Musik Chor Klangreich begeistert im Stadthaus

Zum Jubiläumskonzert wurde das Stadthaus eine ganze große Bühne.
Zum Jubiläumskonzert wurde das Stadthaus eine ganze große Bühne. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Burkhard Schäfer 13.03.2018

Das Stadthaus hat im Laufe seiner fast 25-jährigen Geschichte unzählige Events erlebt. Dass es aber selbst einmal derart prominent im Zentrum eines Konzerts stehen würde, hätte sich die moderne architektonische Ikone im Herzen Ulms aber wohl doch nicht träumen lassen. Unter dem Motto „Mein Haus klingt“ hatten der Konzertchor Klangreich und sein Leiter Markus Romes unter Mitwirkung von Tanja Conrad und Ulrike Podlech (Violine), Marion Zenker (Viola), Jakob Roters (Cello), Hans-Peter Reich (Kontrabass), Jonathan Zenker (Percussions) und Janis Pfeifer (Klavier) einen Abend vorbereitet, der als einer der intensivsten in die Stadt(haus)-Geschichte eingehen könnte.

Es sei in Ulm sein Lieblingshaus, betonte Romes zu Beginn, und so habe er sich zum Jubiläumsjahr überlegt, „den Chor hier einmal vertikal singen zu lassen“. Die ersten fünf Werke, unter anderem „Froher Tag, lichter Tag“ aus Monteverdis „L’Orfeo“ und den Hirtenchor aus Schuberts Schauspielmusik zu „Rosamunde“, brachten die Musiker aber „horizontal“: traditionell nebeneinander stehend auf die Bühne.

Als Opener fungierte Annie Lennox’ Song „A Thousand Beautiful Things“, eindrucksvoll gesungen von Renate Blikle (Alt). Die Übersetzung davon hatte vorab der im Hausmeister-Outfit toll agierende Schauspieler Gunther Nickles vorgelesen. Überhaupt bildete Nickles in seiner Rolle als kommentierender Pedell einen erfrischenden Kontrapunkt zur oftmals regelrecht schmerzhaften Intensität des Dargebotenen. „Sure On This Shining Light“ von Morten Lauridsen, von der Lichtregie perfekt in Szene gesetzt, war das letzte Lied vor dem großen Bühnenwechsel.

Dann hieß es: Alle raus ins Treppenhaus. Die Musiker positionierten sich auf den verschiedenen Stockwerken, die Zuhörer mischten sich auf Romes‘ Wunsch hin darunter. Mit Hildegard von Bingens „O gloriosissimi lux vivens Angeli“ , kongenial gesungen von Sonja Stopp (Sopran) und unterlegt mit Vokalisen sowie einer einsamen Geigenstimme, kam das Motto des Abends gleichsam zu sich selbst.

Das Publikum war gepackt von dem, was sich dann drei weitere Lieder lang, eines davon („Erstes Grün“) aus Romes‘ eigener Feder, im „klingenden Haus“ ereignete. Und wie der von Lichtspielen illuminierte Münsterturm bei Brahms‘ romantischer „Waldesnacht“ durch die Fenster auf das Geschehen hinabschaute und so Teil der Inszenierung wurde, das hatte ganz große Klasse.

Zur Pause wurden die Zuhörer gebeten, sich für Teil zwei des Konzerts wieder im Foyer zu versammeln. Auf den Tischen dort standen nun mit Wasser gefüllte Gläser. Diese Glasharfen kamen zunächst in Eriks Esenvalds „Stars“, später in dessen „Northern Lights“ zum Einsatz. Das eigentlich Erstaunliche war, dass die Musiker nahtlos an Teil eins anknüpfen und das ohnehin schon hohe Spannungslevel noch einmal steigern konnten: mit Monteverdis „Preist diesen Tag der Freude“ und „Sleep“ von Eric Whitacre. Die anderen Stücke, etwa „Fly To Paradise“ (Whit­acre) mit Caroline Schlenker (Sopran) als Engel, erklangen dann wieder auf der Bühne.

Der Lohn: nicht enden wollende Standing Ovations – und eine riesenstarke Zugabe („Luminous Night Of The Soul“ von Ola Gjeilo). Gänsehaut!

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