Übersehen kann man das Universumcenter am Ehinger Tor wohl kaum. Das 60 Meter hohe Gebäude mit seinen weißen Balkonen ist weithin sichtbar. Die Bausubstanz ist gut, sagen die Eigentümer. Der Zustand der Wohnungen in bester Innenstadtlage sei überwiegend top.

Nur wer am Gebäude vorbeigeht, sieht die Schwachpunkte:  eine verschachtelte und vom Ladenbesatz her unattraktive „Ebene Null, die keine Zierde für die Stadt ist“, urteilen die Grünen im Ulmer Gemeinderat zum Beispiel und hätten den Zustand gern verbessert. Deshalb haben sie  bereits im August OB Gunter Czisch gefragt, wie es aus Sicht der Stadt mit dem „Gebäude weitergehen soll“.

Planung für Landesgartenschau hat begonnen

Hintergrund: Das dahinter liegende Dichterviertel wird gerade aufwendig saniert. Die Stadt betrachtet das Universumcenter als Eingang zum Areal. Zudem hat die Planung für die Landesgartenschau (LGS) im Jahr 2030 begonnen. Dabei sollen auch das Ehinger Tor und andere Verkehrsachsen in Ulm einbezogen werden.

Der Vorschlag der Fraktion: Die Fassade des Gebäudes soll umfassend begrünt werden. „Aus unserer Sicht wäre das die richtige und zur LGS passende Maßnahme, um das Hauptgebäude zu verschönern.“ Die statische Tragkraft dürfte gegeben sein, wenn die schweren Betonelemente der Fassade durch Pflanzkübel ersetzt werden, heißt es weiter. Und auch die Palette der Geschäfte in der Ebene Null sollte erweitert werden. Derzeit teilen sich türkische Imbisse, Lebensmittelgeschäfte und Spielcasinos die Ebene im Untergeschoss. Die Stadt solle ihre städtebaulichen Vorstellungen für das Areal darlegen und prüfen, ob ein Vorkaufsrecht bestehe, schlagen die Grünen vor.

Eigentümer sehen Handlungsbedarf

Letzteres ist einfach beantwortet: Nein. Die Wohnungen sind in Privatbesitz einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Der Gesetzgeber sehe ein Vorkaufsrecht nicht vor, erklärt Czisch in seiner Antwort. Nichtsdestotrotz betrachte die Verwaltung, respektive die Ulmer Sanierungstreuhand (SAN), das Universumcenter „als Schlüsselobjekt“ in diesem Areal. Das Erscheinungsbild solle nachhaltig verbessert werden.

Deshalb habe der Leiter der SAN, Dirk Feil, schon länger Kontakt mit den mehr als 100 Eigentümern aufgenommen. Mit Erfolg: Denn auch diese sehen die Notwendigkeit, an einer „positiven Adressbildung“ zu arbeiten. Erste Schritte seien im September bei einer Eigentümerversammlung beschlossen worden.

Dass nach langer Zeit nun Nägel mit Köpfen gemacht werden, ist vor allem dem im Juli 2017 gegründeten Arbeitskreis zu verdanken. Rund zehn Wohnungseigentümer hatten beschlossen, das Ambiente um die Läden sowie vor der Tiefgarageneinfahrt und im Innenhof zu ändern (wir berichteten). Der Anblick ist tatsächlich trostlos: In den Grünanlagen liegt Müll, vor den Schnellimbissen und Lebensmittelgeschäften stapeln sich Abfallsäcke. Und in der von der Straße her verdeckten zweiten Reihe stehen Läden leer, Taubenschutznetze hängen von den Türen herab, Lampen funktionieren nicht.

Fassade soll gestrichen werden

„Wir haben mehrere Maßnahmen beschlossen“, teilte ein Mitglied der Arbeitsgruppe mit. Zunächst solle die Fassade der Ladenpassage gestrichen werden. Der Boden aus Waschbeton – zum Teil ist er kaputt – soll erneuert werden. Die Flure zwischen den Geschäften sollen mit LED-Lampen erhellt werden. Und: „Künftig soll man vor den Läden weder Abfall noch Tische und Stühle sehen.“ Alles, was nicht genehmigt sei, müsse weg.

Es habe sich herausgestellt, dass Kompromisse von den Pächtern nicht eingehalten werden. „Der Durchgang ist zu eng.“ Er sei froh, dass sich die Eigentümer zu diesen Beschlüssen durchgerungen haben: „Kommendes Jahr können wir loslegen.“ Ziel seien attraktive Verhältnisse, die auch Mietinteressenten für Wohnungen und Geschäfte anlocken. Für die Entwicklung und Umsetzung des Konzeptes zeichne ein Architekturbüro verantwortlich, auch die Hausverwaltung ziehe mit: „Das sind zwei wichtige Instrumente“, sagte der 55-Jährige.

Noch nicht Konkretes

Zumindest beim Weg entlang der Läden im unteren Geschoss und auch bei der Rampe hat die Stadt ein Wörtchen mitzureden. Beide seien laut Grundbucheintrag öffentliche Wege. „Wir wollen uns einbringen“, sagt SAN-Leiter Dirk Feil. Konkret sei aber noch nichts. Licht fehle in jedem Fall. Man könne sich vieles vorstellen: Die Entfernung der Rampe und des Daches vor der Tiefgarage beispielsweise.

Auch die Begrünung der Fassade zur Landesgartenschau schwebt im Raum und ist bereits visualisiert worden. Nämlich im Vorfeld zur Entscheidung, welche Stadt die LGS 2030 ausrichtet. „Für den Besuch der Kommission haben wir das Universumcenter per Photoshop begrünt“, sagt Feil. Vielleicht gar nicht so abwegig die Idee.

Denn auch Czisch meint: „Die Fassade des Universumcenters wird innerhalb der Gesamtplanung zur LGS sicher ein spannendes Projekt.“

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Ulm/Wendlingen

Zur Geschichte des Gebäudes


Höhe Das 22-stöckige Universumcenter ist 60 Meter hoch und 1971 fertig gestellt worden. Es hat 41 Läden und Büros, 121 Wohnungen und  einen Innenhof mit Brunnen.

Gesetz Das Landesglücksspielgesetz – es wurde 2012 erlassen – regelt einen Mindestabstand zwischen Spielhallen: 500 Meter Luftlinie von Eingang zu Eingang. Die Stadt Ulm hat angekündigt, das Gesetz restriktiv umzusetzen. Das heißt, die fünf Spielhallen im Universumcenter müssen bis auf eine verschwinden. Das kann aber dauern.