Ulm 9 Monate samstags kostenloser Nahverkehr

Während der Teil-Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße brauchen Fahrgäste neun Monate lang samstags kein Ticket.
Während der Teil-Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße brauchen Fahrgäste neun Monate lang samstags kein Ticket. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / Chirin Kolb 13.12.2018
Während der Teil-Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße sind Busse und Straßenbahnen samstags für Fahrgäste kostenlos.

Vorweihnachtlich geprägt war die Stimmung in der letzten Sitzung des Ulmer Gemeinderats in diesem Jahr, und dazu passte, dass Geschenke verteilt wurden: an die Bürger, die Kunden des Innenstadthandels und an die Händler selbst. Einstimmig haben die Stadträte beschlossen, dass Busse und Straßenbahnen im nächsten Jahr voraussichtlich neun Monate lang an Samstagen kostenlos genutzt werden dürfen. So soll Entlastung geschaffen werden während der Teil-Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße. Die Sperrung ist nötig, weil die unterirdische Passage vom Bahnhof rechtzeitig zur Eröffnung der Sedelhöfe fertig werden soll.

Alle Fraktionen unterstützten den Antrag der SPD für kostenlosen Nahverkehr an sämtlichen Samstagen während der Bauphase. Angesichts dieser Übermacht stellte OB Gunter Czisch den ursprünglichen Vorschlag  der Stadtverwaltung gar nicht mehr zur Abstimmung. Die Stadt war zwar auch für kostenlosen Nahverkehr, wollte aus Kostengründen aber die Samstage der Sommerferien ausnehmen. In dieser Zeit sei die Frequenz in der Innenstadt ohnehin geringer, Parkhäuser und Straßen seien leerer.

Der OB ließ sich freilich schnell umstimmen. „Die Nerven liegen blank nach den Belastungen der vergangenen Jahre“, räumte Czisch ein. Er will den Beschluss für kostenlosen Nahverkehr als Signal auch an den Handel verstanden wissen: „Wir möchten die Diskussion befrieden und den Impuls geben, dass wir gemeinsam marschieren.“ Gegen den SPD-Antrag spreche schließlich ja nicht viel – „außer, dass er Geld kostet“.

Zeitplan verändert

Wie viel, das lässt sich noch gar nicht sagen. Finanzbürgermeister Martin Bendel hatte in der Kürze der Zeit überschlagen, dass eine Million Euro fällig werden – gerechnet allerdings nur für die Samstage außerhalb der Sommerferien. Es dürfte also noch mehr werden. Die Kosten trägt die Stadt. Das Geld wird fällig für

  • Einnahmeausfälle der Busunternehmen wie der SWU,
  • für den möglicherweise nötigen Einsatz zusätzlicher Busse und Fahrer
  • Ausgleichszahlungen an Zeitkartenkunden, die ihre Tickets bereits gekauft haben. Sie reagierten „sehr empfindlich“ auf kostenfreie Angebote und bestünden auf einen finanziellen Ausgleich.
  • Marketing-Maßnahmen.

Eine Image-Kampagne sei nötig, befand der OB. Er ist wie die Räte überzeugt: Ulm bleibt trotz Teil-Sperrung der Friedrich-
Ebert-Straße erreichbar. Die Parkhäuser seien anfahrbar, die Linie 2 ist in Betrieb, bei der Zufahrt der Innenstadt von Süden gebe es keine Einschränkungen.

Friedrich-Ebert-Straße ab 1. April nur einspurig

Die Stadtverwaltung hat zudem einen neuen Zeitplan für die Teilsperrung vorgelegt. Die Ebert-Straße soll nun von 1. April bis „mindestens zum 31. Dezember“ in südliche Fahrtrichtung, also Richtung Ehinger Tor, nicht befahrbar sein, wie es in der Sitzungsvorlage heißt. Das ist zwar voraussichtlich ein Monat weniger als die ursprünglich ins Auge gefasste zehnmonatige Teilsperrung von Anfang Februar bis Ende November, dafür wäre allerdings das gesamte Weihnachtsgeschäft im Advent betroffen.

Die IHK freut sich über das Votum der Stadträte, Busse und Straßenbahnen an sämtlichen von der Teil-Sperrung betroffenen Samstagen kostenfrei nutzen zu lassen. „Wir begrüßen diese Entscheidung sehr“, sagte Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle. Er wertet diesen Beschluss nach den Auseinandersetzungen mit der Stadtspitze unter anderem um die monatelange Einbahnstraßenregelung in der Friedrich-Ebert-Straße als ersten Schritt, „die Themen künftig gemeinsam und im Sinn der Innenstadt zu lösen“.

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Begehrtes Kurzstreckenticket

Forderungen Im Ulmer Nahverkehr sollte es auch ein Kurzstreckenticket geben, hat Martin Rivoir für die SPD-Fraktion gefordert (wir berichteten). Sehr gut, finden die Grünen. „Ich kann Martin Rivoir nur dazu beglückwünschen, die Frist, in der er Grünen-Anträge übernimmt, auf fünf Jahre verkürzt zu haben“, teilt Michael Joukov-Schwelling mit. Die Grünen hätten schon mehrfach die Einführung von Kurzstreckentickets gefordert, seien aber auch am Widerstand des damaligen OB Gönner gescheitert.

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