Stuttgart / Tilman Baur Vor drei Jahren hat Dennis Herberg den Cannabis Social Club gegründet. Er zieht eine gemischte Bilanz.

Wann ist Cannabis in Deutschland legal? Dennis Herberg zögert nicht mit seiner Antwort: „In fünf Jahren – spätestens“, sagt der Gründer des Stuttgarter Cannabis Social Clubs, ein Verein, der sich mit Info- und Lobbyarbeit aktiv für genau dieses Ziel einsetzt. Vor drei Jahren hat der 37-jährige den Club ins Leben gerufen, von zwischenzeitlich 60 Mitgliedern gibt es heute noch 45, davon 15 regelmäßig aktive. „Anfangs hat man viel zusammen unternommen, derzeit schleppen wir uns durch eine Trockenphase“, sagt Herberg.

Vorbild des Vereins sind die Cannabis-Clubs in Barcelona, die das Rauschgift nicht kommerziell vertreiben, sondern für den kollektiven Eigenbedarf anbauen und in begrenzten Mengen an ihre Mitlieder abgeben. In Deutschland ist das bislang noch ein Wunschtraum. Bei Herberg ist ein wenig Ernüchterung eingekehrt, denn Menschenmassen bringt der Club bei Kundgebungen nicht auf die Straße.

Das Thema Drogen ist ein fester Bestandteil der Präventionsarbeit und im Schulcurriculum verankert. Schulen und Polizei berichten, wie sie Jugendliche informieren.

Verein informiert auf Festivals

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, in einer Großstadt wie Stuttgart Leute zu mobilisieren.“ Trotzdem: Die Kerngruppe ist weiterhin umtriebig, nimmt jedes Jahr am Global Marihuana March teil, zog am Tag der deutschen Breitheit vom Schillerplatz zur Villa Reitzenstein, um ein Zeichen zu setzen und informiert auf Festivals und in Fußgängerzonen über die Aktivitäten des Clubs.

Mit Uruguay hat 2017 erstmals eine Industrienation Anbau, Handel und Verkauf legalisiert, im vergangenen Jahr zog Kanada nach. Auch in den Vereinigten Staaten haben mehrere Bundesstaaten Hanf freigegeben, und selbst Vertreter repressiver Staaten wie der Türkei denken darüber nach, Nutzhanf anzubauen. Sogar in Deutschland sieht Herberg Lichtblicke: „Der medizinische Konsum ist doch schon längst in der Gesellschaft angekommen“, sagt er. In München habe sich Oberbürgermeister Dieter Reiter bereits für ein vom Deutschen Hanfverband angestoßenes Modellprojekt ausgesprochen, das die Freigabe von Hanf für medizinische Zwecke vorsieht.

Rauchen und übermäßiges Alkoholtrinken richten trotz leicht sinkenden Konsums immer noch massive Gesundheitsschäden in Deutschland an - und neue riskante ...

Polizei greift bei Drogen härter durch

In Stuttgart liege dem Gemeinderat ein ähnlicher Antrag vor, sagt Herberg. In und um die Landeshauptstadt beobachtet der Maschinenbediener allerdings auch Beunruhigendes: „Die Polizei greift deutlich härter durch in den letzten Jahren“, so Herberg. Statt Dealer zu verfolgen, hätten es die Beamten auf Konsumenten abgesehen. Das müsste alles nicht sein, findet er.

Sein Hauptargument für die Legalisierung klingt bescheiden: Das Stigma, ein Kleinkrimineller zu sein, gäbe es dann nicht mehr. Dafür will er mit seinem Cannabis Social Club weiter kämpfen. „Ob ich abends ein Bier trinke oder eine Tüte rauche, müsste der Gesellschaft eigentlich herzlich egal sein.“

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