Ausstellung Die 22. Triennale Ulm fragt: „Warum Kunst?“

Auch eine Position: Heike Sauers Madonna in der Ausstellung im Museum Ulm.
Auch eine Position: Heike Sauers Madonna in der Ausstellung im Museum Ulm. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Lena Grundhuber 06.07.2018

Weil Kunst alles hinterfragt, sagt Patrick Nicolas. Um Möglichkeiten der Wirklichkeit zu schaffen, sagt Birte Horn. Weil sie etwas ist, das wir nicht restlos erklären können, sagt Stefan Schiek. Das sind nur drei von 27 Antworten auf die Leitfrage der 22. Triennale Ulmer Kunst: „Warum Kunst?“.

Kommt einem irgendwie bekannt vor? Richtig, das Thema ist exakt das gleiche wie das der ­großen aktuellen Ausstellung im Museum Ulm und in der Kunsthalle Weishaupt. Nur dass die Antworten im zweiten Stock des Museums eigentlich fast die interessanteren, weil intimeren sind. Sie kommen ja sozusagen direkt vom Erzeuger, nämlich von den Künstlern selbst, die teils ziemlichen Tiefgang zeigten, wie Museumsdirektorin Stefanie Dathe sagt. ­Jeden Künstler habe man gebeten, ein Statement zu der Frage abzugeben: „Zum Teil sind dreiseitige Essays dabei herausgekommen.“

Die hängen nun nicht in voller Länge an den Wänden, im Zentrum steht immer noch die Kunst. Aber einen gewissen Raum nehmen die Texte neben den Werken doch ein. Und das zurecht, denn oft geben sie einen wirklich erhellenden Einblick in das, „was der Künstler sich gedacht hat“.

Ironisch und reflektiert

Das kann ironisch ausfallen, wenn Reiner Schlecker eine Art Hasenstall hinstellt und erklärt: „Weil es immer um die Freiheit geht!“. Es kann auch sehr reflektiert sein, wenn etwa Esther Hagenmaier beschreibt, was sie mit Reduktion meint, oder Janina Schmid ihre verspielt wirkenden Installationen erklärt: „Kunst reflektiert immer auch die Bedingungen ihres Gemachtseins.“ Bei einer Künstlerin wie Angela Ender ist das Machen an sich, die Auseinandersetzung mit dem Material ohnehin der hauptsächliche Antrieb, was man ihren knallbunten Assemblagen und Objekten ja auch an der Nase ansieht.

 Gut zugänglich, aber nie oberflächlich – die Triennale, ausgerichtet von Museum, BBK Ulm, Kunstverein und Künstlergilde, ist mit ihren 27 Beiträgern (davon mehr als die Hälfte Frauen) zwar nicht riesig geworden, aber sie ist gelungen. Umso trauriger ist es, dass mangels Sponsor kein Preis ausgelobt werden konnte, wie Dathe sagt. 117 Künstlerinnen und Künstler, die in der Region geboren sind, leben oder arbeiten, hatten sich beworben. Diesmal nicht mit Originalen, sondern mit Mappen, um das Verfahren zu vereinfachen und Kosten zu sparen. Entschieden habe eine „strenge Jury“, sagt Dathe. Bestehend aus ihr selbst, ihrem Ehemann, dem Bildhauer Willi Siber, den Künstlern Georg Winter und Alf Setzer sowie der Kunstwissenschaftlerin Barbara Renftle.

„Wir haben nicht nach Namen einjuriert, sondern uns die Kunst angekuckt“, sagt Dathe, und so hat es neben Heidemarie Ziebandt, Dietmar H. Herzog, Moritz Baumgartl und Gabriela Nasfeter sogar ein Schüler in die Ausstellung geschafft: Claude Dürr zeigt eine kleine Serie wirklich schöner Radierungen. Ansonsten geht die Bandbreite von eher lässlichem Madonnenkitsch (Heike Sauer) bis zur wohltuend strengen Industrieansicht (Gerhard Braun), Foto und Video waren bei den Einreichungen laut Dathe übrigens unterrepräsentiert. Die größte Auseinandersetzung, sagt sie, habe es über zwei Straßenzeichen gegeben, die Christian Greifendorf mit orientalischen Gebetsteppichen verkleidet hat. Nun stehen sie doch im Treppenhaus, denn unter anderem dafür ist Kunst ja auch da: „für Gedanken, die schwierig sind“, wie Christine Söffing sagen würde. Sie hat eine Bank mit Meerblick aufgestellt. Aber ohne Sitzfläche: Wir sollen’s uns nicht zu gemütlich machen.

Buch zur Ausstellung

Die Eröffnung Die 22. Triennale Ulmer Kunst feiert heute, Freitag, 19 Uhr Vernissage im Museum Ulm und ist noch bis zum 23. September zu sehen. Dazu ist ein Katalogbuch erschienen (96 Seiten, 14 Euro). Öffnungszeiten sind jeweils Di-So 11-17 Uhr, Do bis 20 Uhr. Mehr Informationen zu den Ausstellungen unter www.museumulm.de

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