Konzert Universitätsorchester Ulm spielt Anton Bruckners vierte Sinfonie

Universitätsorchester
Universitätsorchester © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Burkhard Schäfer 16.07.2018

Romantische Sinfonien gibt es viele. Aber „Die Romantische“ ist im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig. Geschrieben hat sie Anton Bruckner im Jahr 1874 in Wien. Der Oberösterreicher, der zu seinen Lebzeiten gern als katholischer Tollpatsch und Naivling vom Lande tituliert wurde, war ansonsten unverdächtig, was programmatische Bezeichnungen seiner Musik betrifft. Einzig seine vierte Sinfonie trägt eben diesen vom Komponisten selbst verliehenen Beinamen „Die Romantische“.

Genau dieses Werk hatten das Universitätsorchester Ulm und sein Leiter Burkhard Wolf als einziges aufs Programm gesetzt. Nicht nur die Zuschauerreihen der Pauluskirche waren – mit erfreulich vielen jungen Zuhörern – gut besetzt. Auch auf der Bühne saßen und standen die Musiker eng beieinander, denn Bruckners Sinfonien verlangen einen riesigen Orchesterapparat. Dass die Musik bei aller kalkulierten Massigkeit aber niemals „dick aufträgt“, sondern transparent, ja geradezu fragil bleibt, sollte das trotz seines universitären Namens völlig unakademisch aufspielende Orchester im Laufe der vier Sätze aufs Schönste beweisen.

Passende Akustik

Die ganze romantische Welt der vierten Sinfonie entwickelt sich, ähnlich wie das Vorspiel zum „Rheingold“ von Richard Wagner, aus einer Keimzelle in Es-Dur. Herrlich, wie die Musiker die „unendliche Melodie“ des sinfonischen Anfangsgeschehens ins Werk setzten und dann einen Klangteppich entrollten, der für die Akustik der Pauluskirche wie geschaffen war. Der Organist Bruckner konzipierte seine Klangdome auch vom Prinzip der Orgel her. Kein Wunder also, dass die für die Strahlkraft der Link-Gaida-Orgel klangoptimale Stahlbetonkonstruktion der Garnisonskirche auch die abrupten Registerwechsel und blockhaften Setzungen der Sinfonie bestens zur Geltung bringt.

Den zweiten Satz „Andante quasi Allegretto“ spielte das Orchester betont langsam, also eher „quasi Adagio“, ohne den Spannungsbogen dabei aus den Ohren zu verlieren. Überhaupt erwiesen sich die Musiker als Meister der Spannungsbögen und ihrer mitunter geradezu eruptiven Entladungen: Eine Steilvorlage für die Blechbläser, die sich, trotz vereinzelter marginaler Intonationsschwächen, die Chance nicht entgehen ließen, das weite Kirchenschiff mit gleichsam aus Gold getriebenen Klangkaskaden zu fluten. Riesiger Applaus für ein tolles Laienorchester, das sich an einen solch romantischen Brocken herantraut und diesen mehr als nur bewältigt.

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