Ulm Der lange Weg zur Landesgartenschau

Für Besucher geht es auf Gartenschauen meist um Blumen. Für Städte sind sie eine Möglichkeit, Infrastruktur zu verbessern.
Für Besucher geht es auf Gartenschauen meist um Blumen. Für Städte sind sie eine Möglichkeit, Infrastruktur zu verbessern. © Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Ulm / Christine Liebhardt 09.09.2018
Die Verwaltung sammelt Ideen für die Landesgartenschau. Auch die Ortschaften sollen einbezogen werden.

Zwölf Jahre sind eine lange Zeit. Einerseits. Andererseits: Für die Ulmer Verwaltung läuft seit diesem Sommer ein Countdown. Denn 2030 findet in der Stadt die Landesgartenschau (LGS) statt – und bis dahin ist noch einiges zu tun. Was genau, darüber werden sich die Rathaus-Mitarbeiter in den kommenden Monaten Gedanken machen. Ideen gibt es viele. Welche Realität werden, wird sich zeigen.

„Diesen, spätestens nächsten Monat wird es eine große Brainstorming-Runde geben“, sagt Jochen Aminde. Er ist der persönliche Referent von Baubürgermeister Tim von Winning und zuständig für die LGS. Mit am Tisch werden viele Abteilungen sitzen, die alle tangiert sind und noch enger als sonst zusammen arbeiten müssen: Stadt- und Grünplanung, Verkehr, Gebäudemanagement und auch etwa die Sanierungstreuhand, deren Sanierungsgebiete Dichterviertel und Wilhelmsburg direkt an das LGS-Gelände angrenzen.

Gemeinsames Konzept

Es wird also langfristig gedacht – auch bei anderen Akteuren, die ein Interesse an der Schau haben. So hat sich bereits Gardena bei der Stadt gemeldet, um über ein mögliches Sponsoring zu sprechen.

Das bestätigt auf Nachfrage Heribert Wettels, Pressesprecher des Herstellers für Gartengeräte. „Grundsätzlich hätten wir schon Interesse“, sagt Wettels, schränkt aber ein, dass es bis zur LGS noch lange hin sei. Nichtsdestotrotz wäre Gardena gerne frühzeitig dabei, Bedingung: „Wir müssen eine gemeinsame Idee haben, es muss ein Konzept geben.“

Jetzt wird im Rathaus aber erst gesammelt, erläutert Jochen Aminde: „Welche Themen gehen wir bald an, welche erst in ein paar Jahren?“ Zuallererst, vermutet er, werde man den Verkehr anpacken müssen. Schließlich hatte die Stadt sich in ihrer Bewerbung einiges vorgenommen (siehe Infokasten unten). Zum Beispiel am Ehinger Tor: „Was ist möglich, um den dortigen Platz für Fußgänger und Radfahrer deutlich erlebbarer zu machen?“ Und weiter: Wo könnte man eine Fahrspur reduzieren? Würde der Verkehr vielleicht besser laufen, wenn man am Zinglerberg nicht nur Richtung Innenstadt, sondern auch stadtauswärts fahren könnte? All diese Fragen müssen in den kommenden Jahren analysiert werden, und zwar ergebnisoffen, verspricht Aminde.

Überschneidungen mit Baustellen?

Lange im voraus wird auch geplant werden müssen, wie sich die LGS und die notwendigen Brückensanierungen und -erneuerungen überschneiden. Beispiel Adenauerbrücke: Ihr Neubau wird neben der bestehenden Brücke geplant. „Das kann eine große Chance für die Ehinger Anlagen sein, aber auch eine große Gefahr“, wägt Aminde ab.

Eventuell müssen für die neue Brücke viele Bäume gefällt werden. Andererseits birgt der Bau aber die Möglichkeit, den Lärmschutz entscheidend zu verbessern. „Wir haben noch nicht die Lösung, sondern viele Fragezeichen.“ Die sollen, wenn die Themen erstmal priorisiert sind, externe Verkehrsplaner beantworten. Auch die Organisationsform ist zu klären: Gründet die Stadt für die Durchführung der Schau eine eigene GmbH? Dazu steht Ulm im Austausch mit anderen Städten.

Neben den großen Brocken gibt es auch eine Idee, wie schon die kommenden Jahre bis 2030 und mit ihnen die Ortschaften in die Vorbereitungen mit einbezogen werden könnten. Fix ist freilich noch nichts, Aminde könnte sich aber eine Art Blumenuhr als Countdown vorstellen, die von zwölf auf null zurückzählt. Nicht unbedingt eine echte, sie ist eher als Konzept gedacht: „Im Jahresrhythmus könnte etwas in den Ortschaften stattfinden.“ Beispielsweise ein gemeinsames Begrünen von Vorgärten oder ein Platz, der hergerichtet wird. So sollen alle Ulmerinnen und Ulmer eingebunden werden.

Auch mit dem Förderkreis Bundesfestung, dem Dialog Grün, den Vereinen und allen anderen, die sich in die Bewerbung eingebracht haben, will die Stadt in engem Kontakt bleiben. Und mit ihnen feiern, um sich für das Engagement vor allem bei der Jury-Begehung im April zu bedanken: Am 26. September steigt die Party auf der Wilhelmsburg.

Das könnte dich auch interessieren:

Wie die Wilhelmsburg eingebunden wird

Wie geht es mit der Wilhelmsburg weiter? Das war zum Zeitpunkt der Bewerbung Ulms für die Landesgartenschau noch nicht klar – und ist es auch jetzt noch nicht. „Wir haben deshalb bewusst vage gelassen, ob sie nur ein Teil oder ein zentraler Punkt der LGS wird“, sagt Jochen Aminde. Sollte die Entwicklung in den nächsten fünf Jahren rasant weitergehen und sich ein Mieterstamm festigen, könnte eine starke Bespielung im Innenhof natürlich stören. Amindes Fazit: „Ich glaube, da müssen wir weiterhin offen bleiben.“

Die Bundesfestung steht im Mittelpunkt der LGS 2030. Die Stadt will die Schau nutzen, um Verkehrsadern wie das Ehinger Tor für den städtischen Raum zurückzuerobern.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel