Gute Nachrichten von der Deutschen Bahn sind dieser Tage selten. Hier kommt eine – zumindest für lokalpatriotisch veranlagte Bahnfahrer mit Ulm-Bezug. Wie eine DB-Konzernsprecherin auf Anfrage mitteilte, werden die ICE-Züge der neuen 4er-Generation künftig beim Einlaufen in den Ulmer Hauptbahnhof auf ihren Displays nicht mehr das Wiblinger Kloster anzeigen, sondern stattdessen das Ulmer Münster einblenden. „Beim nächsten Software-Update werden die neuen Fotos eingespielt, wir gehen davon aus, dass dies bis März geschehen sein wird.“

Echtes Markenzeichen

Wer den angekündigten Bilderwechsel für eine bloße Schmonzette hält, verkennt, dass der Fall zuletzt politische Dimensionen erreicht hatte. So hatte der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete und Stadtrat Martin Rivoir in einem Antrag an OB Gunter Czisch gefordert, die Stadt möge sich für eine Video-Bebilderung der ICEs mit einem „echten Markenzeichen“ Ulms einsetzen – denn das Wiblinger Kloster sei zwar schön, aber doch eher ein Rand-Phänomen . Rivoir hatte als mögliche Alternative allerdings nicht das Münster in Betracht gezogen – im Wissen, dass auf die Displays nur flache Bilder passen, das Münster mit seinem markanten Turm somit das Format sprengen würde. Stattdessen regte der Politiker an, die Bahn möge optisch auf den berühmtesten Sohn der Stadt, Albert Einstein, zurückgreifen.

Einwände sind berechtigt

Dass die Bahn sich jetzt doch für die Ulmer Bürgerkirche entschieden hat, liegt wohl auch daran, dass die DB-Entscheidung gar nicht auf Rivoirs Vorschlag hin erfolgt ist. Wie die Bahnsprecherin erklärt, sei die Anregung, aufs Wiblinger Kloster zu verzichten, schon vor mehreren Wochen an den Konzern herangetragen worden  – und zwar von Bahnreisenden. „Wir haben das geprüft und sind zum Schluss gekommen, dass die Einwände berechtigt sind.“

Schließlich zeige man bei der Einfahrt in andere Städte ebenfalls die wichtigsten Bauten, in Köln etwa den Dom, in Wolfsburg die dort stadtprägenden VW-Gebäude. Fotos vom Ulmer Münster habe man ohnehin in petto gehabt. Ein Bahn-Fotograf habe eigens für die neuen ICEs  entsprechende Aufnahmen gemacht – und zwar im Querformat. Sie zeigten die Quersilhouette der Kirche. Der einen Freud’, des anderen Leid: Dieser Grundsatz gilt einmal mehr in diesem speziellen Fall. Die Wiblinger Stadträtin Helga Malischewski hatte sich zuletzt schriftlich an den „hochverehrten Kollegen“ Rivoir gewandt und ihn für seine Anti-Wiblingen-Initiative gerügt. Münster und Einstein (der nur 15 Monate in Ulm gelebt habe) hin oder her, sei das Wiblinger Kloster dennoch würdig, marketingtechnisch die gesamte Stadt zu vertreten. „Ich freue mich sehr, dass dieses  Bauwerk so zur Geltung kommt. Die Anlage wird als einer der schönsten im Umkreis betitelt. Gönnen Sie der Wiblinger Bürgerschaft diese tolle Werbung.“ Daraus wird nun nichts. Dazu die Bahnsprecherin: „Viele Grüße an die Wiblinger. Sie sollen es nicht persönlich nehmen.“

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ICE 4 Wie viele Intercity-Express-Züge der neuesten Generation Ulm derzeit überhaupt regelmäßig anfahren? Ein Antwort bleibt die Bahnsprecherin einstweilen schuldig. Insgesamt gebe es erst 25 dieser Zugpaare, die deutschlandweit verkehrten. Ältere ICEs würden aber nach und nach ausgemustert und durch  die neueste Generation ersetzt.