Vortrag Die Ikone Albert E. aus U.

Einstein, wohin man schaut. Auf Shirts und Radiergummies – und in Mannschaftsstärke auf dem Münsterplatz.
Einstein, wohin man schaut. Auf Shirts und Radiergummies – und in Mannschaftsstärke auf dem Münsterplatz. © Foto: Matthias Kessler
Ulm. / Bernd Rindle 18.10.2018

Kennen Sie Werner Heisenberg? Nicht? Dabei zählt der Begründer der Quantenmechanik und Nobelpreisträger zu den bedeutendsten Physikern des 20. Jahrhunderts. Otto Hahn vielleicht? Vermutlich nur dem Namen nach. Auf der Straße würde ihn niemand erkennen, selbst wenn das noch möglich wäre, dessen ist sich Professor Sebastian Murken sicher.

Bei einem anderen Physiker, weiß der Mainzer Religionswissenschaftler und Psychotherapeut, verhält sich das völlig anders. Bei ihm genügt schon die Nennung seiner Initialen, um zu wissen, um wen es sich handelt. Denn Albert E. aus U. kennt man auf der ganzen Welt. Es gibt nahezu kein Medium, auf dem der berühmteste Sohn Ulms nicht abgebildet wäre. Einsteins Konterfei prangt auf Kaffeetassen, Radiergummis, Postern, es ziert Briefmarken, T-Shirts, Wandtattoos und gilt in der Version mit heraushängender Zunge gar als Vorlage für das Rolling-Stones-Logo.

Sebastian Murken muss es wissen. Seit Dekaden befasst er sich mit dem außergewöhnlichen Freigeist, „der Kraft seines Denkens das Universum aus den Angeln gehoben hat“. Was in so besonders und zur Ikone werden ließ, brachte Murken in seinem Vortrag näher, zu dem ihn der „Albert Einstein Discovery Center Ulm e.V.“ ins Stadthaus eingeladen hatte. Die schiere Geistesgröße in Verbindung mit seinem gelebten Humanismus, seiner Natürlichkeit und dem friedvollen Wesen habe ihn zu einer moralischen Instanz gemacht, dessen Autorität „nur vom Dalai Lama übertroffen wird“.

Als das wichtigste Element bezeichnete Murken Einsteins Nonkonformismus, „mit der Unabhängigkeit des Geistes in den Werturteilen gegen den Strom zu schwimmen und zu handeln“. So wurde er zu einem der ersten Weltbürger, „transnational und eines jeden Nationalismus abhold.“ Nicht zuletzt habe er die Bodenhaftung nie verloren, sei unprätentiös gewesen und zumeist erschienen, „wie du und ich“.

Kein leichtes Unterfangen, zumal sich die Gesellschaft in den Salons und allen voran die Künstlerszene um ihn gerissen hätten. Obwohl ihm der Medienrummel „ein Graus gewesen“ sei, ist Albert Einstein nicht selten dem Wunsch nachgekommen, sich porträtieren zu lassen. Hunderte Werke der unterschiedlichsten Art seien über die Jahre entstanden, sagt Sebastian Murken, dessen eigene Sammlung, die er von seinem Vater übernommen hat, mittlerweile über 200 Exponate umfasst. Was der Physiker mit dem ihm eigenen Humor einmal in einem Brief an den norwegischen Künstler Henrik Lund so beschrieben hat: „Wenige sind wie ich soviel gesessen, ohne vorher verurteilt worden zu sein.“

Wie den Bildern zu entnehmen ist, hatte Einstein „eine hohe Bereitschaft, Portraits gegenzuzeichnen“. Und manchmal erreichte den Künstler auch ein Zweizeiler des Wissenschaftlers. So ging es auch dem israelischen Bildhauer Moshe Ziffer, der eine Büste und ein Relief von Einstein geschaffen hatte: „Du bist eine Ziffer und ich bin ein Stein, aber Du arbeitest mit Stein und ich mit Ziffern…“

Nachdem das Projekt des „Albert Einstein Discovery Centers“ in Ulm immer konkreter wird und Sebastian Murken geneigt ist, seiner Sammlung mehr Öffentlichkeit zu geben, ist eine entsprechende Leihgabe im Bereich des Möglichen. Sofern das Angebot auf „das Bedürfnis der Ulmer, dem berühmtesten Sohn der Stadt mehr Aufmerksamkeit zu widmen“, trifft.

Verein präsentiert sich in der Hirschstraße

Infostand Der Verein „Freunde eines Albert Einstein Museums in Ulm“ hat sich umbenannt in kurz und knackig: „Albert Einstein Discovery Center Ulm“. Der Verein präsentiert sich mit einem Infostand am kommenden Samstag, 20. Oktober, in der Hirschstraße von 10 bis 15 Uhr.

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