Vortrag „Kaiserliche Hoheit“ warnt vor neuem Nationalismus

Präsidiumsmitglied der Paneuropa Union:  Karl von Habsburg.
Präsidiumsmitglied der Paneuropa Union:  Karl von Habsburg. © Foto: dpa
Ulm / Hans-Uli Mayer 16.11.2018

Wie spricht man das Oberhaupt des Hauses Habsburg an? Ulms Finanzbürgermeister Martin Bendel und CDU-Fraktionschef Thomas Kienle entschieden sich beim Vortragsabend des Österreichers Karl von Habsburg im Donaubüro für die Formulierung „Kaiserliche Hoheit“ und verwendeten damit eine demutsvolle Anrede gegenüber dem Mitglied einer Adelsfamilie. Aber der Kaiser hat vor 100 Jahren abgedankt, und sein direkter Nachfahre Karl ließ bei seinem Vortrag zu den Lehren aus dem Ersten Weltkrieg auch keinerlei restaurative Bestrebungen erkennen.

Vielmehr hielt von Habsburg vor etwa 80 Besuchern der Paneuropa-Veranstaltung ein flammendes Plädoyer für Europa, in dem er nationalistischen Bestrebungen eine klare Absage erteilte: „Immer wenn in der Vergangenheit der Nationalismus stark ausgeprägt war, kam es in Europa zu einer Katastrophe.“

Eine dieser Katastrophen war der Erste Weltkrieg und der Nationalismus als eine der wesentlichen Ursachen letztlich auch der Grund für die Zerschlagung der österreichischen Monarchie, die sich von Habsburg nicht zurück wünscht. Die Unfähigkeit, nach 1918 den Nationalismus zu überwinden habe denn auch direkt in den Zweiten Weltkrieg geführt, nach dessen Ende mit Europa endlich die notwendige Konsequenz gezogen wurde.

Ein großes Versäumnis sieht von Habsburg aber in der Reaktion auf den Zerfall des Warschauer Paktes 1989 – beziehungsweise in der ausgebliebenen Reaktion, Europa zu stärken und in der Welt zu positionieren: „Da hatten wir eine große Chance und haben sie versäumt.“

Bange ist Karl von Habsburg aber nicht. Die europäischen Institutionen würden gut arbeiten. Das Europaparlament, der europäische Gerichtshof und auch die Kommission dächten und handelten europäisch. Anders der Europäische Rat, also die Versammlung der Regierungschefs, „denkt und handelt national.“

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