Nach einem Kabelbrand am Stuttgarter Hauptbahnhof kommt es auch am Mittwoch noch zu Fahrplaneinschränkungen. Angaben der Deutschen Bahn zufolge sind davon sowohl Verbindungen des Fernverkehrs als auch Regionalverbindungen betroffen. Als Ersatzhalt dient einigen Verbindungen im Fernverkehr der Bahnhof in Esslingen am Neckar - andere Verbindungen entfallen komplett.

Am Dienstagmorgen war es unter den Gleisen des Stuttgarter Hauptbahnhofs zu einem Rohrbruch gekommen, der einen Kurzschluss auslöste, der wiederum einen Kabelbrand entfachte. Mit erheblichen Folgen.

Die alarmierten Einsatzkräfte rückten aus, da es zu einer starken Rauchentwicklung gekommen war. Wie unser Reporter vor Ort berichtete und die Bundespolizei bestätigte, ist der komplette Stuttgarter Hauptbahnhof betroffen.

Laut einer Mitteilung der Polizei vom Dienstagnachmittag sei der Brand gegen 8:30 Uhr im Bereich der Gleise 6 und 7 von Bundespolizisten und Passanten bemerkt worden. Vermutlich habe ein defektes Wasserrohr in einem Versorgungstunnel einen Kurzschluss des Kabels verursacht, worauf dieses in Brand geraten sei. Von Fremdverschulden geht die Polizei nicht aus.

Einsatz am Mittag beendet, S-Bahnen fahren wieder

Der Bahnhof wurde um 8:36 Uhr komplett gesperrt, sämtliche Reisende wurden aus dem Bereich heraus in Sicherheit gebracht. Derzeit gebe es keine Hinweise auf verletzte Personen. Der Polizei- und Feuerwehreinsatz wurde gegen 11:50 Uhr beendet.

Laut Auskunft der Deutschen Bahn vom Dienstagnachmittag fährt die S-Bahn mittlerweile wieder auf allen Linien im regulären Takt. Der S-Bahnhof sei nicht beschädigt worden. Es könne jedoch zu Verspätungen kommen. Schon gegen 10 Uhr konnten die S-Bahnen wieder eingeschränkt fahren.

Diese Züge fahren wieder nach dem Brand am Stuttgarter Bahnhof

Nach dem Brand ist der Stuttgarter Hauptbahnhof am Mittwochmittag immer nur noch eingeschränkt erreichbar. Zudem kann es vereinzelt zu Zugausfällen kommen. Am Mittwochmittag aktualisierte die Deutsche Bahn die aktuellen Zugverbindungen – Diese Verbindungen werden aktuell wieder bedient:

  • Gleis 2 - Regionalexpress in Richtung Tübingen und zurück
  • Gleis 3 - Regionalbahn in Richtung Heilbronn und zurück
  • Gleis 4 - Intercity in Richtung Singen (- Zürich) und zurück
  • Gleis 5 - ICE in Richtung Berlin und Dortmund über Mannheim

und zurück

  • Gleis 6 - ICE in Richtung Hamburg über Frankfurt und ICE in

Richtung Dortmund und zurück

  • Gleis 7 - Regionalbahn in Richtung Pforzheim und Bruchsal/Heidelberg und zurück (Abellio)
  • Gleis 8 - IRE von Karlsruhe über Stuttgart nach Aalen und

zurück (GoAhead)

  • Gleis 11 - Regionalbahn in Richtung Ellwangen/Crailsheim über Aalen und zurück (GoAhead)
  • Gleis 12 - Regionalbahn in Richtung Ulm und zurück (GoAhead)
  • Gleis 13 - IRE in Richtung Aulendorf über Tübingen und zurück
  • Gleis 14 - Regionalexpress in Richtung Schwäbisch Hall-Hessental und zurück sowie Regionalexpress in Richtung Nürnberg und zurück (GoAhead)
  • Gleis 15 - ICE in Richtung München

Alle anderen Regionalzüge wenden vorzeitig an Vorstadtbahnhöfen. Reisende können dort in die S-Bahn umsteigen. Die S-Bahn fährt uneingeschränkt auf allen Linien. Es werden überwiegend Züge mit maximaler Zuglänge eingesetzt.

Züge in Richtung Paris starten und enden in Karlsruhe. Die IC-Verbindung zwischen Karlsruhe und Nürnberg wird nur zwischen Aalen und Nürnberg bedient. Alle anderen Fernverkehrszüge halten anstatt Stuttgart Hbf in Esslingen am Neckar und teilweise in Vaihingen an der Enz. IC-Züge aus dem Rhein/Ruhr-Gebiet enden und beginnen vorzeitig in Heidelberg. Es kann darüber hinaus noch zu vereinzelten Zugausfällen kommen.

