Verkehr Bahnexperte Gastel: S21 kostet zehn Milliarden

Blick ins „Lichtauge“ einer Kelchstütze am Tiefbahnhof: Doch rund um den Flughafenbahnhof häufen sich die kritischen Themen.
Blick ins „Lichtauge“ einer Kelchstütze am Tiefbahnhof: Doch rund um den Flughafenbahnhof häufen sich die kritischen Themen. © Foto: Marijan Murat/dpa
Stuttgart / Roland Müller 21.12.2018
Neuer Ärger um das Bahnprojekt Stuttgart 21: Grünen-Verkehrsexperte Gastel moniert, dass die Gäubahn jahrelang gesperrt wird – und nennt neue Kosten.

Auf der S-21-Baustelle hat die Bahn am Freitag erstmals ein „Lichtauge“ präsentiert – jene Öffnungen in den berühmten „Kelchstützen“, durch die Tageslicht in den neuen Tiefbahnhof gelangen soll. Kritiker des Milliardenprojekts Stuttgart 21 können solche architektonischen Highlights nicht besänftigen. Bereits die Nachricht, dass die S-Bahn zum Flughafen ein Jahr lang durch Baustellen unterbrochen wird, hat viele erbost – unter anderen auch den Bundestagsabgeordneten und Verkehrsexperten Matthias Gastel (Grüne). Er unterstellt der Bahnführung einen fatalen Hang zur Salami-Taktik. „Wirklich offen war die Kommunikation der Bahn bei S21 nie“, sagte Gastel der SÜDWEST PRESSE. „Aber seit Neuestem gilt wieder die Devise, alles unter dem Teppich zu lassen, bis es sich gar nicht mehr leugnen lässt.“

Gestiegene Baukosten

Aktuell werden laut Gastel weitere Kostensteigerungen für das Mammutprojekt fest unter Verschluss gehalten. „Intern wird bei der Bahn bereits mit Gesamtkosten von über 10 Milliarden Euro gerechten“, will Gastel aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben. Die Zahl sei dem Bahnvorstand bekannt, als Hauptgrund würden allgemeine Steigerungen der Baukosten ins Feld geführt. In einem offenen Brief an Konzernchef Richard Lutz, der unserer Redaktion vorliegt, fordert Gastel, „dass Politik und Öffentlichkeit  stets umgehend über neue Erkenntnisse informiert werden“.

Ein Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm weist die Anwürfe zurück: „Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG hat für das Projekt Stuttgart 21 in seiner Sitzung vom 26. Januar 2018 einen Finanzierungsrahmen in Höhe von 8,2 Milliarden Euro beschlossen. Dieser Sachstand gilt unverändert“, heißt es auf Anfrage.

Auch bei einer weiteren Komplikation rund um den Flughafen-Bahnhof auf den Fildern wünscht sich Gastel Offenheit. Es geht um die Gäubahn Stuttgart–Zürich. Sie muss dauerhaft unterbrochen werden, weil ein Viadukt, über die sie fährt, ein halbes Jahr vor Fertigstellung des Tiefbahnhofs abgebrochen wird. Die Gäubahn endet dann in Stuttgart-Vaihingen. „Das sollte eigentlich nur ein halbes Jahr so sein“, sagt Gastel. Künftig soll die Gäubahn über das berühmte „dritte Gleis“ am Flughafenbahnhof nach Stuttgart rollen – doch das werde erst zwei Jahre später fertig. Gastels Schlussfolgerung: „Die Züge aus und nach Zürich werden mindestens 2,5 Jahre lang nicht an den Stuttgarter Hauptbahnhof fahren können, sondern in Vaihingen beginnen und enden“, mit „fatalen Auswirkungen“ für den Bahnverkehr in die Schweiz. Dabei sei es mit Kosten im „niedrigen einstelligen Millionenbereich“ möglich, die Gäubahn vorerst weiter über die historische „Panoramabahn“ zum Hauptbahnhof fahren zu lassen.

Dieser Lösung erteilt die Bahn mit Verweis auf Vereinbarungen der Projektpartner eine Absage. Die Führung der Gäubahn über die Panoramastrecke sei „keine Option“. Eine Aussage darüber, wie lange die Gäubahn tatsächlich unterbrochen werden müsse, sei zudem „derzeit nicht möglich“: Noch sei schließlich das Planfeststellungsverfahren nicht abgeschlossen.

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