Nahverkehr Die S-Bahn soll mehr leisten

Stuttgart / Jürgen Schmidt 07.06.2018

Längere Züge in der Hauptverkehrszeit und die Verlängerung einer weiteren S-Bahnlinie von der Schwabstraße bis nach Vaihingen sollen die Engpässe im S-Bahnnetz in der Region Stuttgart kurzfristig beseitigen. Den Weg dazu machte der Verkehrssausschuss der Regionalversammlung gestern mit einem Beschluss frei. Danach kann die Verwaltung des Verbandes Region Stuttgart (VRS) mit der DB Regio, die den S-Bahnverkehr betreibt, die zusätzlichen Leistungen aushandeln.

Mehr Langzüge

Schon ab Dezember dieses Jahres soll auf der S 2 in der abendlichen Rushhour bei Bedarf verlängert werden, also statt einem Vollzug mit zwei S-Bahnen ein Langzug mit drei Bahnen fahren. Gleiches soll für die S 60 im Schülerverkehr gelten. Und in der gesamten Adventszeit sollen die S-Bahnen wenn nötig verlängert werden, um genug Platz für Weihnachtsmarktbesucher und Shopping-Pendler zu schaffen.

Bei der Beurteilung, wann eine S-Bahn voll  ist, geht der Regionalverband großzügig vor. Angesetzt wird im Normalfall eine Auslastung von 125 Prozent, wie der Leiter des Bereichs Wirtschaft und Infrastruktur, Jürgen Wurmthaler, erläuterte.  Das bedeutet, dass alle Sitzplätze belegt sind und an allen Türbereichen maximal vier Fahrgäste stehen. Andere Verkehrsverbünde und die Hersteller kalkulieren mit deutlich mehr Stehplätzen, wenn sie von Vollauslastung sprechen. Unter den Regionalräten herrschte aber Einigkeit, dass daran nichts geändert werden soll. „Länger als 15 Minuten in der S-Bahn stehen zu müssen, ist eine Zumutung“, konstatierte Armin Serwani (FDP).

Hoffen auf Digitaltechnik

Mittelfristig erwägt der VRS, einen Vorschlag des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) aufzugreifen und eine der S-Bahn-Linien 4, 5 oder 6 über die Schwabstraße hinaus nach Vaihingen zu verlängern. Denn zwischen Schwabstraße und Vaihingen seien die bisherigen Linien nahezu ausgelastet. Zudem würden dadurch weniger Fahrgäste am Hauptbahnhof umsteigen, was die Pünktlichkeit erhöhen könnte, so der VCD-Landesvorsitzende Matthias Lieb. Wurmthaler sieht gute Chancen für eine Umsetzung, auch wenn mit der Bahn noch einige Fragen, wie etwa die Abstellmöglichkeiten für Züge in Vaihingen, geklärt werden müssten. Und bis Mitte des nächsten Jahrzehnts hofft der Infrastruktur-Chef des Regionalverbands auf der Stammstrecke der S-Bahn das digitale Zugleitsystem ETCS einführen zu können. Damit könnte vom 15-Minuten-Takt auf 10 Minuten umgestellt werden.

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