Einstein und die Stadt Ulm geht und Besuchern historische Eindrücke bekommen.
  • Eine Ausstellung, die zeigt, in welchen Technologien Einsteinsche Ideen stecken, etwa in Handys, Lasern und und und.

Baubeginn für das Center soll 2024 sein, so Hecker-Denschlag, auch wenn es noch keinen Businessplan und keine Sponsoren gibt. Dafür seien die Vorteile für Ulm unübersehbar: internationale Reputation, Aufwertung des Bildungs- und Freizeitangebotes, klare Pluspunkte für Wirtschaftsleben und Tourismus. Der in Heidelberg geborene Physik-Nobelpreisträger Wolfgang Ketterle ergänzte per Videobotschaft: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, der nicht von Einstein fasziniert ist.“

Das wollte Kulturbürgermeisterin Iris Mann nicht bestreiten, musste aber als Vertreterin der Stadt Wasser in den Wein gießen: „Wir haben Entgegenkommen beim Erwerb des Grundstücks signalisiert, aber das Projekt ist nicht vorne auf unserer Agenda.“ Die Finanzierung müsse, so Mann, der privaten Initiative gelingen; auch die Folgekosten von mehreren Millionen Euro pro Jahr könne Ulm nicht stemmen.

Mehrstelliger Millionenbetrag

Da war sie also endlich, die Frage nach den Gesamtkosten. Auch wenn Christine Kappei, Architektin und Professorin an der Stuttgarter Hochschule für Technik, augenzwinkernd den „Fluch der ersten Zahl“ ansprach, die man später aus keiner Diskussion mehr fortbekomme. Aber sicher sei ein „mittlerer zweistelliger Millionenbetrag“ notwendig, im Vorfeld war bereits die Summe von 40 Millionen Euro genannt worden. Dennoch, so Kappei: „Es ist wichtig, dass wir das als internationales Projekt sehen, die Marke Einstein ist so mächtig, dass wir das nicht national denken sollten.“ Dafür bekam die Architektin viel Applaus.

Mit dem Neurobiologen Bert Sakmann warb ein weiterer Nobelpreisträger dafür, groß zu denken: „Wenn sie in Ulm in 20, 30 Jahren einen Status erreichen wollen, müssen Sie sich ein Beispiel an Städten wie Basel oder Zürich nehmen und mutig planen.“ Joachim Ankerhold, Vizepräsident der Uni und ebenfalls Museumsfreund warb, ein solches Center könne „eine Brücke in die Stadtgesellschaft schlagen und junge Menschen für Wissenschaft begeistern“. Nun denkt der Verein darüber nach, eine Stiftung zu gründen.

Die Faszination des Jahrhundertgenies

Geburtstagsvortrag 139 Jahre alt wäre Albert Einstein am 14. März geworden, deshalb eröffnete Prof. Hanoch Gutfreund, Physiker und Ex-Präsident der Universität Jerusalem, seinen auf Englisch gehaltenen Vortrag mit Gratulationen an den „birthday boy“. Hanoch, der drei Bücher über die Relativitätstheorie geschrieben hat, beschrieb, welche Beziehungen Einstein in seinem Leben hatte: „Seine erste Liebe war die Physik.“

Magische Jahre Nach Hanochs Worten hatte Einstein zwei magische Jahre: 1905 in Bern und 1915 in Berlin. In diesen Jahren entwickelte er die Spezielle und später die Allgemeine Relativitätstheorie. Beide Gedankengebäude erklärte der Physiker mit anschaulichen Bildern, etwa mit Murmeln, die auf einem Trampolin herumkullern.

Zwei Genies Auch der Tod Stephen Hawkings war Thema im Stadthaus, der berühmte Physiker starb mit 76 Jahren an Einsteins Geburtstag.  Er hatte aus Einsteins Erkenntnissen die Theorie der Schwarzen Löcher abgeleitet.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel