Schadstoffe Stuttgarter Mooswand so gut wie wirkungslos

Die Mooswand ist abgebaut. Was bleibt ist braune Erde am Straßenrand der B 14 und eine enttäuschende Bilanz.
Die Mooswand ist abgebaut. Was bleibt ist braune Erde am Straßenrand der B 14 und eine enttäuschende Bilanz. © Foto: Jürgen Schmidt
Stuttgart / Jürgen Schmidt 24.07.2018
Die Mooswand an der Cannstatter Straße in Stuttgart sollte Schadstoffe aus der Luft filtern. Jetzt wird das eine halbe Million Euro teure Projekt wird eingestellt.

Sie war nicht nur ein wissenschaftlicher Feldversuch, sondern auch ein Politikum, das weit über Stuttgart hinaus sogar international Beachtung fand: die Mooswand an der Cannstatter Straße. Sie sollte zeigen, welchen Beitrag die unscheinbaren Pflanzen zur Luftverbesserung leisten können. Am Dienstag wurden nun die Ergebnisse vorgestellt und die fallen sehr ernüchternd aus.

Bei Stickoxiden gebe es bei auf Grundlage der Messungen keinen Hinweis, dass Moose die Belastung reduzieren könnten, erklärte Ulrich Voigt von der Universität Stuttgart. Denn die Messewerte waren vor der Mooswand und den angrenzenden Abschnitten der Lärmschutzwand zum Schlossgarten annähernd gleich. Im Park selbst, jenseits der Wand war die Konzentration der schädlichen Gase dagegen deutlich niedriger. Das lässt für den Laien den Schluss zu, dass der Beton in diesem Fall die Schutzwirkung entfaltet.

Feinstaub könnte reduziert werden

Minimal besser fällt die Bilanz des Luftreinhaltungsexperten beim Feinstaub aus. Es gebe Hinweise dass Moose die Feinstaubbelastung reduzieren könnten, formulierte Vogt im Ausschuss für Umwelt und Technik des Stuttgarter Gemeinderates vorsichtig. Und diese Aussage schränkte der Wissenschaftler anschließend noch ein: „Eine qualitative Aussage ist mit den aktuellen Daten nicht möglich.“

Hinzu kommt, dass die Moose keineswegs so anspruchslos sind, wie Laien annehmen. Um überhaupt als Luftfilter wirken zu können, müssen sie feucht gehalten werden, also regelmäßig bewässert werden. Und dazu müsse aufbereitetes, demineralisiertes Wasser eingesetzt werden, erklärte die Biologin Sonja Thielen vom Naturkundemuseum Stuttgart.

Zudem vertragen die Pflanzen kein Salz, weshalb der Einsatz von Streusalz auf Straßen im Bereich von Mooswänden stark eingeschränkt werden müsse.

Projekt wird ad acta gelegt

Die die Stadt wird das Thema Moos nach dem über eine halbe Million Euro teuren Pilotprojekt erst einmal ad acta legen. „Wir sind nicht in der Lage die Systeme weiterzuentwickeln“, sagte Stuttgarts Umweltbürgermeister Peter Pätzold.

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