„Was haben der Markgröninger Schäferlauf, der Kehlkopfgesang sardischer Schäfer und künstlerische Drucktechniken gemeinsam? Sie gehören alle zum immateriellen Kulturerbe“, sagte Künstlerhaus-Chef Rainer Schlecker bei der Eröffnung der Ausstellung „Wir feiern die Druckkunst“ im Künstlerhaus. Wobei das Feiern eigentlich erst am 15. März angesagt ist, denn da jährt sich die Eintragung der Drucktechniken in die nationale Liste das erste Mal. Grund genug, den bundesweiten „Tag der Druckkunst“ auszurufen. Und die hat ihre Freunde in Ulm: Bei der Vernissage war das Künstlerhaus proppenvoll.

Ulm scheint also ein gutes Terrain für Drucker zu sein und war es auch nachgewiesenermaßen, galt doch Johann Zainer, der 1472 seine Werkstatt in Ulm eröffnete, als einer der Pioniere des Buchdrucks, wie Kulturbürgermeisterin Iris Mann in ihrer Eröffnungsrede sagte. Und 1482 legte ­Lien­­-
hart Holl den ersten Atlas nördlich der Alpen auf. Ein Prachtexemplar auf Pergament, das einzig bekannte seiner Art, ist im Besitz der Stadtbibliothek.

Keine Pläne für Umbau

Mit Blick auf die lange Historie des Drucks in Ulm wünschte Mann der Druckwerkstatt Ulm, deren Mitglieder die Ausstellung im Künstlerhaus bestückt hatten, eine gute Zukunft. Wünsche, die die Drucker gerne hörten, gab es doch Gerüchte, dass die Werkstatt wegen einer neuen Nutzung der Pionierkaserne umziehen müsse. „Da gibt es keine Planungen“, versicherte Iris Mann am Rand der Vernissage.

Und was gibt es im Künstlerhaus zu sehen? Holzschnitte Konrad Neubrands, von den fünffarbigen „Jazzern“ bis zu monochromen markigen Sprüchen. Konrad Geyer hat neben mehreren Mittelformaten auch einen großformatigen Müsterriss in Holz geschnitten. Es gibt Radierungen von Peter Degendorfer, Linolschnitte von Adela Knajzl, Bertram Bartl zeigt einen mexikanischen Fries und eine computerverzerrte und pixelige Mona Lisa, die Bartl aber ganz analog als Siebdruck ausgeführt hat.

Das witzigste Exponat hat jedoch Jörg Eberwein beigesteuert. Neben seinen Radierungen hat er aus einer runden kupfernen Druckplatte eine Schallplatte gemacht. Aus einer einzigen Rille nehmen zwei Tonarme die Kratzgeräusche des Radierstichels ab: der Klang des Drucks.

Info „Wir feiern die Druckkunst“ läuft bis 24. März im Künstlerhaus (Grüner Hof 5): Do/Fr 14-18, Sa/So 11-16 Uhr. Es gibt auch Druckvorführungen: Die nächsten sind am Freitag, 15-17, und Sonntag, 11-16 Uhr. Am 16. März, 15-20 Uhr, ist in der Druckwerkstatt Ulm (Basteistraße 46) Tag der offenen Tür.