Lesung Hamlet in klingonischer Fassung

Seit August hat sich Benjamin Stedler auf die Lesung aus Hamlet auf Klingonisch vorbereitet.
Seit August hat sich Benjamin Stedler auf die Lesung aus Hamlet auf Klingonisch vorbereitet. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Patrick Vetter 23.10.2018

Ein Mann mit Klingonenmaske tritt auf die Bühne und gibt mehrere Minuten kehlige Laute von sich, während ein Beamer Textpassagen aus Shakespeares Hamlet an die Wand im Hintergrund projiziert. Rund 80 Menschen, viele in Star-Trek-T-Shirts, schauen ihm dabei ernst und interessiert zu.

Der Mann hinter der Maske ist Benjamin Stedler und sein Auftritt Teil des Abends über die Star-Trek-Kultur der Klingonen im Lindenmuseum im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Dragon Days“. Stedler hatte, bevor er zur Hauptattraktion an dem Abend wurde, mit Star Trek nicht viel am Hut. Er hat erst vor kurzem sein Studium der Sprechkunst abgeschlossen und arbeitet seitdem als Sprecher beim Radio und bei Vorträgen.

„Ich dachte nicht, dass das einer meiner ersten Jobs nach dem Studium wird“, sagt Stedler. Auf den Abend hat er sich seit August vorbereitet. Klingonisch sprechen kann er deshalb aber trotzdem noch nicht. Die Sprache, die stetig weiterentwickelt wird, hat schon über 4000 Vokabeln und eine fremde Grammatik. Seine Lesung aus Hamlet ist eine Hommage an ein Filmzitat der Figur Kanzler Gorkon: „Sie werden Shakespeare erst wirklich genießen, wenn Sie ihn im klingonischen Original lesen.“

Weltweit gebe es rund 20 bis 30 Menschen, die die erfundene Sprache flüssig sprechen, erklärt Autor Bernd Perplies. Er schrieb die bisher einzigen drei deutschen Star-Trek-Bücher. „Star-Trek war vorher immer nur in amerikanischer Hand“, erklärt er die Besonderheit an seiner Trilogie. Für die Romane musste sich der Autor mit seinem Partner eine Nische im Star-Trek-Universum suchen, in der sie sich ausleben konnten, die amerikanischen Produzenten aber nicht störten.

Auch Andreas Rauscher schrieb über Star-Trek. Seine Dissertation befasste sich wissenschaftlich mit den Kulturen und philosophischen Hintergründen der Filme. Im Lindenmuseum zeigt er die Parallelen der Star-Trek-Handlung und des Kalten Krieges auf und beleuchtet die Entwicklung der Klingonen in der Serie, die vom simplen Feind der Förderation zu einem Volk mit komplizierter Kultur reifen.

„Star-Trek hat eine der interessantesten Fankulturen“, sagt Rauscher. Es gebe viele Anhänger um den ganzen Globus verteilt.  In dieser Szene wird Klingonisch so lebendig benutzt und weiterentwickelt, dass auch die Filmemacher von „Paramount Pictures“ sie inzwischen als Sprache wie jede andere Sprache auf der Welt anerkennen.

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