Neue Gesichter und frischen Wind wollen die Mitglieder der neuen Wählerliste „Ulm für alle“ bei den Kommunalwahlen im Mai in den Gemeinderat bringen. „Die Liste soll alle Ulmer ansprechen, die sich demokratisch, unabhängig und konstruktiv einbringen möchten“, erklärte gestern Günter Zloch bei der Vorstellung der Initiative.

Zloch, der am Albert-Einstein-Gymnasium in Wiblingen unterrichtet, hat mit der Ärztin Karin Hartmann vor drei Monaten beschlossen, mit einer eigenen Liste anzutreten. Mit ausschlaggebend sei die Politikverdrossenheit gewesen. „Dass bei der letzten Gemeinderatswahl nur noch 50 Prozent der Leute wählen waren, kann doch nicht sein.“ Das Desinteresse sehen Hartmann und er auch in den eingeschliffenen Zirkeln im Gemeinderat begründet. „Da sitzen manche schon seit Jahrzehnten und es gelingt ihnen nicht, die Bürger zu motivieren. Wir brauchen junge, parteiungebundene Leute“, erklärte Hartmann. Bislang haben sich weitere vier Frauen und Männer dazu bereit erklärt bei der Gemeinderatswahl für „Ulm für alle“ zu kandidieren.

Zwei Sitze sind das Ziel

Wähler und weitere potenzielle Kandidaten wollen Zloch und Hartmann vor allem mit sozialen und nachhaltigen Themen erreichen. „Eines unserer Ziele für Ulm ist das 10 000 Bäume-Programm“, erklärte Zloch. In den kommenden fünf bis zehn Jahren solle so das Stadtklima sowie die Attraktivität der Innenstadt verbessert werden. Auf ihrer Agenda stehen auch die Förderung von Stadtteilzentren – „nicht nur in Söflingen, sondern auch in Wiblingen oder Böfingen, die sich zu reinen Schlafstädten entwickeln“ –, die Unterstützung von jungen Familien, neue Städtepartnerschaften, die Förderung von Nachbarschaftsnetzwerken, mehr Sozialarbeiter an Schulen oder der schnelle Ausbau von Elektromobilität im Nahverkehr.

Um diese Projekte zu finanzieren, müsse eine Priorisierung erfolgen. „Generell muss man Geld in die Hand nehmen und mal Schulden machen, um künftige Ausgaben zu sparen“, erklärte Zloch. Anstelle weniger Leuchtturmprojekte solle das Geld in die Stadtteile investiert werden.

Das Ziel der Initiative für die Kommunalwahl: „Mindestens zwei Sitze“, erklärte Hartmann selbstbewusst. Ihr Vorteil sei, nicht an Parteilinien gebunden zu sein. „Wir sind frei.“ Überschneidungen ihres Wahlprogramms mit den Forderungen anderer Parteien sieht sie nicht problematisch. „Wir müssen uns über Parteigrenzen hinweg engagieren.“

Die Nominierungsveranstaltung soll Anfang März stattfinden.