Erste Hilfe Wie Sie nach Badeunfällen Leben retten können

Können Sie im Notfall helfen? Andreas Cavallini, Notfallsanitäter beim Deutschen Roten Kreuz, erklärt die wichtigsten Handgriffe.
Können Sie im Notfall helfen? Andreas Cavallini, Notfallsanitäter beim Deutschen Roten Kreuz, erklärt die wichtigsten Handgriffe. © Foto: Deutsches Rotes Kreuz
Ulm / Amrei Groß 01.08.2018
Nach den Badeunfällen der vergangenen Tagen haben wir mit Notfallsanitäter Andreas Cavallini gesprochen. Er erklärt, wie jeder im Ernstfall Leben retten kann.

In Deutschland werden jährlich über acht Millionen Menschen bei Unfällen verletzt – bei der Arbeit, im Straßenverkehr oder zuhause. In den vergangenen Tagen sorgten zudem mehrfach Badeunfälle für Schlagzeilen.

In vielen Fällen kann jeder mit einfachen Handgriffen lebensrettende Erste Hilfe leisten. Zum Beispiel bei einem Herzstillstand: In jeder Minute, die ohne Wiederbelebung vergeht, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent. Da der professionelle Rettungsdienst durchschnittlich zehn Minuten für den Weg zum Notfallort braucht, kommt es in Situationen wie dieser auf Erste Hilfe an. Aber wie funktioniert doch gleich wieder die Herz-Lungen-Wiederbelebung?

Wir erklären, wie Sie im Notfall richtig helfen

Etwa vier Fünftel der Bundesbürger haben schon einmal an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen. Bei den meisten liegt dies im Durchschnitt 15 Jahre zurück. Damit Sie im Notfall richtig handeln können, haben wir mit dem Notfallsanitäter und langjährigen Erste-Hilfe-Ausbilder Andreas Cavallini vom Deutschen Roten Kreuz gesprochen, worauf es im Ernstfall ankommt.

Eine Person ist im Wasser in Not

Die sommerliche Hitze lockt in diesen Tagen die Menschen in Scharen ans und ins kühle Nass der Seen in der Region. Damit steigt das Risiko von Badeunfällen. Wenn Sie beobachten, dass eine Person im Wasser in Not ist und zu ertrinken droht, müssen Sie rasch handeln. Informieren Sie an bewachten Badestellen sofort DLRG oder Wasserwacht.

So setzen Sie einen Notruf ab

An Badestellen ohne Wasserretter in Bereitschaft sind Sie gefragt: Alarmieren Sie unverzüglich den Rettungsdienst über die Notrufnummer 112.

Damit der Disponent in der Leitstelle Ihren Anruf schnellstmöglich bearbeiten kann, braucht er folgende Informationen:

  • Wo ist etwas passiert?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Arten von Verletzungen?
  • Wer meldet den Notfall?

Warten Sie im Anschluss unbedingt auf mögliche Rückfragen!

Gehen Sie niemals alleine ins Wasser, um einen Ertrinkenden zu retten – außer, Sie sind Rettungsschwimmer. Holen Sie sich Hilfe bei anderen Badegästen. „Ertrinkende entwickeln in ihrer Panik ungeahnte Kräfte. Sie können einen ungeübten Retter leicht unter Wasser ziehen und ihn damit selbst in Gefahr bringen“, sagt Andreas Cavallini. Eigenschutz geht vor! Sie helfen niemandem, wenn Sie selbst in Not geraten.

Schaffen Sie es, die Person an Land zu bringen, leisten Sie folgendermaßen Erste Hilfe.

Die Person ist ansprechbar

Erster Schritt ist immer das Ansprechen und Anfassen des Betroffenen. Fragen Sie, was passiert ist. In vielen Fällen lässt sich anhand der Antwort bereits erkennen, ob er orientiert ist. Helfen Sie situationsbedingt – etwa, indem Sie die Person in den Schatten bringen, sie mit aufrechtem Oberkörper lagern, Wasser reichen. Friert die Person, können eine Rettungsdecke aus dem Verbandskasten oder ein Strandtuch helfen.

Wenn Sie sich unsicher sind, ob weitere professionelle Hilfe erforderlich ist und Sie den Rettungsdienst nicht bereits im Zuge der Rettung gerufen haben, lieber einmal zu oft als zu selten die Notrufnummer 112 wählen.

Die Person ist nicht ansprechbar

Reagiert die Person nicht auf Ansprache, müssen Sie die Atmung überprüfen. Das funktioniert folgendermaßen:

  • Öffnen Sie durch leichten Druck auf das Kinn den Mund des Betroffenen.
  • Kontrollieren Sie, ob möglicherweise Erbrochenes oder Speisereste die Atemwege blockieren. Falls ja: Raus damit!
  • Überstrecken Sie den Kopf der Person leicht nach hinten. Dazu am besten von unten ans Kinn greifen. Halten Sie diese Position.
  • Beugen Sie sich dicht über die Person, sodass Sie ihren Atem hören und spüren können. Schauen Sie dabei in Richtung Brustkorb: Hebt und senkt er sich?

Die Person atmet

Atmet die Person, funktioniert auch ihr Kreislauf. Ihre Aufgabe ist es nun, dafür zu sorgen, dass das so bleibt. Dazu legen Sie die Person in eine stabile Seitenlage. Wie das geht, zeigt Andreas Cavallini im Video.

Bleiben Sie bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts bei der Person. Überprüfen Sie regelmäßig die Atmung.

Die Person atmet nicht

„Sorgen Sie unbedingt dafür, dass Sie zeitnah Hilfe durch weitere Personen erhalten“, sagt Andreas Cavallini. Am besten sei es, laut um Hilfe zu rufen und aktiv Aufgaben an Umstehende zu verteilen. So können Sie sich zum Beispiel bei der Reanimation abwechseln.

Ist der Notruf bereits abgesetzt, beginnen Sie sofort mit der sogenannten Herz-Lungen-Wiederbelebung. Die Person muss dazu auf einem harten Untergrund liegen. Machen Sie den Oberkörper frei, damit keine Kleidung den Druck auf den Oberkörper verteilt. Besonders BH oder Bikinioberteile mit Bügeln sind hier problematisch.

Drücken Sie 30 Mal tief und schnell – mindestens 100 bis maximal 120 Mal pro Minute – in der Mitte des Brustkorbs auf den Oberkörper der Person. Tipp: Der Rhythmus des Bee Gees-Hits „Stayin’ Alive“ ist genau richtig! Im Anschluss folgen zwei Atemspenden, danach wieder 30 Mal Drücken. Wie es funktioniert, sehen Sie im Video.

Wichtig: Wenn Sie sich nicht zutrauen, die Person zu beatmen, einfach nur drücken. In Bayern wird anders als in Baden-Württemberg die Laienreanimation sogar ohne Beatmen gelehrt, um die Hemmschwelle für Helfer zu senken. „Das Einzige, was man falsch machen kann, ist nichts zu tun“, sagt Cavallini. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie viele Minuten reanimieren – nämlich bis der Rettungsdienst bei Ihnen ist. „Dass die Person einfach wieder zu sich kommt, wie man es oft in Filmen sieht, ist in der Regel nicht der Fall.“

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