Integration Beate Merk besucht Geflüchtete im Deutschkurs

Beate Merk war im BFZ zu Besuch.
Beate Merk war im BFZ zu Besuch. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / Christine Liebhardt 16.03.2018
Die Alltagssprache klappt, doch Fachbegriffe in der Berufsausbildung fallen vielen Teilnehmern schwer.

„Es ist frustrierend: Wenn ein Punkt fehlt, gibt es kein B1 und keine Arbeit.“ Der Syrer Abdulhamed Alali ist einer von mehreren Teilnehmern eines Sprachkurses im Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (BFZ) in Neu-Ulm, den Europaministerin Beate Merk am Donnerstag besucht hat, um sich ein Bild vom Stand der Dinge zu machen. Vor Ort informierte sie sich im Austausch mit Verantwortlichen und Firmenvertretern über Integrationsangebote für Flüchtlinge und Erfahrungen bei der Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt. Alalis Problem und das mancher Mitschüler: Sie sprechen zwar gut Deutsch, haben in der Prüfungssituation aber Probleme mit Nervosität und Schriftdeutsch. Deshalb ist es für manche schwierig, das Sprachniveau B1 zu erreichen – die Mindestvoraussetzung vieler Arbeitgeber. Den Prüfungsstress müssten aber auch Deutsche aushalten, antwortet die Kursleiterin. „Es braucht die zusätzliche sozialpädagogische Betreuung, das ist der Kitt für alles“, erläuterte Thomas Lösch von der Geschäftsleitung des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft. „Man braucht einen Coach, der von Anfang an an der Seite steht.“

Die Gespräche mit den BFZ-Mitarbeitern und den Betrieben seien „sehr wichtig für uns“, sagte Merk. So erfahre sie, wo Dinge anders gemacht werden müssen. Konkret: „Wir müssen bei der Sprache einen Zahn zulegen. Nicht bei der Alltagssprache, sondern bei den Fachbegriffen der Berufsausbildung.“ Das sei schwierig, weil Migranten sich unter einer Nockenwelle nichts vorstellen könnten. Eine Lösung könnte sein, Schüler in gleichen Berufen zusammenzubringen – zum Blockunterricht an der Berufsschule oder im Betrieb selbst.

Auch Sonja Epple vom Landgasthof Hirsch in Finningen kennt das Problem. Seit August vergangenen Jahres macht dort ein junger Afghane die Ausbildung zum Hotelfachmann. „Das klappt super“, erzählte Epple. „Er hat den Beruf und die Dienstleistung verstanden und hat gute Chancen, voranzukommen.“ Deutsch spreche er sehr gut, stoße aber in der Berufsschule bei den Fachbegriffen an seine Grenzen. Ihr Lösungsansatz: eine längere Ausbildungsdauer. „In vier Jahren könnte man das Wissen vermitteln.“ Zwischen den Schülern gibt es allerdings große Diskrepanzen, berichtet BFZ-Seminarleiterin Ulla Scholz. „Viele sind Lernen gewohnt und profitieren von privatem Engagement. Andere kommen nicht viel in Kontakt mit Deutschen oder sie haben im Wohnheim nicht die Ruhe, zu lernen.“