Tickets für Fernstrecken bleiben gültig, Sitzplatzreservierung umtauschbar

Laut Bahn ist unklar, wie lange der Verkehr beeinträchtigt bleibt. Alle Tickets des Fernverkehrs für die betroffenen Strecken seien weiter gültig. Sie könnten bis zum 10. Februar 2020 entweder kostenfrei storniert oder nach der Störung für andere Züge genutzt werden. Sitzplatzreservierungen könnten umgetauscht werden. Weitere Informationen unter bahn.de/fahrgastrechte.

Keine Fahrgäste oder andere Personen auf dem Weg zu den Gleisen des Stuttgarter Hauptbahnhofs.
© Foto: Daniel Grupp

Schaden und Dauer der Reparatur - So schätzt die Bahn die Lage ein

Die Lage am Bahnhof war lange unübersichtlich gewesen. Nikolaus Hebding, Bahnhofsmanager in Stuttgart, hat sich am späten Vormittag den Schaden, soweit er überschaubar war, abgeschätzt. „Es lässt sich noch nicht sagen, welcher Schaden entstanden ist, sagte Hebding. Daher war es auch völlig offen, wie lange die Bahn für Reparatur benötigt. „Vom Schaltkasten ist nicht mehr viel übrig.“ Es gehe hauptsächlich um eine Störung der Signaltechnik, und auch die Kundeninformation ist betroffen. Die Techniker müssten prüfen, wie lange die Reparatur dauert.

Info für Passagiere am Stuttgarter Bahnhof nach Brand eingeschränkt

Am Stuttgarter Hauptbahnhof kann derzeit nur eine beschränkte Kundeninformation erfolgen. Die elektronischen Anzeigetafeln stehen nicht zur Verfügung. Fahrgäste werden geben, auf Informationen direkt an den Bahnsteigen zu achten. Die Deutsche Bahn setzt zusätzliche Servicemitarbeiter ein.

Anweisung an Passagiere: Reisende müssen in Zügen bleiben

Aus Sicherheitsgründen wurden einige Passagiere aufgefordert, im Zug zu bleiben. Die anderen Reisenden mussten abseits der Gleise hinter der Absperrung warten, während die Feuerwehr damit beschäftigt war, den Brand unter Kontrolle zu bringen und vollständig zu löschen.

Nordteil der Schalterhalle für Gerät der Feuerwehr geräumt

Gegen 9.45 Uhr wurde der Nordteil der Schalterhalle geräumt. Die Feuerwehr wollte ein Geräte hineinbringen – vermutlich zur Belüftung, um damit den Rauch aus der Halle zu bekommen.

Stuttgart/Ulm

Das sagen betroffene Passagiere am Stuttgarter Hauptbahnhof

Ein Ehepaar wollte nach Berlin fahren. Jetzt „müssen wir halt warten, solange der Brand nicht gelöscht ist“, sagten sie zur aktuellen Sperrung des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Eine junge Urlauberin wollte mit der Bahn nach Hause in den Enzkreis fahren und kam mit der S-Bahn vom Stuttgarter Flughafen. Doch zwei Haltestellen weit musste sie laufen, weil die S-Bahn vorzeitig stoppte und nicht weiter fuhr.

Feuerwehr am Stuttgarter Hauptbahnhof: „Es raucht immer noch manchmal“

Ein Feuerwehrmann, der vor Ort im Einsatz war, berichtete, „Es raucht immer noch manchmal“. Auch um kurz nach 10 Uhr war die Ursache für den Rauch noch völlig unklar. Ebenso offen ist die Höhe des Schadens. „Der Bahnhof fällt womöglich länger aus. Heute läuft vermutlich nichts mehr“, sagt der Feuerwehrmann weiter.

Sperrung Feuerwehreinsatz am Stuttgarter Hauptbahnhof

So geht es am S-Bahnhof in Stuttgart ab

Bis die S-Bahnen wieder fuhren, standen viele Fahrgäste wartend an den Haltestellen oder haben sich zu Fuß oder mit anderen Verkehrsmitteln auf den Weg gemacht.

