„Als knorriges Rauhbein, das hinter der rauhen Schale ein gerüttelt Maß an Sensibilität verbarg, als gestaltenden Künstler, der gleichermaßen auch ein Lebenskünstler war“ – so beschrieb Gustav Moré in seinem Nachruf Wilhelm Luib. 1986 war das, da war der liebevoll „Helme“ genannte Künstler kurz vor seinem 70. Geburtstag gestorben.

Jemand wie Marco Hompes, 30 Jahre alt, erst jüngst als Presseverantwortlicher ins Team des Ulmer Museums gekommen, muss sich auf vergilbte Zeitungsartikel verlassen, um sich ein Bild zu machen von diesem „barocken, impulsiven und vitalen Charakter“, wie der ehemalige Museumsdirektor Erwin Treu schrieb. Ein waschechter Söflinger, zeitlebens ein treuer Ulmer – auf seine Art: „Diese Stadt erträgt ihn, wie er auch sie ertragen muß.“ Kurzzeitig sogar als Gemeinderat, wobei: „Glücklich hat ihn diese Eskapade in die reglementierte Stadtpolitik sicher nicht gemacht“, bemerkte wiederum Moré.

Kauzig sei er wohl gewesen, leitet Kunsthistoriker Hompes  ab, aber „er muss unglaublich beliebt gewesen sein in Ulm“. Also hat Hompes zu Ehren seines 100. Geburtstags ein Bilderkabinett eingerichtet. Dort wo bislang die Neuerwerbungen untergebracht waren, finden sich jetzt neun Werke des Malers und Grafikers Wilhelm Luib (1916-1986).

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler – ältere Ulmer werden sich noch an seine Dekorationen für die Spatzenbälle erinnern – hatte Luib die Kunstgewerbeschule in Stuttgart besucht und Kurse an der Akademie genommen. Nach dem Krieg kam er zurück, lebte als freischaffender Künstler,  schuf diverse Auftragswerke, lehrte an der vh und im eigenen Malstudio und widmete sich mit Vorliebe der heimischen Landschaft.  Besonders mit einem Auftrag habe er sich in die Herzen der Leute gezeichnet, erzählt Hompes schmunzelnd: Wer im Standesamt heiratete, bekam eine Luib-Lithografie geschenkt.

Als geschworener Feind jeglicher „-ismen“ habe er die strenge Abstraktion schrecklich gefunden, sagt Hompes, der in der Zerlegung von Flächen in der „Fischerbucht“ allerdings den Einfluss von Cézanne erkennt. In den Techniken sei der Künstler durchaus vielfältig; tatsächlich findet sich unter den neun Werken auch Lithografie und Ölmalererei.  „Vor allem aber ist er ein hervorragender Aquarellmaler“, sagt Hompes. Neben einer „Abendstimmung an der Rot bei Dellmensingen“  gibt es „Häuser am Lago di Como“ – Luib verreiste gerne –, aber auch dem etwas wilderen „Söflinger Klosterhof mit Jahrmarkt“ lässt sich das Luibsche Credo ansehen: Malen müsse man „mit den Augen, nicht mit dem Hirn.“

Kommende Ausstellungen

Schau mit Repliken „Am Anfang der Kunst/Art at the Start“ heißt eine Schau von 6. Juli bis 11. September: Im Lichthof sind Repliken von Eiszeit-Funden zu sehen.

Max Arthur Stremel „Landschaft und Interieur. Der Impressionist Max Arthur Stremel“ läuft von 31. Juli bis 23. Oktober und präsentiert das Werk des 1859 in Zittau geborenen Malers Max Arthur Stremel, der sich 1918 in Ulm niederließ. Die Ausstellung zeigt Bilder aus der Ulmer Sammlung.

Öffnungszeiten Di-So 11-17 Uhr, Donnerstag: Dauerausstellungen bis 17 Uhr,

Sonderausstellungen bis 20 Uhr.