Bekommt das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 eine milliardenschwere Erweiterung? Nach Angaben von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) geht es um einen etwa 12 Kilometer langen Tunnel, der die Gäubahn, die Stuttgart mit Singen und Zürich verbindet, unter der Filderebene hindurch zum Flughafen führen soll. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet, dass dies aus einem Gutachten zu Maßnahmen für die Realisierung des sogenannten Deutschlandtakts hervorgeht, das am Dienstag im Bundesverkehrsministerium in Berlin vorgestellt werden soll.

Gäubahntunnel könnte Verbesserungen für S-Bahn bringen

Mit der Lösung könnte vermieden werden, dass sich die Gäubahn künftig mit der Stuttgarter S-Bahn die Gleise zwischen Stuttgart-Rohr und dem Flughafen teilen muss. Daran hatte es vor allem auf den Fildern starke Kritik gegeben. Dort fürchtete man eine Ausdünnung des S-Bahn-Taktes für einen engeren Takt im Fernverkehr. Außerdem fiele der Bau eines dritten Gleises in der S-Bahn-Station am Flughafen weg.
„Wir sind offen für solche Verbesserungsvorschläge“, sagte Hermann am Freitag. Es müsse jedoch klar sein, dass solch große Maßnahmen lange Planungs- und Realisierungszeiten mit sich bringen. „Das würde die Fertigstellung am Flughafen deutlich verzögern.“ Auch müsse die Finanzierungsvereinbarung von Stuttgart 21 erweitert werden. Er gehe davon aus, dass der Gäubahntunnel „eine Milliarde plus X“ kosten werde.

CDU begrüßt Pläne für weiteren Tunnel

Bisher war bekannt, dass die Planer des Deutschlandtakts über einen weiteren Tunnel zur Verkürzung der Fahrzeit zwischen Stuttgart und Mannheim nachdenken. Dafür könnte ein rund 10 Kilometer langer Tunnel im Stuttgarter Nordwesten gebaut werden.
Begrüßt werden die Vorschläge auch beim Koalitionspartner. „Sollten beide Projekte im Gutachterentwurf enthalten sein, so wäre das ein echter Quantensprung für das Bahnprojekt Stuttgart 21 mit ganz erheblichen Vorteilen“, sagte CDU-Verkehrsexpertin Nicole Razavi dieser Zeitung.