Später drängten sich die Menschenmassen im Tiefbahnhof der S-Bahn in die S-Bahnen in Richtung Schorndorf, Kirchheim/Teck Backnang und Bietigheim-Bissingen. Wegen der Störung verkehrte die S-Bahn nach dem Ausfall vorerst nur im 30-Minuten-Takt. Außerhalb von Stuttgart versuchten die Fahrgäste, Regionalbahnen und Fernzüge zu erreichen, die unter anderem in Esslingen, Böblingen oder Vaihingen/Enz hielten.

Stromausfall: Ladenbesitzer kommen nicht in Geschäfte am Bahnhof

Durch den Kabelbrand war es zu einem Stromausfall gekommen. Dadurch wurden zahlreiche Ladenbesitzer und Angestellte aus ihren Geschäften am Bahnhof in Stuttgart ausgesperrt, da die meisten Türen elektronisch gesichert sind.

Am Bahnhof in Göppingen ist nicht viel los. Und die wenigen Passagiere vor Ort sind genervt, da keiner weiß was los ist.
© Foto: Dirk Hülser, Giacinto Carlucci

Bahnhof Göppingen: Keine Infos und genervte Reisende

Währenddessen war am Göppinger Bahnhof kaum etwas los. Die wenigen Wartenden waren genervt. Ahnungslosigkeit unter den Passagieren der Bahn - keiner wusste, was los ist. Wie unser Reporter vor Ort berichtete, gab es keine Informationen über den Feuerwehreinsatz in Stuttgart.

Durchsage in Göppingen: Zug hält nicht in Stuttgart „wegen Vandalismus“

Er erlebte die Situation so: Langsam füllt sich der Bahnsteig an Gleis 5 am Göppinger Bahnhof, eine Stimme aus dem Lautsprecher verkündet, dass der nächste Intercity Verspätung haben werde: "Der Zug hält nicht in Stuttgart Hauptbahnhof wegen Vandalismus." So wissen die meisten Fahrgäste auch nichts von dem Brand. "Was? Ein Feuer?" Eine junge Mutter mit Kinderwagen will es gar nicht glauben. "Ich warte schon über eine Stunde und erfahre nichts", klagt sie und greift zum Telefon.

Fahrgast beklagt fehlende Infos in der Bahn-App

Ebenfalls das Mobiltelefon in der Hand hat ein junger Mann, der vorbeiläuft und zu seinem Gesprächspartner laut und aufgeregt sagt: "Jetzt schau doch mal, was da steht, warum fallen denn die Züge alle aus?" In der DB-App gibt es jedenfalls keine brauchbaren Infos. Entweder heißt es bei Zügen nach Stuttgart lapidar "Halt entfällt." Oder es wird als Grund eine Stellwerksstörung angegeben. Von Vandalismus ist hier dafür nicht die Rede.

Reparatur des Brandes am Stuttgarter Bahnhof - Bahn bereitet Nachtschichten vor

Die Bahn stellt sich auf jeden Fall auf Nachtschichten ein. Einige Mitarbeiter seien nach Hause geschickt worden, um dann in der Nacht arbeiten zu können. Hebding konnte noch nicht sagen, ob der Bahnbetrieb zumindest auf einigen Außengleisen noch am Dienstag, 4. Februar 2020, wieder aufgenommen werden kann.

Auch am Ulmer Hauptbahnhof gitb es Verspätungen durch den Brand am Stuttgarter Bahnhof.
© Foto: SWP-Grafik Quelle: Christoph Mayer, Chris Wille

Brand in Stuttgart: Das sind die Auswirkungen am Hauptbahnhof in Ulm

Auf den Ulmer Hauptbahnhof hatte der Stuttgarter Kabelbrand zur Mittagszeit keine gravierenden Auswirkungen. Zwar werden etliche Fernzüge auf den Anzeigetafeln mit bis zu 45 Minuten Verspätung angekündigt, auf den Bahnsteigen und im Bahnhofsgebäude ist es aber nicht voller oder leerer als sonst um diese Tageszeit.

Passagiere, die direkt nach Stuttgart wollen, müssen Verzögerungen in Kauf nehmen. Sämtliche Züge stoppen in Esslingen, von wo es dann mit der S-Bahn nach Stuttgart weitergeht, wie eine Bahnmitarbeiterin in Ulm sagte. Fernzüge umfahren den Stuttgarter Hauptbahnhof, in dem sie von Esslingen direkt umgeleitet werden.

Weitere Zugausfälle durch Überschwemmung im Allgäu

Zusätzlichen Ärger bereiten der Bahn noch die Überschwemmungen im Allgäu. So fiel etwa der Intercity von Oberstdorf ins Ruhrgebiet ersatzlos aus.