Ein geständiger Angeklagter, übereinstimmende Zeugenaussagen und eindeutige DNA-Spuren reichten dem Ulmer Amtsgericht für ein Urteil aus: Zu acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilte der Richter am Mittwochnachmittag einen 29-Jährigen, der im vergangenen Sommer und Frühherbst am Ulmer Eselsberg kleinen Kindern aufgelauert, sie  angesprochen und dann vor ihnen  masturbiert hatte.

Sechsjährige erkennt Täter wieder

Opfer überführt Täter. So lässt sich auf den Punkt bringen, was am frühen Sonntagnachmittag des 21. Oktober 2018 geschieht. Beim Spaziergang mit ihren Eltern am Eselsberger Hasenkopf in Ulm sieht das sechsjährige Mädchen auf einer Bank einen Mann sitzen, der ihr bekannt vorkommt. Das ist, da ist sich das Kind absolut sicher, der gleiche Mann, der sie zwei Monate vorher auf einem Spielplatz unterhalb der Lukaskirche angesprochen, dann seine Hose geöffnet und mit seinem Penis gespielt hatte, „bis Spucke herauskam“, wie sie ihre Mutter unmittelbar nach der Tat berichtet hatte.

Vater macht Foto mit seinem Handy

Die perplexen wie auch verunsicherten Eltern sprechen den auf der Bank Sitzenden an, und fragen ihn, ob er das Mädchen kennt. Er verneint, macht Anstalten wegzugehen – worauf der Vater geistesgegenwärtig reagiert. Er macht ein Handy-Foto von dem Mann und schickt es der Polizei, die bereits  seit Ende August nach einem Unbekannten fahndet. Denn immer wieder hatte es im vergangenen Sommer Vorfälle mit einem Exhibitionisten in der Nähe von Spielplätzen am und um den Eselsberg gegeben. Gefasst worden war der Täter nicht.

Foto und Sperma überführen Täter

Nach dem Übergriff auf das Mädchen Ende August hatte die Kripo am Tatort allerdings Spermaspuren gesichert. Dank des nun eingegangenen und intern von der Polizei zu Fahndungszwecken freigegebenen Handyfotos ist der Verdächtige  – ein seit drei Jahren in Ulm lebender syrischer Asylbewerber – bald überführt. Eine Streife sichtet ihn Tage später am Ehinger Tor, ihm wird eine Speichelprobe entnommen. Die DNA-Analyse ergibt: Die Spermaspuren stammen von ihm.

Täter gesteht auch zweiten Übergriff

Vor Gericht ist der Angeklagte, was soll er auch anderes tun, geständig. Er räumt die Tat in vollem Umfang ein, ebenso ein zweites ihm zur Last gelegtes Delikt. Denn ausgerechnet am 21. Oktober, wenige Stunden nach der Begegnung mit dem Mädchen und deren Eltern, war er wieder übergriffig geworden.

Auf einem Spielplatz bei der Stifterschule  sprach er eine auf einem Kletterbaum sitzende Siebenjährige an und begann vor ihr zu masturbieren. Auch das Mädchen reagierte richtig. Sie rannte zu einer vorbeilaufenden Passantin, allerdings ohne sich ihr anzuvertrauen. Der Täter suchte derweil das Weite.

Sexuelle Lust als Begründung der Taten

Warum er so etwas tue, will der Richter vom Angeklagten wissen.  Der junge Mann, der seit November in Untersuchungshaft sitzt und den ganzen Prozess über beschämt nach unten blickt, zuckt mit den Schultern: „Ich habe einfach sexuelle Lust bekommen. Dann habe ich’s gemacht“, lässt er über seinen Dolmetscher sagen. Warum er es auf Kinder abgesehen hatte, vermag er nicht zu erklären.

Bereits wegen sexueller Belästigung verurteilt

Pädophil ist er per Definition offensichtlich nicht. Wie der Richter im Verlauf der Verhandlung zutage bringt, wurde er bereits 2016 wegen sexueller Belästigung  von Studentinnen zu einer Geldstrafe verurteilt. Auch da hatte er sich vor den Augen der jungen Frauen selbst befriedigt.

Kinder nicht mehr alleine auf Spielplatz

Zu Gunsten des Angeklagten legt das Gericht die Tatsache aus, dass er beiden Kindern durch sein umfängliches Geständnis eine Aussage vor Gericht erspart. Die stattdessen aussagenden  Eltern geben an, dass die Mädchen wohl keine bleibenden Schäden davongetragen haben, nach wie vor unbekümmert auf den Spielplatz  gehen. „Aber wir sind vorsichtiger geworden und lassen sie nicht mehr alleine dorthin“, sagt der Vater eines Kindes.

Wiederholungstat: Keine Bewährung

Obwohl sowohl die Staatsanwältin als auch der Verteidiger in ihren Plädoyers eine achtmonatige Haftstrafe zur Bewährung fordern hatten, fällt das Urteil härter aus. Eine Bewährungsstrafe komme nicht in Betracht, so der Richter. Vor allem die einschlägige Vorstrafe wie auch die Wiederholungstat unmittelbar nach der Begegnung mit dem Opfer legt er dem Angeklagten negativ aus.

Ahnungslose Ehefrau schwanger in Schweden

Die Ehefrau des 29-Jährigen weiß nichts vom Treiben ihres Mannes. Auch sie ist Asylbewerberin und lebt seit kurzem in Schweden. In zwei Monaten wird sie das gemeinsame Kind der Beiden zur Welt bringen.

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Ulm / Neu-Ulm