Weil bauliche Verbesserungen unrealistisch und extrem aufwändig wären, setzt der Verband Region Stuttgart (VRS) auf die Digitalisierung, um die S-Bahn leistungsfähiger zu machen. Das ETCS (European Train Control System) soll erlauben, Züge in einer höheren Dichte fahren zu lassen. Zudem will der Regionalverband, der für die S-Bahnen zuständig ist,  mehr Langzüge auf die Schiene bringen und den 15-Minuten-Takt ausweiten. Dazu braucht es 58 neue Züge.

Die Regionalversammlung des VRS machte gestern einhellig den Weg zu einem Investitionsprogramm frei, das ein Volumen von einer halben Milliarde Euro hat. „Das Fenster für die S-Bahn 4.0 wurde weit geöffnet“, sagte der Vorsitzende der Versammlung, Thomas Bopp (CDU).

Man gehe dabei durchaus ein Risiko ein, fanden die Regionalräte. Denn Bund, Land und Deutsche  Bahn haben zwar versichert, sich zu beteiligen. Jedoch gebe es noch keine verbindlichen Finanzierungszusagen, informierte Regionaldirektorin Nicola Schelling. Den Regionalräten lagen lediglich drei Schreiben mit politischen Zusagen vor, die allerdings nicht-öffentlich blieben. Seit Dienstag gebe es auch die Zusage des Bundesverkehrsministeriums, die Digitalisierung des Knoten Stuttgart als Pilotprojekt zu fördern.

Derzeit sind die Bahnen zu Stoßzeiten oft überfüllt und häufig unpünktlich. Das könnte schlimmer werden, denn das Netz muss in den nächsten Jahren weitere Anforderungen schultern. Im Zusammenhang mit Auto-Fahrverboten in der Landeshauptstadt und der Tarifreform des Verkehrsverbunds Stuttgart, die am 1. April in Kraft tritt, erwartet der VRS, dass die S-Bahn weitere Fahrgäste gewinnen wird. 2017 fuhren 127 Millionen Menschen mit der S-Bahn, das sind 25 Millionen mehr als 2008.

Zusätzliche Fahrgäste bedeuten längere Einstiegszeiten. Die Pünktlichkeit könnte noch schlechter werden. Besonders störungsanfällig wegen der hohen Auslastung sind die Zuläufe zum Stuttgarter Bahnhof und die Stammstrecke. Das soll mit ETCS besser werden.