Ulm hat die Weichen gestellt – für einen schadstofffreien Nahverkehr und hat für 151 Millionen Euro eine zweite Straßenbahnlinie gebaut. Wobei noch 88 Millionen Euro vom Bund und 30 Millionen vom Land dazukamen. Schon während der langen Planungsphase und der für alle sehr anstrengenden Bauzeit wurde der Ausbau des Tramnetzes bei jeder Gelegenheit erwähnt, um nicht zu sagen gerühmt: bei Sitzungen des Umweltausschusses, bei der Vorstellung des Klimaschutzkonzeptes,  bei Aktionstagen wie „Ohne Auto – mobil“. Bei der Inbetriebnahme am 9. Dezember betonte Verkehrsminister Winfried Hermann sogar, die Stadtwerke würden die Straßenbahn mit 100 Prozent erneuerbarem Strom betreiben. Stimmt, aber nur rein rechnerisch.

Straßenbahn in Ulm: Unübersichtliche Verkehrsführung

Diese Vorschusslorbeeren sind mit der Grund, warum jetzt alle auf die Straßenbahn schauen und jeden Unfall, jeden Kratzer, jeden Ausfall wahrnehmen. Dabei können die schicken Combinos und Avenios gar nichts für die Unfälle. Am Kuhberg beispielsweise ist die Verkehrsführung unübersichtlich und dazu noch ungewohnt. Da ist es kein Wunder, dass Autofahrer ins Gleisbett fahren. Dort soll die Beleuchtung – auch an den Randsteinen – noch verbessert werden. An anderen neuralgischen Punkten wie am Mähringer Weg wurden rotweiße Warnpflöcke aufgestellt. Zu Zusammenstößen kam es überdies, weil Ignoranten am Theater nach wie vor einen Turn fahren, obwohl das nun verboten ist, wie ein Schild eindeutig warnt.

Straßenbahn ist die Zukunft im Nahverkehr

Fazit: Ja, die Unfälle häufen sich seit dem Start der Linie 2. Auch deshalb, weil sich das Streckennetz verdoppelt hat in einem immer dichter werdenden Individualverkehr. Da gehören Crashs dazu. In Dresden sind Straßenbahnen täglich in Unfälle verwickelt. In Ulm war es Glück im Unglück, dass sieben Menschen nur leicht verletzt wurden, als ein Wagen der Linie 1 entgleiste. Noch ist unklar, ob es ein technischer Defekt war oder menschliches Versagen, dass die Weiche in der Wagnerstraße falsch gestellt war. Auch die Straßenbahnfahrer müssten sich an die neuen Gegebenheiten anpassen, hatten die Stadtwerke schon lange vor diesem Unfall verlauten lassen.

Aber trotzdem besteht kein Grund, die Straßenbahn gleich als unsicheres Verkehrsmittel zu bezeichnen. Sie ist die Zukunft für die Stadt, auch wenn Ulm sein Klimaziel nicht erreichen wird.