Sanierung Belastungstest: Was hält die Gänstorbrücke aus?

Ulm/Neu-Ulm / Christoph Mayer 18.11.2018

Keine neuen Hiobsbotschaften – das zumindest ist das vorläufige Fazit des nächtlichen Belastungstests auf der maroden Gänstorbrücke in der Nacht zum Sonntag. „Die festgestellten Schäden entsprechen ziemlich exakt unseren bisherigen Berechnungen“, sagte Gerhard Fraidel, Leiter der städtischen Abteilung Verkehrsinfrastruktur, gestern Nachmittag spürbar erleichtert. „Wir haben Spannkraftverluste von bis zu 25 Prozent gemessen.“ Das heißt: Eingeschränkter Verkehr – auf zwei von vier Spuren – wird in den nächsten fünf Jahren wohl weiterhin möglich sein.

So lange dürfte es auch bis zur Fertigstellung eines Brückenneubaus an gleicher Stelle dauern, wobei dann in zwei Etappen gebaut würde. Nach jetzigem Stand der Dinge könnte zuerst der flussaufwärts liegende Brückenstrang abgerissen und erneuert, über die flussabwärts liegende linke Brückenseite würde der Verkehr dann derweil noch rollen.

Stresstest mit schwerem Kaliber

192 mal sind drei Autokräne – 48, 40 und 36 Tonnen schwer – in der Nacht zum Sonntag über die für den Verkehr gesperrte Gänstorbrücke gebrettert.

Ziel der am Samstagabend kurz nach 23 Uhr beginnenden, knapp drei Stunden dauernden und minutiös vorbereiteten Aktion war es zu testen, wie die marode Brücke auf extreme Belastungen reagiert. Alle vier Spuren wurden immer wieder mit Anlauf und Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometern befahren. Teilweise bremsten die von der Firma Liebherr zur Verfügung gestellten Lastkräne auf der Brücke bewusst abrupt ab, um das über die Donau führende und die Städte Ulm und Neu-Ulm verbindende Spannbetonwerk noch stärker ins Schwingen zu bringen.

Während die Kranwagenfahrer gewissermaßen als Männer fürs Grobe agierten, fand die Feinarbeit ganz überwiegend unter der Brücke statt, wo bei in diesem Herbst erstmals frostigen Temperaturen Ingenieure und andere Experten am Werk waren. Insgesamt war das Bauwerk dazu mit 36 Schallsensoren, 20 Dehnungssensoren, 71 Temperatursensoren  und 4 so genannten Verformungssensoren bestückt worden. Zum Anschluss dieser Sensoren waren rund drei Kilometer Kabel verlegt worden.

Auswertung in Echtzeit

Zusätzlich filmte ein Kamerasystem an der Brückenunterseite befestigte silberne Metallplatten, die jeweils spezielle Punktmuster aufwiesen. „So können wir über ein spezielles Verfahren der Bildauswertung in Echtzeit ermitteln, wie sich die Brücke bei Belastung verformt“, erklärte ein Ingenieur der ausführenden Firma.

Nach Abbau sämtlicher Straßensperren wurde die Brücke in den frühen Morgenstunden wieder für den Verkehr freigegeben.

Ein genauer Zustandsbericht wird erst nach Auswertung aller Daten vorliegen, sagt Fraidel. Bis dahin werde es noch einige Tage dauern. Allerdings kommen bereits am heutigen Montag Ulmer Gemeinderat und Neu-Ulmer Stadtrat zu einer gemeinsamen Sitzung im Edwin-Scharff-Haus zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt: Wie geht es weiter mit der Gänstorbrücke, für deren Unterhalt beziehungsweise Neubau beide Städte zu je 50 Prozent aufkommen müssen.

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Rotes Licht heißt Brücke dicht

Sicherheit Eine Monitoringanlage überwacht die Gänstorbrücke bereits rund um die Uhr und schlägt bei Überbeanspruchung Alarm. „Bisher geht der Alarm aber auf ein Handy“, sagt Gerhard Fraidel von der Stadt Ulm.

Ampeln Um auf Nummer sicher zu gehen, plane man nun die Aufstellung von Ampelanlagen auf beiden Seiten der Brücke und eine Verbindung der Monitoringanlage mit ihnen. In kritischen Situationen oder bei Überschreitung der Belastungsgrenze schalteten die Ampeln sofort auf Rot „die Brücke wird geschlossen“, wie Fraidel es formuliert. Ein entsprechendes Notfall- und Alarmkonzept soll im Lauf der nächsten Wochen installiert werden.

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