Choreo Lab im Roxy Ulm
: „249 Choreographic Failures“: Motiviert durch die globale Krise

Im „Choreo Lab“ verwandeln internationale Tänzer das Thema „Scheitern“ in Bewegung. Am Freitag ist Premiere.
Von
Jana Zahner
Ulm
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Proben seit Juli gemeinsam im Roxy: Lou Thabart, Sakura Inoue und Romane Petit (von links). ⇥

Volkmar Könneke

Scheitern – das will kein Künstler auf der Bühne. Was herauskommt, wenn Misserfolge und der Umgang mit ihnen in Tanz übersetzt werden, ist an diesem Wochenende im Ulmer Roxy zu sehen. Das zum zweiten Mal durchgeführte Artist-in-Residence-Programm „Choreo Lab„ hat drei aufstrebende Choreografen und vier Tänzer nach Ulm geführt. Zusammen mit Initiator Pablo Sansalvador haben Aina Lanas aus Spanien, Axel Loubette aus Frankreich und Pablo Girolami aus Italien in nur wenigen Wochen ein Stück kreiert, das passend zum Berblinger-Jahr Misserfolge thematisiert.

Doch der historische Schneider von Ulm, der mit seinem selbstgebautem Flugapparat in die Donau stürzte, dient im Choreo Lab nur als zweitrangige Inspirationsquelle. Zu präsent ist das Thema Scheitern in all seinen Facetten durch die Corona-Krise und ihre Folgen. „Die Erfahrungen aus dem Lockdown sind in die Choreografien eingeflossen“, sagt Sansalvador. Damit die Tänzer Romane Petit, Sakura Inoue, Lou Thabart und Malcolm Sutherland keinen Abstand einhalten müssen, leben sie seit dem Schwörmontag in Ulm zusammen und meiden unnötige Kontakte.

Insgesamt 45 Video-Bewerbungen aus 24 Ländern waren zuvor bei der Jury des Artist-in-Residence-Programmes eingegangen – dass die Pandemie viele Künstler in Europa für lange Zeit arbeitslos macht, habe die Auswahl der Choreografen und Tänzer besonders schwer gemacht, sagt Sansalvador: „Für sie ist es der erste Auftritt seit dem Lockdown. Er ist sehr wichtig, um positiv und motiviert zu bleiben.“

Überraschende Umsetzung

Nun sind Niederlagen nicht unbedingt ein positiv besetztes Thema. Doch wer deswegen einen düsteren Abend voller Geigenmusik und „Sterbender Schwan“-Darbietungen erwartet, den belehrt der Besuch in der Hauptprobe eines Besseren: Jede der vier etwa 13 bis 15 Minuten langen Choreografien zeigt einen eigenen, überraschenden Zugang.

Der kann sogar witzig-clownesk sein wie bei dem Stück „Four Dancers x Four Wheels“ von Pablo Sansalvador: Zu Jazz von Herbie Hancock führen die Tänzer mit Autoreifen vor, dass man selbstironisch mit den eigenen Schwächen umgehen kann. Für Herzklopfen sorgen Aina Lanas „Batec“ (Katalanisch für „Schlag“) und Axel Loubettes dynamisches „Task“. Bunt wie getanzte Pop-Art wird es bei „J-J“ von Pablo Girolami.

Am 21. August Premiere im Roxy

Das zweite Choreo Lab unter dem Motto „249 Choreographic Failures“ feiert am Freitag, 19 Uhr, in der Werkhalle des Roxys Premiere. Weitere Vorführungen am Samstag und Sonntag (ebenfalls 19 Uhr, ca. 75 Minuten inklusive Pause). Karten gibt es unter www.roxy.ulm.de