Kino Abgehobene Aufnahmen bei den Ulmfilmtagen

Bald im Kino zu sehen: Filmaufnahmen vom Berblinger-Flugwettbewerb 1986.  
Bald im Kino zu sehen: Filmaufnahmen vom Berblinger-Flugwettbewerb 1986.   © Foto: Protel
Ulm / Magdi Aboul-Kheir 29.12.2018

Gut 32 Jahre ist es her, da gelang dem Schüler Holger Rochelt, mit einem vom seinem Vater konstruierten Flugapparat von der Adlerbastei über die Donau zu gleiten. Er war der Einzige, dem dieses Kunststück damals beim Berblinger-Wettbewerb gelang. 50 000 Euro Siegprämie brachte das ihm ein: auch Schmerzensgeld für die ausgekugelten Schulter, denn der Flug endete mit einem Aufprall an der Neu-Ulmer Ufermauer. Zu einer modernen Stadt-Legende ist dieser Flugwettbewerb von 1986 geworden, aber nun kann man nochmal zum Augenzeugen werden.

Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Denn Gerhard Konold, ein Lehrer aus Königsbronn, hatte das Ereignis damals mit zwei Super-8-Kameras gekonnt aufgenommen. Der bislang nahezu unbekannte Zwölfminüter ist nun als Teil von Günter Merkles Film-­Kompilation „Ulm für Fortgeschrittene“ bei den „Ulmfilmtagen“ in der Lichtburg zu sehen.

Eine wilde Mischung

Der Zweistünder „Ulm für Fortgeschrittene“ ist neu im Programm der „Ulmfilmtage“. Er besteht aus älteren und neueren Kurzfilmen mit Ulm-Bezug zu den Themen Kultur, Technik und Donau. Der Bogen reicht von einem Bericht über Joachim Fleischers „Münster-Scanning“ über Dokumentationen zu dem Bildhauer Michel Erhart und dem Glasmaler Peter Hemmel von Andlau sowie den Münsterbauhütten-Kulturerbe-Bewerbungsfilm bis zu Aufnahmen des ersten Donaufests 1998, eines  Seifenkistenrennens auf dem Kuhberg 1950 und eben des Berblinger-Flugwettbewerbs. Den Abschluss bilden reizvolle Bewegtbilder von einer Donau-Bootsfahrt durch das Eiserne Tor an der serbisch-­rumänischen Grenze.

„Eine wilde Mischung“, räumt Günter Merkle ein, „aber eine, die unterhält, vor allem Ulmer“. Und er weiß: „So etwas läuft nicht im Fernsehen.“ Dafür Anfang Januar in der Lichtburg.

Zum Programm der „Ulmfilmtage“ gehören auch wieder „Historische Ulm-Filme“, wobei sich manche Teile so sehenswert wie noch nie präsentieren, dank aufwändiger HD-Abtastung. Es ist erstaunlich, wie scharf manche dieser 80 Jahre alten Aufnahmen, etwa von einer Schachtelfahrt anno 1938, nun aussehen. Und auch die moderne Farbkorrektur holt aus Kodachrome-Aufnahmen viel heraus: Himmel und Donau sind nun blau statt grün.

Was gibt es sonst während der „Ulmfilmtage“ zu sehen? Unter dem Titel „Ulmfilmgold“ laufen erneut Merkles beste Ulm-Werbe­filme, außerdem stehen die Kinofassung der „HfG-Filme“ und Sibylle Tiedemanns Dokumentationen „Kinderland ist abgebrannt“ und „Estland mon amour“ auf dem Programm. Letztgenannter Titel wurde auch mit Mitteln des Bundesfilmarchivs in HD digitalisiert, sodass Sibylle Tiedemanns familiäre Spurensuche nun in voller Kinoqualität zu erleben ist.

Apropos Kino – unter der Überschrift „Junges Kino in und aus Ulm“ sind dann auch drei Filme zu sehen: Lisa Millers „Landrauschen“, Oliver Haffners „Geschenk der Götter“ und Selim Gecgins „Almanyam“. „Wir brauchen nicht immer Hollywood“, sagt Günter Merkle und lacht. „Wir haben Kinoqualität made in Ulm.“

Programm an fünf Tagen

Die Ulmfilmtage finden von 2. bis 6. Januar in der Lichtburg statt. Das Programm: „Historische Ulm-Filme“ (Do, 14 Uhr/Fr, 16/Sa, 11/So, 11), „Ulm für Fortgeschrittene“ (Mi, 11/Fr, 14/So, 16), „Ulmfilmgold“ (Mi, 16/Do, 11), „HfG-Filme“ (Do, 16/Sa, 16), „Kinderland ist abgebrannt“ (Fr, 11/So, 14), „Estland mon amour“ (Mi, 14/Sa, 14), „Landrauschen“ (Do, 18), „Geschenk der Götter“ (Mi, 18) und „Almanyam“ (Fr, 18).

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