Überall in Deutschland lassen sich Menschen auf das Coronavirus testen. Nicht wenige warten tagelang auf ihr Ergebnis. Das fiel auch den Mitarbeitern der Ulmer IT-Firma BS Software Development auf. Am Montagmorgen habe man über das Thema diskutiert, sagt Geschäftsführer Jürgen Bucher. „Dann ging es gleich los.“

In nur zwei Tagen entwickelte das Team eine kostenlose App. Die Idee: Wenn in einem Labor ein Testergebnis vorliegt, bekommt der Patient eine Meldung auf sein Smartphone. „Das ist erstmal sehr primitiv, der Wert liegt in der Geschwindigkeit, in der die Daten übermittelt werden“, sagt Bucher. Die Menschen wissen also schneller als üblich, ob sie mit dem Virus infiziert sind oder nicht.

Stuttgart

Patienten bekommen einen QR-Code für die Corona-Test-App

Normalerweise teilen die Labore das Testergebnis erst dem Arzt oder der Klinik mit. „Bei großen Abnahmezentren, die überlastet sind, kann es Stunden dauern, bis der Befund an den Patienten kommuniziert wird“, sagt Bastian Bosse, stellvertretender EDV-Leiter im Kölner Labor Dr. Wisplinghoff. Das Labor ist eines der ersten, die die Ulmer App einsetzen wollen.

„Jürgen Bucher hat uns damit überrascht“, sagt Bosse. Man habe zwar eine ähnliche Funktion auf der Labor-Website, aber die App habe den Vorgang „noch weiter vereinfacht“. Es sei unkompliziert gewesen, sie an die bestehenden Prozesse anzuhängen. Das Labor Dr. Wisplinghoff führt derzeit täglich etwa 5000 Tests auf das Coronavirus durch.

Damit jedes Testergebnis beim richtigen Patienten ankommt, arbeiten die Experten mit QR-Code-Paaren. „Der Patient bekommt beim Test einen Code auf einem Etikett, das andere Etikett geht ins Testlabor“, erklärt Bucher. Die Firma Herma aus Filderstadt hat Etiketten für 125.000 Tests gespendet, den Server für das Projekt stellt die Telekom.

Ihren QR-Code können Patienten mit dem Android-Handy scannen, dann kommen sie direkt zur Ulmer App „Covid19“ im App-Store. Auch eine Variante für iPhones soll in Kürze verfügbar sein. Nach dem Download lässt sich mit demselben Code anzeigen, ob bereits ein Ergebnis des Tests vorliegt – und falls ja, welches.

Corona-Krise: Kriminelle verbreiten Apps und Websites mit Schadcode

Zum Datenschutz in der App sagt Bucher, es würden keine Daten übertragen, die Rückschlüsse auf die Identität des Patienten zulassen. Selbst wenn man zufällig Codes ausprobiere, sei es extrem unwahrscheinlich, das Ergebnis eines anderen Patienten zu finden, bestätigt Bastian Bosse.

Der ITler sorgt sich um etwas ganz anderes: „Es gibt jetzt schon Kriminelle, die auf den Corona-Zug aufspringen und versuchen, die Leute zu irrationalen Handlungen zu bewegen.“ Bereits vor über einer Woche wurde bekannt, dass eine vermeintlich seriöse Online-Karte zur Corona-Verbreitung einen Schadcode auf Computern installiert, der Passwörter und andere Daten abgreift. Medien berichten über zahlreiche Apps und Spammails, die ähnlichen Schadcode verbreiten.

Die Ulmer Entwickler fragen sich derweil, wie sie ihre Corona-App noch erweitern können. „Wir haben überlegt, ob man eine Anleitung für die Patienten einbaut, die bei der Entscheidung hilft, ob man sich testen lassen soll“, sagt Jürgen Bucher. „Natürlich in Rücksprache mit Experten, die das bewerten können.“