Stuttgart 21 Bagger beißt den Rosensteinpark an

Mit einer Feier am Barbaratag, der Schutzheiligen der Bergleute, hat auf der Neckarseite der Tunnelbau begonnen.
Mit einer Feier am Barbaratag, der Schutzheiligen der Bergleute, hat auf der Neckarseite der Tunnelbau begonnen. © Foto: Ferdinando Inannone
Stuttgart / Von Daniel Grupp 05.12.2018

Durch das Erdreich in der Nähe des Schlosses Rosenstein in Richtung Innenstadt führt der neue Bahntunnel, der seit diesem Dienstag von der Ostseite her gegraben wird. In einigen Monaten wird unmittelbar daneben ein zweiter Tunnel, in diesem Fall für die S-Bahn, angebissen. Beide zweigleisigen Röhren sind die Fortsetzung der neuen Neckarbrücke.

Christof Lienhart, Projektleiter für diesen Abschnitt von Stuttgart 21, sagte beim feierlichen Tunnelanschlag am späten Dienstagnachmittag: „Wir stehen an einer der strategisch und planerisch wichtigsten Stellen des Projekts.“  Hier in der Nähe führte schon der 1846 gebaute erste Bahntunnel von Bad Cannstatt ins Stuttgarter Zentrum. Heute treffen und kreuzen sich in diesem Bereich der neue Rosensteintunnel für Autos, der gerade gebaut wird, die Stadtbahnlinie U 14, S-Bahnen und Züge. Während sich S-Bahnen und Fernzüge die neue Neckarbrücke noch teilen werden, trennen sich an den Tunneln die beiden Systeme. Die S-Bahn wird über die neue Röhre zur Station Mittnachtstraße und dann zum S-Bahn-Bereich des Hauptbahnhofs geführt. Der zweigleisige Zugtunnel führt die Fern- und Nahzüge in Richtung Ehmannstraße und über die Nordschleife in den Tiefbahnhof.

Den Tag der heiligen Barbara, der Schutzpatronin von Mineuren und Bergleuten, nutzte die Bahn, für den offiziellen „Anschlag“ der südlichen Röhre, dem Simone-Tunnel – nach der Patin Simone Herrmann. Herrmann, die Ehefrau von Regionalpräsident Thomas  Bopp, hat Erfahrungen damit, weil das Tunnelsystem zum Neckar schon von mehreren Seiten aus angebaggert wurden. Die Tunneltaufe fand bereits im März 2014 statt. Auf der Westseite des Rosensteinparks hat teilweise der Innenausbau begonnen. In beiden Tunneln zusammen fehlen laut Bahn noch 969 Meter.

Von der Gesamtlänge der Röhren zum Hauptbahnhof sind nach Angaben der DB Projekt Stuttgart – Ulm GmbH schon 80 Prozent gebaut. Im etwa einem Jahr sollen die zwei zweigleisigen Röhren unterhalb des Rosensteinparks fertig sein. „Wir sind vor unserem Zeitplan“, sagte Lienhart. Er sprach von einem „erfolgreichen Jahr“. Er freute sich, dass die Arbeiten von größeren Unfällen verschont blieben. „Wir hatten bisher Glück“, ergänzte Andreas Boettcher als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der  beteiligten Baufirmen. Bei jetzt anstehenden Abschnitt könnten die Arbeiten auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg stoßen, warnte  Böttcher. An manchen Stellen ist die Tunneldecke nur etwa sechs Meter unter dem Rosensteinpark.

43 Kilometer sind fertig

Insgesamt sind beim Projekt Stuttgart 21 die Tunnelbauten weit vorangeschritten. Von den fast 59 Kilometer Tunnel im Umfeld der Landeshauptstadt seien aktuell fast 43 Kilometer gebaut. Das entspreche 73 Prozent. Noch weiter ist der Konzern nach eigenen Angaben bei der Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm: Hier seien etwa 57 von 62 Kilometern gegraben. Die Gesamtquote liege bei 82 Prozent.

Die Arbeiten am Rosensteinpark wären nach Lienharts Darstellung schon weiter, wenn der Naturschutz die Bahn nicht gebremst hätte. Wegen sechs „Juchtenkäferpotenzialbäumen“ habe die Projekt-Gesellschaft 2015 eine Planänderung beantragen müssen, die laut Bahn erst im Januar 2018 abgeschlossen war. Beim Fällen der Bäume habe sich dann gezeigt, dass keine Käfer in ihnen lebten.

Das aktuelle Urteil des Verwaltungsgerichtshofs, der gestern die Baugenehmigung im Bereich des Flughafens aufgehoben hat, nimmt S-21-Projektsprecher Jörg Hamann gelassen. Es gehe nur um eine Straßenverlegung bei Plieningen. Die Pläne des eigentlichen Bahnprojekts seien nicht beanstandet worden.

Infokasten
Auftrag hat Volumen von 285 Millionen Euro

Der Auftrag für den Bau der Tunnel vom Neckar zum neuen Bahnhof ging 2012 an eine Arbeitsgemeinschaft der Firmen Hoch-Tief, Bemo Tunneling und Wayss & Freytag. Insgesamt müssen, samt S-Bahn-Anteil, etwa neun Kilometer Tunnel gebaut werden. Der Auftrag hat ein Volumen von 285 Millionen Euro.

Der Bau der beiden Röhren unter dem Rosensteinpark soll Ende 2019 abgeschlossen sein. Vorbereitende Arbeiten hatten schon 2012 begonnen.

Die Heilige Barbara ist eine Märtyrin des 3. Jahrhunderts. Weil sich schützend ein Fels vor ihr geöffnet haben soll, ist sie die Nothelferin der Bergleute. dgr

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