Dijana Hammans ist Künstlerin. Im Stuttgarter Café „DA“ hängen derzeit ihre Werke – samt Texten mit Assoziationen, die ihre Kunst bei Vernissagebesuchern geweckt hat. Zur Collage, die eine Taube auf einer Statue zeigt, ist einem eingefallen: „Tauben sind die Ratten der Lüfte.“ „Die Interpretationen sind frei“, findet Hammans, daher hat sie den Spruch neben allen anderen im Fenster des Lokals kalligrafiert, als Teil der Kunstaktion. Dafür gab es Kritik von Tierschützern.

 Bei Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer, der Stuttgarter Taubenbeauftragten, hätten sich drei Personen verärgert geäußert – und sie ärgert sich mit. „Der Spruch ist kontraproduktiv für unsere Arbeit, und er stimmt einfach nicht“, moniert sie. Dass das Ganze ein Kunstprojekt ist, beschwichtigt sie nicht. „Kunst ohne Kritik zu übernehmen, halte ich für schwierig.“

Die Café-Besitzerin Daniela Emrich versteht den Wirbel indes nicht: „Es ist doch nicht böse gemeint.“ Die Veganerin Hammans wiederum sieht die Diskussion gelassen: „Wenn auf den Tierschutz hingewiesen wird, ist das großartig. Mir war die Tauben-Problematik nicht bekannt.“ Gleichwohl begrüße sie den Austausch über ihre Kunst und denke darüber nach, die Diskussion künstlerisch zu verarbeiten.

Großes Hallo um kleine Aktionen ist man in Stuttgart gewöhnt. Ende 2017 hatte ein „We Say No To Sweatpants-Schild“ („Wir sagen Nein zu Jogginghosen“) am Café Le Théâtre Diskussionen hervorgerufen. Präzise Kleidervorstellungen haben auch die Hausherren in der Kneipe Bonny & Clyde. Mit Schildern wie „Trachtenfrei seit 1997“ oder „No Dirndls, no Lederhosen, no Holzmichl, no discussion“ stellen sie klar, dass Besucher in Tracht keinen Zutritt haben – und stoßen damit auch viele vor den Kopf.

 Selbst in Kulturbetrieben gibt es bisweilen Redebedarf. Martin Otto-Hörbrand, Sprecher des Linden-Museums, berichtet von Exponaten, „die stören oder irritieren“. So habe einst eine Videoinstallation mit Maori-Musik bei einigen Besuchern Verstimmungen ausgelöst, wenngleich er betont: „Ein Bruch gehört dazu. Kunst soll anregen zur Auseinandersetzung.“ Und manchmal wird so der kulturelle Wert manifestiert. Das Original-„We Say No To Sweatpants“-Schild wurde in die wissenschaftlichen Sammlung im Bonner Haus der Geschichte aufgenommen – als potenzielles Exponat.